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Der Israelit · 1903-11-26 · Heft 94 (26.11.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 94 (26.11.1903)
Date
1903-11-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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2072 Lustmordes* gegen die Juden zu erheben gewagt hätten. Und sicherlich harte der Apostat Pfefferkorn, später der grimmigste Gegner des Judenthums, ein Paulus Ricius/wenn an der Blutbeschuldigung etwas Wahres wäre, das Judenthum mit der Anklage derselben nicht verschont. So geißelt Osiander, indem er Argument auf Argument häuft, die gegen das Judenthum gerichtete Anklage und verweist sie in das Bereich der Lüge und der Märchen. Auf den Pösinger Fall dann eingehend, zeigt er. auf wie schwachen Füßen die ganze Anklage beruhte, mit welchen Mitteln man da versuchte, den wahren Sachverhalt zu trüben, um eben eine Schuld der Juden zu beweisen. „Gott woll sich's lassen erbarmen." so ruft er aus. „daß man also mit Menschenblut umgehet. Wer will da nicht merken und sehen, daß es eine andere Ursach gehabt hat, darum die Juden verbrannt sind worden denn das Kind? er hofft zu Gott, der das Blut von Menschen fordert, es werde nicht verborgen bleiben." Was aber den jetzigen gegen die Juden von Pfalz-Neuburg schwebenden Prozeß öetresse. so halte er diese für unschuldig. Er gibt dem Herzog eine Reihe von Spuren an. die genau zu verfolgen sind, um des wirklichen Thäters habhaft zu werden. Der Herzog möge die Schuldigen ganz wo anders suchen, als unter den Juden, er möge sie suchen unter der Obrigkeit, den Anklägern, den Zeugen, dem Klerus, ja selbst unter den nächsten Bekannten und Verwandten des ermordeten Kindes. Er spricht es offen aus, daß nicht die Juden die Mörder sind, sondern Diejenigen, die ihnen das Verbrechen des „Ritualniordes" vorwerfen, um sie zu verderben. Man bedenke, was in jener Zeit religiösen Hasses und religiöser Unduldsamkeit ein solches Urtbeil bedeutete! Dieses unparteiische Gutachten hatte wirklich zur Folge, daß der Herzog von der Haltlosigkeit der Anklage überzeugt wurde, die Juden seines Landes von der Schuld freisprach und sogar das Schreiben Osiander's ohne den Namen des Verfassers zu nennen, der Oesfentlichkeit bekannt gab. Selbstverständlich war dies den Judenfeinden, den Anklägern, ein Schlag in's Gesicht; um den Verfasser und damit den Werth der anonym veröffentlichten Vertheidigungsschrift zu verdächtigen. bedienten sich schon damals die Judenfeinde ganz derselben Mittel. d:r:n sich heute in ähnlichen Fällen ihre Gesinnungsgenossen bedienen; sie bezeichneten den Verfasser als Juden. „Er ist ein Jude gewest, er ist ein Jüde und bleibt ein Jude." Der Klerus wandte sich sogar an Professor Johannes Eck in Ingolstadt. den bekannten Gegner Luther's und seiner Lehre, und veranlaßte ihn, die erschienene Vertheidigungsschrift zu widerlegen. Eck entledigte sich dieser Aufgabe, indem er nicht durch sachliche, wissenschaftliche Gegengründe. sondern in scharfen Beleidigungen und beschimpfenden Ausfällen gegen den Verfasser der Lchrrsr zu Felde zog. Auch er bezeichnet die Schrift als „Judenbüchlein". nennt den Verfasser einen „Zungenverkäufer", einen „ungelehrten Wascher, ein unseliges Lästermaul. Judenvater, Mameluck, Spitzbube, aus dem der Teufel rede, verruchten Schänder der Christenheit." Ja. Eck geht sogar weiter und benutzt diese Gelegenheit, um in einer besonderen Abhandlung über die Juden herzufallen und sie weidlich auszuschimpfen. War bisher „das Judenbüchlein", die Veriheidigungsschrift Osiander's. nur in schwachen Andeutungen und in entstellter Form aus dieser Abhandlung Eck's bekannt, so liegt sie heute — Dank einem glücklichen Zufall zur rechten Zeit aus dem Schoße der Vergessenheit ans Tageslicht gefördert — vor, und stellt sich als das hervorragendste Schriftstück dar, das in trüben Zeiten gegen den Vlutaberglauben veröffentlicht wurde, als ein Denkmal der Gerechtigkeit und der Wahrheitsliebe. (Dr. P. M ü n z in Fr. C.) Zettungsnachrichlerr und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 15. Nov. (Repräsentanten - sitzung.) Zuwendungen.' Von Herr Kommerzienrath Louis Simon 25,000 Mk.. Von Herrn Albert R a t h a u; 20,000 Mk. zur Erhaltung eines Erbbegräbnisses und 12,000 Mk. für die Altersversorgungsanstalt. Von Herrn Rechtsanwalt Steinau 6000 Mk. für das Krankenhaus. Es folgt Beraihung über die feierliche Ausgestaltung der Barmizwahfeier. In der Kommission hat man sich begnügt, dem Vorschläge des Vorstandes entsprechend, zunächst den Vortrag von zwei deutschen Chorgesängen einzuführen, worauf alsdann die Ansprache des Rabbiners an die Knaben, die an das Jeworechecho ausklingt und der Aufruf der Knaben zur Thora erfolgen soll. Ferner soll jedem Knaben ein Buch religiösen Inhalts geschenkt werden. Alles soll zunächst nur in den Synagogen mit Orgelbegleitung eingeführt werden.'— Wir wünschen den Herren guten Erfolg. Ut aliquid fieri videatur. Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdei's nick: erjagen! Es folgen Rechnungsabschlüsse. E. R. Frankfurt a. M., 24. Nov. Soeben erhalten wir die traurige Nachricht von dem Hinscheiden einer rp“® nr.trn nrx der Frau des Herrn Rabbiner Dr. Samuel Spitzer in K. Halas (Ungarn), welche verflossenen p'Vv nach längerem Leiden in noch jugendlichem Alter in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Die Verewigte, einer rühmlichst bekannten ungarischen Rabbinerfamilie entstammend, war eine o^nj ra und eine Tochter des Rabbiners Pscherhofer in Frauen-

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