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Der Israelit · 1903-11-26 · Heft 94 (26.11.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 94 (26.11.1903)
Date
1903-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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2069 Libau, im Nov. Ern Ausflug der Zöglinge der Libauer Handelsschule nach Moskau hat leider einsehr plötzliches und wenig befriedigendes Ende gefunden. Nach zweitägigem Aufenthalt in der alten Zarenstadt wurde dem die Schüler begleitenden Direktor der Schule, Herrn Dobrosrakow, von dem Oberpolizeimeifier von Moskau mitgetheilt, daß die an dem Ausfluge theilnehmenden Schüler mosaischer Religion auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen, die Hebräern den Aufenthalt in den Hauptstädten untersagen, sofort die Stadt verlassen müßten. Da die christlichen Schüler ihre Kameraden mosaischer Konfession — die sich in recht beträchtlicher Zahl an dem Ausfluge betheiligt hatten — nicht im Stich lassen wollten, wurde die gemeinsame Rückfahrt angetreten. neilnnp ans Deo lüd. ArmMrelueu lind skr dieselben. kTürnmtliche jüd. Wanderbettelvereine unv Kassen für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer THLtigkeit machen,;u?ommen zu lassen.) Aschcrslcben, 21. Nov. Dieser Tage sprach an hiesiger Kasse ein Mann unter dem Namen Elias Berger vor und legitimirte sich mit einer Arbeitertarle gleichen Namens. Dieser Mann ist jedoch, wie es sich herausstellte, lein Jude, und ich vermuthe sogar, daß sein Na'.ne ein anderer. Die Verwaltung der Armenkasse: M. S ch l o ß. ft c u i 1 l t t o «, Rabbi Fm tab Lipmail Wer. 15! Von Heinrich Lebermann. XVII. „Wenige Tage nach dieser Mittheilung besuchte ich den französischen Gesandten von Turenne wieder und empfing mich derselbe mit ganz besonderer Freude. Er hatte an diesem Tage durch einen besonderen Abgesandten Ludwig XIV., Königs von Frankreich, die Feldmarschallwürde erhalten, die ihn an die Spitze der ganzen französischen Armee stellte. Trotzdem nahm der edle Fürst an diesem Tage, wo die ersten Würdenträger des Reichs bei ihm vorfuhren, um ihn zu seinem neuen Titel Zu beglückwünschen, sich die Zeit, mit mir sich über eine volle Stunde in seinem Privatgemach zu unterhalten. Biel, viel Neues hörte ich von ihm, ich werde aber nur wenig davon berichten. Das kurze Resum6 seiner eingehenden Mittheilung war Folgendes: „Zunächst steht es fest, daß die ganze Denunziation nur ein verlogener Vorwand ist, und als solcher auch anerkannt wird, um gegen Ihren Vater etwas zu finden, und ihm den Prozeß machen zu können. Ihr Vater iss vollkommen schuldfrei, er hat keinerlei Unrecht begangen, so wenig, wie er in seinen Schriften etwas Strafbares geschrieben hat. Es wäre in dieser politisch aufgeregten Gegenwart jetzt auch die denkbar schlechtste Zeit, um Glaubenssachen halber, die keine praktische Bedeutung haben, solche Prozesse zu fuhren. Aber in Wirklichkeit verbirgt sich hinter dem Vorgang ein ganz anderer Plan, der aber Geheimniß und unter uns bleiben muß, da er die höchsten Fürstlichkeiten Wiens betrifft. Ich sage die höchsten Wiener Fürstlichkeiten, aber Namen nenne ich nicht. Diese Herren hatten in ihren Geldunternehmungen Unglück und schulden, jeder von ihnen, etwa 40—50,000 Gold-Dukaten einem reichen Juden Namens Raphael, der früher einige Jahre in Wien wohnte und jetzt sein Domizil in Prag hat. also in derselben Stadt, in welcher Ihr Vater Qberrabbiner war. Nun hat Ihr Vater eine große Unüberlegtheit begangen, diesen einflußreichen Mann zu reizen, so daß er Ihrem Vater ein Feind wurde. Deßholb wollte ihn dieser Raphael vom Rabbinatssitze fort haben, womit die Prager Gemeinde aber nicht einverstanden war. Es entstand dadurch eine anfänglich unbedeutende Streitigkeit in der Gemeinde, die aber dann größere Parteiungen zur Folge hatte. Der aewaltthätige Mensch mit seinem kleinen Anhang wollte nun auf Grund seiner guten Beziehungen, die er mit den Inhabern der höchsten Stellen im Reich hat, die Sache mit aller Gewalt durchsetzen. Ein Ihnen gewiß bekannter Gerichts-Assessor (Dajan) Namens Rabbi Josef Schor. und ein ebenfalls als großer Gelehrter bekannter Mann Namens Victor RocheS. die sich auch auf dis Landessprache und das Landesgesetz gut verstehen, haben aus dem Buche Abres Vaters einige Partien übersetzt, um darzutbun, daß er dem ganzen Lande großen Schaden bringe. Mit dieser unscheinbaren Waffe begab sich sener Herr Raphael zu den Fürstlichkeiten, deren Gläubiger er war, und oersprack ihnen, einige Wechsel, die er von ihnen hatte, zu zerreißen, wenn sie ihm nur zu Willen sein wollten, seinen Gewaltstreich durcknuführen. So wurde die an und für sich harmlose Sache zu einer wirklich tödtlichen Waffe. Denn die in Rede siebenden Herren sind, von allem abgesehen, auch an und für sich niemals Freunde der Fuden gewesen, und mit einer so unscheinbaren, nn'nöolichen Denunziation setzten sie es bei Sr. Majestät. dem wahrhaft guten Menschen und Kaiser, wirk-

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