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Der Israelit · 1903-11-26 · Heft 94 (26.11.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 94 (26.11.1903)
Date
1903-11-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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2067 feien nur die Sozialdemokraten und die Juden schuld (Worte, die vor der Stichwahl übrigens kaum einen Sinn gehabt halten), fand aber keinen Glauben und wurde wegen Beleidigung des Kaufmanns B. zu der milden Strafe von 30 Mk., eventuell drei Tagen Haft, frmie zur Tragung der Kosten und der dem Kläger erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt. Breslau, 19. Roo. Gestern Abend fand Hierselbst im großen Saale der „Lessing-Loge" eine von dem Lokal-Verband des „Esra Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina" einberufene, ungewöhnlich zahlreich besuchte öffentliche Versammlung statt, welche sich zu einer imposanten Kundgebung jüdischen Lebens in Breslau gestaltet und von dem wachsenden Interesse, dessen der Verein „Esra" und die Kolonisation Palästinas überhaupt auch hier sich c: freut, wohlthuendes Zeugniß abgelegt hat. Es dürften wohl nahezu fünfhundert Personen anwesend gewesen sein, die den besten Kreisen unserer Gemeinde angehörten, an ihrer Spitze die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Dr. G u t m a n n, sämmtlichc Dozenten des jüdisch-theologischen Seminars, Mitglieder des Repräsentanten - Kollegiums etc. etc.; die zionistische Vereinigung hatte sich vollzählig eingefundcn. Auch die Zahlreich erschienenen Damen folgten den Vorträgen mit sichtlich lebhaftem Interesse. Der Vorsitzende des Lokal-Verbandes, Herr Prof. Dr. B a d t, eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in welcher er die erfreuliche Entwickelung des palästinensischen Vesiedelungswerkes skizzirte. Hierauf ergriff Herr Davis T r i e t s ch - Berlin, als Vertreter des Breslauer Zrveigvereins auf dem Delegirtentage das Wort, um zunächst über den bisherigen Werdegang und das imposante Aufblühen des „Esra" zu berichten und sodann seine Ideen über die weiteren Aufgaben des Vereins, sowie über die Mittel, welche demselben eine selbstständige Thätigkeit größeren Maßstabes in Palästina, namentlich nach der industriellen Richtung hin, ermöglichen würde, zu entwickeln. Rach diesen sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen betrat Herr Dr. Alfred N o s s i g - Berlin die Rednertribüne. In mehr wie einstündigem Vortrage beleuchtete er die Hauptprobleme der jüdischen Kolonisations-Arbeit. Der mit reger Aufmerksamkeit aufgenommene Vortrag gipfelte in drei, die energische Fortsetzung einer planmäßigen Kolonisations-Thätigkeit unter dauerndem Zusammenschluß aller Palästina-Faktoren empfehlenden Resolutionen, welche, wie in Berlin und Hamburg, zum Schluß der Versammlung einstimmig angenommen wurden. Lebhaften Widerhall fand die kernige Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. G u t m a n n , der den Ausführungen Dr. Nossig's volle Anerkennung aussprach, es ihm aber zum Vorwurf machte, daß er in seinem Vortrage allzu sehr den zionistischen Standpunkt in's Auge gefaßt habe. Alle Palästinafreunde, Alle, die ein Herz für unsere verfolgten, heimathlose» Brüder haben, hätten ein gleiches Recht und die gleiche Pflicht, an dem Kolonisations- und Rettungswerke mitzuarbeiten, und die heutige imposante Versammlung, die sich in ihrer überwiegenden Mehrzahl aus Richl-Zionisten zusammensetzte, bilde den Beweis, daß Juden aller Anschauungen diesem gemeinsamen'Werke das wärmste Interesse entgegenbringen. Als letzter Redner überbrachte Herr Dr. Hirsch Hildesheimer- Berlin zunächst die Grüße des Central-Komitees des Vereins „Esra" und der Propaganda-Kommission des „Komitee Central des Chow<w6 Zion", um sodann die nach langjährigen Kämpfen immer großartiger, immer überraschender sich gestaltenden Erfolge der Kolonisation Palästinas und den Antheil, den der „Esra" daran genommen, zu schildern. Redner schilderte in ausführlicher Weise die aufblühenden Kolonien. Angesichts dieser unbestreitbaren Thatsache habe die Propaganda-Kommission und mit ihr das Central- Komitee des „Esra" eine verstärkte Wiederaufnahme ihrer Wirksamkeit als berechtigt und deßhalb als geboten erkannt. Ein weiteres Moment komme hinzu, um die Anspannung aller Kräfte als eine der ernstesten, heiligsten Pflichten der Gegenivart erscheinen zu lassen, der Keiner in unserer Mitte sich entziehen dürfe: .der von Tag zu Tag in immer bedrohlicherer Steigerung sich verschärfende Jammer und die Rothwendigkeit, denselben zu lindern. Gleichviel in welchem Umfange der „Esra" an diesem Rettungswerke mitzuarbeiten vermag, bei der Größe und der Wichtigkeit dieses Werkes müsse jede ihm dienende Organisation ihr Höchstes zu leisten versuche und erhalte Alles, was vollbracht wird, seine Bedeutung. Von dem brennenden Verlangen geleitet, seiner Aufgabe in erhöhtem Maße gerecht zu werden, verdopple der Verein „Esra" seine Bemühungen, den Kreis seiner Freunde und damit sein Leistungsvermögen zu steigern. Diesem Zwecke gelte die heutige Versammlung, und der bewährte Opfersinn der Breslauer Judenheit bilde die sichere Gewähr. daß dieser Zweck voll und ganz erreicht werden wird. Rach einem warmen Appell an die Anwesenden, dem „Esra" und dem Palästinawerke ihr Interesse zu bethätigen, schloß Herr Prof. B a d t die Versammlung, deren Bedeutung dadurch erhöht wurde, daß ein stattlicher Kreis neuer Freunde, die ihm bisher fern standen, sich dem „Esra" anschlossen. Chemnitz, 24. Rov. Aus der Begründung des Entwurfes eines Gesetzes „die israelitischen Religionsgemeinden betreffend", Dekret Nr. 10, ist hervorzuheben: Die Organisation der israelitischen Kultuseinrichtungen ist bisher in Sachsen nur in geringem Umfang Gegenstand der Gesetzgebung gewesen. Das Gesetz, die Religion.sübung der Juden betreffend, vom 18. Mai 1837, hat, abgesehen von der Aufhebung der Pri-

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