Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 81-82 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1769 vererbend, noch nach vielen Dezennien Zeugniß von dem Wirken dieses wahrhaft frommen Mannes ablege. Wir haben erst vor kurzem anläßlich der ersten Jahrzeit seines Bruders Josef Falf s. A. Philipp FalkS-in diesen Blättern Erwähnung gethan, bei welcher Gelegenheit wir seine große Gelehrsamkeit rühmten. Doch nicht sein umfangreiches Wissen sowohl auf jüdischem, als auch auf profanem Gebiete zeichneten ihn allein aus — nein, vor allem waren es seine hervor- ' ragenden Charaktereigenschaften, welche wir an ihm schätzen und bewundern mußten. In welchem Ansehen stand er bei seinen ^Berufsgenossen! Welcher Werthschätzung erfreute er sich auch bei seinen nichtjü-; bischen Geschäftsfreunden! Wenn man die Beileidsbriefe liest, die von letzteren in großer Anzahl an die Wittwe gerichtet wurden, wenn man sieht, wie jene , wetteifern, seine strenge Rechtlichkeit, seine Bescheidenheit, seine stete Hilfsbereitschaft auch in geschäftlichen Angelegenheiten zu rühmen, da wird man sich sagen müssen, daß der Entschlafene seinem Glauben einen unendlich großen Dienst geleistet hat, nämlich den, daß er durch seinen Lebenswandel seine christlichen Mitbürger gelehrt hat, in ihm die jüdische Religion zu achten und zu schätzen. Und gerade in unserem heutigen, antisemitischen Zeitalter, kann dies nicht hoch genug veranschlagt werden. Mögen sich doch diejenigen unserer Glaubensgenossen, welche dem Antisemitismus durch Assimilation zu begegnen suchen, an dem Verewigten ein Beispiel nehmen, daß die Uebung wahrer Frömmigkeit unseren nichtjlldischen Mitbürgern nur Hochachtung für das Judenthum einflößt. F. Hamburg. (Gesellschaft für jüdische Volkskunde. Das soeben erschienene zwölfte Heft der von M. Grunwald herausgegebenen „Mittheilungen der Gesellschaft" (NI und 124 Seiten) enthält den ersten Theil der Schrift des Herausgebers, „Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811." Das Werk behandelt mit Betonung des kulturgeschichtlichen Gesichtspunktes die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg seit den ältesten Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, zum Theil darüber hinaus, in folgenden Kapiteln: „Das Zeitalter der Glücke! von Hameln." „Die Steuerkraft der Gemeinde." „Der Judentumult 1730" und was ihm voranging." „Das Leben in der Gemeinde." „Die soziale Stellung, Beruf und geistiges Leben." „Der Hamburger Amulettenstreit." „Moralische Streiflichter." -„Hamburger Juden in Bildniß und Karikatur." „Hamburger, Wandsbeker und Altonaer Drucke." „Die Friedhöfe." Das gesammte Werk umfaßt 35—40 Bogen mit 39 Abbildungen und erscheint zum Subskriptionspreis von Mk. 10 bei A. Janssen, Hamburg, Kaiser Wilhelmstrahe 10. Aus dem Inhalt des zwölften Heftes sind besonders die. Ergänzungen zu Ehrenbergs. Aufsätzen über die Entstehung großer Vermögen.sowiedie aktenmätzige Darstellung des berühmten Streites zwischen Eybeschütz und Emden, eines Nachspieles dev ' |>urd) Sabathai Zebi hervorgerufenen Bewegung, zu erwähnen. Die Sammlungen der Gesellschaft in dem verflossenen Halbjahre haben einen erheblichen Zuwachs erfahren. Ebenso schreitet das Unternehmen, jüdische Denkmäler, Volkstypen u. s. w. photographiren zu lassen, stetig vorwärts. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist auf Mk. 3.30 festgesetzt. Zuschriften nimmt Herr Dr. Max Grnnwald. Wien XV, Turnergasse, entgegen. Eberswalde, 6. Okt. (Vierzigjähriges Iubil 8 u m.) Auf eine 40jährige treue Berufsarbeit konnte am gestrigen Tage Herr Fabrikdirektor Hesse zu Messingwerk zurückblicken. Jung und Alt, Arm und Reich, hatten sich zusammengethan, um gemeinsam mit ihrem verehrten Direktor ein fröhliches Jubiläum zu feiern. Messingwerk prangte in einem prachtvollen Guirlandenschmuck. Schon in zeitiger Frühe brachte ein vielstimmiger Sängerchor, zusammengesetzt aus Angestellten des Werkes, unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Lehrer B i n g e r, dem Jubilar den Morgengruß dar. Am Vormittage nahm als- 'dann Herr Hesse die Gratulationen der Deputationen ^verschiedener Vereine und der anwesenden Gäste entgegen. Von 1 Uhr mittags konzertirte die Kapelle des Garde-Schützenbataillons im Garten des Jubilars. Nachdem der derzeitige Besitzer des Messingswerkes, Herr Aron Hirsch und verschiedene andere Großindustrielle erschienen waren, wurde im großen Saale des herrschaftlichen Hauses das Festmahl eingenommen, bei welchem Herr Aron Hirsch seinen Direktor in einer längeren Ansprache feierte.' Toast auf Toast folgten dieser Rede. Währenddessen rüsteten sich im Sportpark annähernd 700 Angestellte der Firma, um ihrem Direktor eine große Ueberraschung zu bereiten. Unter e Vorantritt der genannten Musikkapelle, welcher der.j^hef der Firma, Herr Aron Hirsch und die Fabriksfeuerwehr folgte, setzte sich ein nicht absehbarer Zug von tausend Menschen in Bewegung, um Herrn Hesse einen prachtvollen Fackelzug zu bringen. Ganz'Messingwerk, auch die zum Werke gehörigen Hütten, waren illuminirt,' was dem Ganzen erst das glänzende Gepräge verlieh. -Vor der Wohnung des Jubilars hielt der Fackelzug. Mit schwungvollen, kräftigen Worten pries Herr Hirsch seiner Arbeiterschaar gegenüber das treue und gewissenhafte Arbeiten seines lieben Direktors, dem ein brausendes, tausendstimmiges Hoch folgte, während im gegenüberliegenden Park ein prachtvolles Feuerwerk abgebrannt wurde. Herr Hesse dankte mit bewegten Worten: Nun bewegte sich der stattliche Zug dem Stadtpark entgegen, wo Herr C. Meyer ein gutes Naß den' trockenen Kehlen spendete. -Jeder wurde auf Rechnung der Firma Aron Hirsch & Sohn auf's beste bewirthet.