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Der Israelit · 1903-10-16 · Heft 81-82 (16.10.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 81-82 (16.10.1903)
Date
1903-10-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Prager Ieschiba Trauer und Betrübniß emgezogen, die umso größer waren, als man sich nicht auf einen geeigneten Nachfolger dieses verantwortungsvollen Amtes einigen konnte. Da kamen die erbittertsten Gegner des Oberrabbiners auf den schlauen Gedanken, dieses Amt dem Oberrabbiner zu übertragen, in der stillen, sicheren Erwartung, dieser Posten werde seinen Inhaber so vollständig von allem andern und auch von allen Steuer-Projekten. ablenken, .daß nach dieser Seite hin nichts mehr zu fürchten sei. Dem rührigen Einfluß l dieser Partei war es ein leichtes, diesen ihren Plan durchzusehen und so wurde Rabbi Jom tob Lipman Heller Leiter der altehrwürdigen Prager Talmudhochschule mit dem Titel eines Rosch Ieschiba. Diese Stellung, die in der That allein genüg! hätte, das Leben und Wirken eines großen Gelebrien vollständig auszufüllen, zogen den Oberrabbiner aber in Wirklichkeit nicht von seinen übrigen Pflichten ab. Er hatte im Stillen Tag und Nacht das Material zu seiner neuen Sieuereinschätzung gesammelt und wenige Wochen nach seiner Jnstallirung als Leiter der Ieschiba war die gänzlich umgearbeitete Liste fertig. ■*' Als er sie versiegelt in einem großen Couvert der Kommission vorlegte, schickte er ihrer Eröffnung eine zu Herzen gehende Ansprache voraus. „Die neue Einschätzung/ sagte er etwa. ..unterscheidet sich von der früheren dadurch, daß sie die Begüterten mehr als bisher belastet und die Unbegüterten . mehr entlastet. Nach jüdischer Auffassung sei nicht das Volk für die Führer, sondern seien die Führer für das Volk da.' Nicht das Volk habe die Lasten der Führer, sondern die Führer haben die Lasten des Volkes zu tragen. Das sei in Thora', Neviim und Kesuwim ausgesprochen und entspreche auch dem gesunden Verstände, wenn es in der Praxis auch vielfach anders ge- - halten werde. Aus der Thora wissen wir, daß unsere Aeltesten die für das Volk bestimmten Streiche der egyptischen Frohnvögte Hinnahmen und daß diese Aeltesten m Folge dieser Hingebung später gewürdigt wurden, Gottes Herrlichkeit am Sinai näher zu treten, als die anderen. — Wenn uns in den prophetischen Büchern erzählt wird, daß einst die Baume ausgingen, einen König zu wählen, so wird uns berichtet, daß der Weinstock. der Feigenbaum und andere vorzügliche Baumarten, diese Wahl ablehnten, weil sie nicht auf ihre Vortrefflichkelten und Vorzüge verzichten wollten. Damit sprachen sie aber aus, daß wer eine solche Wahl annimmt, in.der That auf Vieles zu.Gunsten derjenigen verzichten muß. deren-Führung er antritt. — In den Kesnbim, im 144. Psalm, aber ist es deutlich ausge^ sprochen: Alufenu mesubbolim, daß unsere Führer, die am meisten Belasteten sind, und daß, wenn sie es sind, kein Bruch und keine Klage in unserem Kreise mehr herrscht. Wollen Sie an einem solchen Zustande Mitarbeiten, so wollen wir die Liste öffnen, jeden Posten gemeinsam prüfen, wer sich zu hoch eingeschätzt glaubt, soll den Beweis dafür antreten, soll unter Umständen zum Eide zugelassen werden; auf diese Weise bringen wir Recht und Billigkeit in unsere verfahrenen Steuerverhältnisse, anders nicht/ Natürlich dachte Niemand daran, einer solchen Einschätzungsliste zuzustimmen, weil man von vornhinein wußte, daß sie die Steuerlasten so gerecht als möglich verthcilte. Aber aus Anstand, vielleicht auch ails Neugierde, stellte man an den Präsidenten das Gesuch, seinen Entwurf zur Verlesung zu bringen. Die Namen der steuernden Mitglieder waren alphabetisch geordnet. In Folge dessen war Raphael Beck einer der ersten, dessen Steueransatz zur Verlesung kam. Statt 1400 Gulden hatte ihm der Entwurf 2000 zugedacht! . Wer den jäh ausflammenden Blitz in Beck's Auge . beobachtet hatte, als er diese Summe hörte, wußte, daß von diesem Augenblick an der Oberrabbiner'keinen gefährlicheren, grinlmigeren Feind besaß, als Raphael Beck. __(Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint zweimal, und JJonnersiag,'», jrdesnuck!'»■ mindestens zwei Vogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch V. A. Skeinackrer, Leipzig, Nossplatzjv. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 75 Pfennig. — Dkrecte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1vl5.. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe des JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalt?». Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zelt, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indes; ausschliesslich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren. Auf Wunsch stunden wir die Zahlung des JusertiouSöetragS an außer Stelle Befindliche bis nach belanauna einer.snliÄei«. - Anhalt lHauptblatttr Das indische „ . Norddeutsch!«»!». Breslau. Hamburg. Eberswalde, de» jüd. Armenvereine» und für dieselben: Weilbi Inhalt der ersten Beikage: Reue Irrlehren. KonstaMmopel.^ isruager Die russische VoUtik den Inden gegenüber. — Zeitungsnachrichten u. Eorresyondenzen: Deutschland: AuL Eüddeutschlano. Eiidtkuline». Wnrzburg. Russland: Sewastopol. ■ v* * Blätter Illr jüvtlch« Geschichte und Literatur. -_'__ _ Verantwortliche Nedactkon: Oscar Lehmann ln Mainz. — Expedition des Israelit". Schottstrasse Nr- 2. Mainz. Druü und Verlag der Job. Wirtb'schen HofduÄdruSerei Aktien-Gesellschaft in Mainz. HZsrzrr drei Beilagen.

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