Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 94 (26.11.1903)
- Date
- 1903-11-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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kirchen. Sie war mit allen Gaben des Geistes und des Herzens ausgestattet, von tiefer, inniger Frömmigkeit durchdrungen und besaß alle Eigenschaften, die eine jüdische Frau, eine wahrhafte b~ nrx zieren. Die Dahingeschiedene war eine treue zärtliche Gattin ihrem gelehrten Gatten und eine besonders hingebungsvolle Mutter ihrer beiden leider zu früh verwaisten Kinder. Ihr so frühzeitiges Dahinscheiden hat in Halas, wo sie sich außerordentlicher Beliebtheit erfreute, tiefe Trauer und allgemeine Theilnahme hervorgerufen, und auch hier in Frankfurt, wo deren Gatte, Herr Rabbiner Dr. Spitzer, noch von seiner Studienzeit her, als er die Ieschiwa des Herrn Rabbiner Dr. Breuer mehrere Jahre besuchte, in vielen jüdischen Kreisen eines guten Andenkens sich erfreute, wird dieser Trauerfall tiefes Bedauern und innige Theilnahme erregen. H. Lö . .... . r. Breslau. Am xn nens p nzv feiert unser verehrter Herr Oberkantor Spiro seinen 70. Geburtstag. Herr Spiro, der seit 32 Jahren sein Amt in hiesiger Gemeinde versieht, gehört noch zu den ausgezeichneten Kantoren der alten Schule. Sein Vortrag ist besonders hervorragend auf dem Gebiete des alten und noch heute lauscht der andächtige Zuhörer dem Vortrag des Herrn Oberkantor Spiro mit warmem Interesse. Herr Spiro ist außerdem ein nbvra ein guter Hebraist, ein tüchtiger, weit und breit rühmlichst bekannter Mohel, der viele hundert Knaben eingeführt hat m wax am-x bv nnaaj und hat sich durch seine Frömmigkeit, sein bescheidenes Auftreten die Verehrung Aller erworben, die ihn näher kennen. Möge es denn Herrn Oberkantor Spiro vergönnt sein, noch viele Jahre in voller Gesundheit in unserer Gemeinde zu wirken. na' *px' n W. F. Ncinhcim, 23. Nov. Es scheint, daß es mit der Regelung der Verhältnisse im Schulrvesen der hessischen israelitischen Religionsschulen doch bald Ernst wird, und daß der Unterricht auch von Seiten der Großh. Kreisschulkommission beaufsichtigt werden soll. So wurde heute die hiesige Religionsschule des Herrn Lehrer Vorenberg von dem Herrn Kreisschulinspektor Gunderloch -Dieburg besucht. Er ließ Religion (dritte und fünfte Gebot) und Bibel-Geschichte (Noah und Abraham) mit der Unterabtheilung durchnehmen. Mit einem: „63 war gut" verließ er die Klasse. Zaberfeld (Württemberg), 23. Nov. Verflossenen Freitag Nacht sind die Wohnhäuser des Schmieds Federmann dahier, bei dem Feuer ausbrach, und des israelitischen Handelsmannes Wolf Jordan nebst zwei Scheunen niedergebrannt. Wolf Jordan und seine zwei aus zweiter Ehe stammenden Kinder sind in den Flammen umgekommen und wurden verkohlt aus dem Brande herausgezogen. Die Mutter stürzte aus dem Fenster auf die Straße und fiel so unglücklich, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Frankreich. Paris, 23. Nov. Gestern haben die Antisemiten eine große Versammlung in Versailles abgehalten. Ter ganze antisemitische Generalstab war anwesend. Da sich Versailles ganz in der Nähe von Paris befindet, habe ich die Reise nach dorten gemacht, um der Versammlung beizuwohnen. Diese Versammlung hat an Gemeinheit. Niederträchtigkeit und Volksverdummung alle übrigen antisemitischen Versammlungen übertroffen, was nicht wenig bedeuten will. Drumont hat die Unverschämtheit besessen, unter dem frenetischen Beifall der thörichten und verführten Menge folgende Worte zu sagen: „Wenn unser Vaterland jetzt so furchtbare Krisen über sich ergehen lassen muß, so geschieht es lediglich aus dem Grunde, weil die Juden jetzt die Herren der Regierung und des Parlaments sind dank der Macht des Geldes, das sie uns gestohlen, haben." Ein treuer Leutnant Drumont's, der nach ihm das Wort ergriffen, führte ungefähr Folgendes aus: „Ich weiß sehr wobl, daß in Versailles nur sehr wenig Juden da sind. Der Jude ist aber auch von der Ferne schädlich. Die Pest herrscht augenblicklich nicht in dieser Stadt und trotz alledem wird Niemand ihre Existenz leugnen. Man muß eben den Juden als die Pest betrachten." Ein dritter Redner glaubte besonders geistreich zu sein, als er daran erinnerte, daß man sich aus demselben Boden befinde, den vor dreiunddreißig Jahren die Preußen besetzten, denen der Verräther Dreyfns Frankreich hat ausliefern wollen. Und die thörichte Menge hat diese bewußten Unwahrheiten mit lebhaftem Beifall ausgenommen und dann Drumont vor seinem Hotel eine großartige Ovation veranstaltet. Ist es denn nicht traurig, festzustellen, daß in Frankreich über hundert Jahre nach der Proklamirung der Menschenrechte, bewußte Lügner und gemeine Betrüger, deren offenbarer Zweck es ist, im Trüben zu fischen, noch Tausende von Menschen finden, die an ihre albernen Märchen und Räubergeschichten noch glauben? Traurig, aber wahr. Pi. ' Rußland. F. Petersburg. (Auswanderung au»' Rußland.) Trotz der unbequemen Reisezeit mit ihren Herbststürmen nimmt die Auswanderung russischer Juden neuerdings kolossale Dimensionen an. Nebst Kischinew, aus dem ganz neuerdings 182, und Homel, wo als erste Wirkung des Krawalls 60 jüdische Familien ausgewandcrt sind, haben in den beiden letzten Monaten Tausende von Juden das undankbare Rußland verlassen, um jenseits des großen Wassers eine bessere Heimath zu suchen. Aus Wilna, Minsk, Grodno, aus Kowno, Wolhynien und Cherson, kommen Meldungen, daß die jüdischen Massen sich in Bewegung