Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 94 (26.11.1903)
- Date
- 1903-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2065 genügen, um. die Wahrheit dieser unserer Behauptung zu erweisen. Und selbst in Kreisen, die uns näher stchen sollten, treibt man. wenn auch nicht offene, so doch verschämte Bibelkritik, die man Textkritik zu nennen liebt. Es ist ja auch so leicht, ein Gelehrter zu sein, wenn man einen Text, den man zu erfassen nicht die geistigen Fähigkeiten hat, einfach verstümmelt. Ich möchte nur hier bemerken, daß diese Art Kritik weit gefährlicher ist, als die sog. historische. Will man uns vermachen, .daß unsere Thora nicht göttlichen Ursprungs iü. so können wir mit einem Lächeln weirergehen. Ein Blick in die Lehre genügt, um uns zu überzeugen. daß ein jeder Vers übermenschlich: Weisheit athmet, aus jedem Worte uns ein Hauch der Göttlichkeit entgegenweht. Aber die sog. Textkritik, die unter der Maske der hst auftritt, ist geeignet. Viele irre zu führen w bv -r-v fctprr. Der Satan, der rechts steht, ist der gefährlichste. Laban muß mehr gefürchtet werden als Esau. Und so dauert der Kampf durch die ganze Nacht unseres Golus. Und in diesem Kampfe wird häufig der Fuß Jakobs verrenkt, gar häufig verloren wir schon den Böden, auf dem wir stehen sollten, gar häufig verließen wir ihn. aber der Nacht folgt der Tag. der Finsterniß die Sonne, dem Kampfe der Sieg, der Krankheit die Gesundung und unsere Feinde werden schließlich zugeben müssen, daß wir die Ueberlegenen waren, daß wir Jißroül sind, die den Gottesgedanken durch den Kampf zum Siege führten. Zeitungsnachrichten und Corrcsponderrzen. Deutschland. Berlin. (Wie Mommsen aus Wassersgefahr gerettet wurde.) Professor Mommsen, der langjähriger Badegast in Heringsdorf war. betrat, wie dem „Jüd. Volksbl." geschrieben wird, im Juli 1862 die Badeanstalt und wurde, wie jeder andere Badegast, darauf aufmerksam gemacht, daß es in Folge außerordentlich starken Seeganges verboten sei, aus dem Jnnenraum des Vadehauses hinauszuschwimmen. Prof. Mommsen kehrte sich an diese-Verordnung nicht und schwamni hinaus in die See. Plötzlich hörte man das starke Läuten der Nothglocke; die in den Kabinen befindlichen Badegäste stürzten in's Freie und sahen weit draußen einen Mann vergeblich gegen die Wellen ankämpfen. Der Versuch des Bademeister Priewe, das Rettungsbot, das auf dem Strande lag, in's Wasser zu bringen, nahm zu viel Zeit in Anspruch. Beherzt stürzte sich ein Berliner Herr, Hoflieferant Katzenstein, der Inhaber des Hauses Ä. Liedmann, in die Fluthen und schwamm unter Ausbietung aller Kräfte zu dem mit den Wellen ringenden Gelehrten. Es gelang ihm, den bereits völlig Ermatteten üver Wasser zu halten und ihn glücklich an's Land zu bringen, wo beide, Retter und Geretteter, von den zahlreich versammelten Badegästen in Empfang genommen wurden. Professor Mommsen ersuchte die Äadewärter wie den Retter, über den ihm zugestoßenen Unfall nichts verlautbar werden zu lassen, jetzt jedoch, lvo der große Gelehrte aus dem Leben geschieden, darf dieser Vorfall wohl erzählt werden. Dessau, im Nov. Nach und. nach gelangen Nachrichten in die Öffentlichkeit, in welchem Sinne die der Stadt aus dem Nachlasse der Baronin von Cohn- Oppenheim zugefallenen fünf Millionen verwendet werden. Die anhaltische Haupt- und Residenzstadt kann wahrlich von anderen deutschen Städten beneidet werden, daß ihr von einer jüdischen Frau so viel Geld zugeflossen ist. Nur drängt sich immer die Frage auf, wird dadurch mancher Antisemit eines Besseren belehrt werden? Oder wird er ruhig von Juden stammendes Geld nehmen, um desto kräftiger auf sie schimpfen zu können. Wer die Menschen kennt, wird darüber nicht im Zweifel sein. Nur für einen kleinen Theil der großen Stiftung sind Grundstücke erworben und Hypotheken ausgeliehen. Der größte Theil ist in erstklassigen Staatspapieren angelegt. Ueber die Verwendung der Zinsen hatte die Verstorbene schon bei Lebzeiten Bestimmungen getroffen; sie sollten nur zu Zwecken dienen, tvelche die allgemeine Wohlfahrt und Menschenliebe fördern, ohne Unterschied der Konfession. Eine Entlastung von Steuern sollte nicht bezweckt werden, da hierdurch nur die reichen Leute profitirt hätten. Dennoch sind zwei Steuereinheiten nachgelassen worden. In einer Bürgervereinsversammlung gab nun Stadtverordneter Dr. Cohn über die Wirkung der Stiftung Aufschluß: Für die Unterhaltung des Armenstiftes werden jährlich 24,000 Mk. gegeben. Es sei bemerkt, daß das Armenstift vom sel. Baron Moritz von Cohn gegründet wurde, Stiftungskapital eine Million. Dem Kuratorium der Handwerker- und Kunstgewerbeschule wurden 14,000 Mark zugewiesen. Für die Errichtung eines Friedrichswaisenhauses — den Namen des Herzogs tragend — wurden 10,000 Mk. deponiri; für Zwecke des Arbeitsnachweises sollen jährlich 15,000 Mk. verwendet werden; man habe dabei die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit im Auge behalten. Es wurden weiter zugedacht: der städtischen Kleinkinderschule, sowie den anderen städtischen Instituten ein Zuschuß von 5000 Mk.; der Stadt eine Summe für einen Desinfektionsavvarat im Falle einer Epidemie; der Stadtverwaltung 2000 Mark; Ihrer Hoheit der Herzogin eine Summe von 5000 Mk. zur Verwendung für gute Zwecke; 5000 Mk.