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Der Israelit · 1903-10-16 · Heft 81-82 (16.10.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 81-82 (16.10.1903)
Date
1903-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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» m »>»■natZ-Oi * £>S7, 1771 iners eine Kommission in dieser Frage thätig gewesen, die festgesteNt hat, daß eine große Anzahl "der das Wohn- und Handelsrecht der Juden betreffenden Gesetze theilweise entweder vollständig veraltet sind oder trotz der vielen Senatsinterpretationen miteinander im Widerspruch stehen. Diese Mängel sollen durch eine Umarbeitung in liberalem Sinne beseitigt werden." Im Interesse der russischen Juden, die gegenwärtig in wahrhaft menschenunwürdigerLage sich befinden, und auch im eigenen Interesse Rußlands wäre zu hoffen, daß die Nachricht sich bewahrheiten möchte. Herrn von Plehwes bisherige Haltung war aber leider durchaus nicht danach angethan, solche Hoffnungen zu wecken oder zu stärken. - Homcl, im Okt. (Ein Nachwort zu den Judenexcessen.) Von hier wird dem „Verl. Börs.-Kurier" geschrieben: Nach den Einzelheiten der grauenvollen Excesse in Homel wollen wir nun eine zusammenfassende Uebersicht dieses Massenunglücks anführen. Es gab acht Todte, sieben lebensgefährlich Verwundete, über hundert minder schwer Verwundete. 140 Läden und über 200 Wohnhäuser wurden geplündert; 400 Familien sind brotlos geworden. Die Hauptursache des großen Umfanges der Homeler Excesse ist in der ministeriellen Verfügung vom 18. April zu suchen. Nach diesem Rundschreiben ist es den Leitern der Polizei strengstens untersagt, jüdische „Abwehrexcesse" zu dulden. In Folge dessen konzentrirte die Polizei in Homel ihre ganze Kraft nicht auf die Bekämpfung der Plünderer, sondern auf die der jüdischen Abwehr. So konnten die Excesse ungestört ihren Fortgang nehmen. Erst am Abend, als die Polizei mit der Abwehr fertig war, wandte sie sich ernstlich den plündernden Banden zu und jagte sie auch sehr bald auseinander. Es ist festgestellt. daß ein- Abrheilung von 13 Polizeileuten ausgcrcicht hätte, um den ganzen Lärm im Keime zu ersticken. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß die Excesse nicht entfernt den geschilderten Umfang erreicht hätten, wenn, die Juden sich selbst überlassen worden wären, da der Selbstschutz sehr gut organisirt war. Daher konnte man auch bemerken, daß die Plünderer in großer Angst und Eile operirten, weil sie fortwährend das Eingreifen der jüdischen Abwehr befürchteten. Da die Juden weder beschützt wurden, noch sich selbst schützen durften, blieb ihnen nichts anderes übrig, als durch-Flucht ihr Leben zu retten. Fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung verließ daher am Abend' des ersten Krawalltages Homel auf allen möglichen Verkehrswegen. Mittels Wagen. Dampfer und Eisenbahn floh 'man nach den umgebenden Flecken. Daß aber auch die Flucht nicht zum erwünschten Resultate führte, beweist die Zahl derjenigen, die auf dem Wege zum Bahnhofe vonden- Wagen heruntergerissen und mißhandelt, ja schwer verwundet wurden. Besonders tragisch endete die Flucht des jungen Ehepaares Pissez« kin. Um den gefährlichen Weg zum Bahnhof zu vermeiden, wollte das Paar nach der nächsten Bahnstation ahren. Unterwegs jedoch, im nächsten Dorfe, überfieen Bauern das Fuhrwerk und erschlugen den jungen Mann. Die Frau kam mit dem Leben davon^ verfiel aber in Folge des Geschehenen in Wahnsinn. Man denke sich angesichts dieser Vorfälle die Todesangst der jüdischen Bevölkerung, die nun auch auf die Flucht verzichten mußte lind auf. ihre zahllosen dringenden Deutschen nach Petersburg und an den Gouverneur zwei Tage lang keine Antwort erhielt! ■ - Aus dem Gesammibilde der Ereignisse in Homel lassen sich folgende allgemeine Gesichtspunkte hinsichtlich der Lage der Juden in Rußland abstrahiren: Die Regierung will sämmtliche Unruhen im Reich und die ganze revolutionäre Bewegung Rußlands auf die Schultern der Juden abwälzen und durch die Judenkrawalle beweisen, baß die russische Volksmässe an dem Zaren und der bestehenden Ordnung hänge, da sie sich gegen die jüdischen Aufwiegler wende. Wie durchaus falsch diese ganze Konstruktion ist, ergibt sich aus dem Umstande, daß die angebliche Solidarität zwischen dem jüdischen und revolutionären Proletariat, von welchem sowohl in Regierungskreisen, als auch in den oppositionellen russischen Kreisen selbst so viel die Rede ist, sich bei der ersten reellen Gelegenheit als reines Phantasiegebilde erwiesen hat. Die Arbeiter der Bahnwcrkstätten, die den Kern der Plündererbande ausmachten, gehören zum organisirten Proletariate. Nicht auf die Regierung, noch auf das revolutionäre Proletariat also können die Juden ihr Vertrauen setzen, sondern nur auf sich selbst. In Homel haben die Juden zum ersten Mal in der lang ausgedehnten Reihe der Excesse der Neuzeit (seit 1881) einen energischen, organisirten Widerstand geleistet. Das allein hat die Plünderer davon abgehalten, ihrem Treiben eine solche Ausdehnung zu verleihen, wie in Kischinew. Utmiirilunflni ans des iüö. ArMvereluen M f8r dieselbe«. (Sämmtliche jüd. Wanderbeltelveretne und Kasten für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheiluuseu über Erfahrungen, die ste auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zusammen zu kaffen.) Weitburg, im Olt. Bor einer raffinirten Schwindlerin sei hiermit gewarnt.- Eine Hausirerin, Samnel Faß, Ehefrau, aus Galizien/gibt an, sie habe einen kranken Mann und drei Kinder; dieselbe zeigt auch einen Ausweis-des Standesamts Frankfurt a. M. über ein im Monate Juli geborenes Kind. Sie erregt

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