Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 94 (26.11.1903)
- Date
- 1903-11-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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' 2070 ü»'~>iB»iV-Ü>‘I tvtii'i1 ä llch durch, daß er Ihren Vater!n der Thai zum Tode und alle Juden zur Austreibung verurteilen wollte. Nur der eine, Raphael, sollte im Lande bleiben dürfen und Hofagent werden. Als nun meine Frau mir der Kaiserin und ich mit dem Kanzler deßhalb sprach, ist es uns gelungen, der Sache die Wendung zum Guten zu geben,, daß Ihr Vater am Leben und die Iudenschart im Lande bleiben soll. Damit aber durch eine vollständige Freisprechung die Fürsten nicht ^öloßgeftellt würden, mußte Se. Majestät die Todesstrafe wenig-- stens in eine Geldstrafe umwandeln. Das ist auch der Grund, warum man gegen die verleumderischen Denunzianten nicht Vorgehen darf. Ein so hartes Uriheil hatten auch sie übrigens nicht beabsichtigt und nicht erwartet, aber jedensalls ist mit ihrer Ehre die ihrer fürstlichen Schuldner verknüpft. Endlich ist die ganze Sache zur Zeit tiefes Eeheimnitz und muß es auch für's erste bleiben. Deßhalb ist es nothwendig. daß Sie so handeln, als wüßten Sie von alledem nichts." „Darf ich es wenigstens meinem Vater berichten?" fragte ich. „Ihrem Vater ja," erwiderte der Fürst. ..aber nur ihm. Er soll mit allem Eifer darauf bedacht sein, mit feinen Feinden auf guten Fuß zu kommen, dann lassen sich noch große Erleichterungen betreffs Abzahlung der Geldstrafe erwirken, vielleicht, daß er sogar mit der Zeit die Erlaubniß wieder erlangt, Oberrabbiner von Prag zu sein." Nachdem wir so über eine Stunde zusammen waren, führte mich der gütige Fürst in das Boudoir seiner Frau, denn ich wollte auch ihr meinen Dank aussprechen. Aber sie wollte nichts von Dank Horen und sah alles, was sie uns Gutes gethan, nur als kleine Gegenleistung für das, was ich ihr erwiesen hatte. Ich bat beide sodann um die Erlaubniß, ihnen meinen Vater vorführen zu dürfen, sobald er die Freiheit erlangt haben wird, denn mein Vater wird nicht ruhen und rasten, bis er allen den Edlen feinen Tank bezeugt haben wird, die ihm so große Gnade erwiesen haben. . „Ich denke," entgegnete der Gesandte, „daß wir Wien verlassen, bevor Ihr Vater ganz frei sein wird." Ich eilte nun. nachdem ich mich von unserem fürstlichen Wohlrhater verabschiedet harre, zu meinem Vater und erzählte ihm alles, was mir Feldmarschall von Turenne mitgetheilt und gerathen barte. Mein Vater hat den Rath auch befolgt und niemals auch nur ein hartes Wort gegen seine Feinde und Verfolger gesprochen, sondern stellte alles Gott anheim, er selbst aber verhielt sich ruhig, verkehrte mit Jedermann, auch mit seinen Feinden. freundlich, als ob er gar nicht wisse, daß sie es waren, welche ibn verfolgt hatten, denn er hatte ihnen in Wahrheit alles aus vollem Herzen verziehen. Aber Gott ist der Gott des Rechts und sucht viel rascher und nachhaltiger die seinen Frommen, als die ihm selbst erwiesene Kränkung heim. Das konnte man auch hier offenkundig sehen. Denn alle die Männer, die auf der meinem Vater feindlichen Seite standen, starben in kurzer Zeit einer nach dem andern weg. selbst die kleinen Kinder blieben nicht verschont, wie eder Midrasch zu Paraschat Korach sagt: „Rabbi Berachja lehrte: Wie schwer rächt sich doch die Zwietracht! Gottes Gericht straft den Schuldigen erst vom zwanzigsten Lebensjahre an. menschliche Justiz vom 13. Lebensjahre und darüber. Aber durch den von Korach entfachten Streit wurden selbst einen Tag alte Kinder verbrannt und von der Erde verschlungen, denn so ist es gesagt: „Sie, ihre Frauen, ihre erwachsenen und ihre kleinen Kinder!" (Schluß folgt.) Der „Israelit" erscheint wScheatllch znelntal, Montag» nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljabr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonmrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der- Buchhandel verkehrt durch D. Jr. Kl rinarkrr, Leipzig, Rotzplatz )b. — Inserate25 Pfinnigdie viergespaltcne Nonpareillezeile «der deren Raum. Preis der Zeile im Neclametheil 75 Pfennig. — Tirccte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Eryedition franco emsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und s,nstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und streitag erscheinende »Kleine Ausgabe deS Israelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. 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