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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 35

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Pilze aus der Erde. Wenn die Fertigkeit und Kenntniß im Jüdischen gleichen Schritt halten würde mit der Produktion von neuen Lehrmitteln, wäre es gut um diese Disziplin bestellt. ' Auch die vorliegende Schrift will in dieser Hinsicht einen neuen Weg zeigen, oder besser gesagt, den ursprünglichsten, ältesten Weg von neuem zeigen. Nun ist allerdings die Frage kontrovers, ob bei Erlernung des jüdischen Lesens der gleiche Weg der Veranschaulichung einzuschlagen sei, wie beim ersten deutschen Schreibleseunterricht, da zunächst die veranschaulichenden Vegriffswörter keine jüdischen Wörter sein können, dann aber auch das jüdische Lesenlernen ja erst beginnen könnte, wenn die Kinder im Deutschen schon einige Fortschritte gemacht haben, etwa mit dem kleinen Alphabet zu Ende sind. Es wird dann doch wohl keinem Lehrer einfallen, bei den großen Buchstaben und beiden lateinischen Alphabets nochmals wie zuerst zu verfahren, warum beim jüdischen Lesen? Nehmen wir allerdings an, daß ein großer Theil der jüdischen Lehrer beim jüdischen Leseunterricht jenen ersten Lehrgang einschlagen wollte, so wollen wir nicht anstehen, offen zu erklären, daß die.Ideen des Herrn Adler im großen und ganzen, von einzelnen Details abgesehen, unseres Beifalls werth sind, sich weit über die bisherigen Vildermeihoden erheben und selbst von Fibelgegnern verwendet werden können. Die Schrift zerfällt inhaltlich in drei Theile. Die Einleitung, welche die Methoden in der Dialektik mit den Nerven im menschlichen Organismus vergleicht und hier wie dort „Knoten" findet, deren „Lösung" anzustreben sei, ist ziemlich unklar und wenig logisch und dürfte besser in Wegfall kommen. Der Verfasser führt sodann aus, wie ihn die einfache Transposition der Einrichtung deutscher Fibeln auf den jüdischen Lesestoff' absolut nicht befriedigen konnte, umsomehr,' als leider heutzutage die häusliche Mitwirkung und Unterstützung in Bezug auf's Jüdische viel zu wünschen übrig lasse und wie durch plötzliche Eingebung bei Behandlung des Pasachs (—) dessen bildliche Uebereinstimmung mit der Mundstellung bei seiner Aussprache ihn aus den Gedanken gebracht habe, eine skizzenhafte Darstellung der Mundöffnung beim Bilden und Sprechen dieses Lautes als natürlichstes Anschauungsbild für denselben zu wählen (Bild 2), dann aber auch diese Methode für das ganze Alphabet durchzuführen. Wenn aufdiese.Weise die Quadratschrift bis zur Lesefertigkeit geübt ist, soll in vergleichender Weise die jüdisch-deutsche Schrift und die Kurrentschrift durchgenommen, beim Borwärtsschreiten also auch immer wieder der Weg , rückwärts gemacht werden. Im zweiten Theile werden die entsprechenden Bilder für sämmtliche Vokale und Konsonanten vorgeführt; das -Chirik (.) als Mundöffnung beim Piff, das^.Zereh (..) als zwei Eier im Nest (ei?), das Segol ( ) als weinendes Kindergesicht u. s. f. Es ist nicht zu verkennen, daß einzelne Buchstabenbilder, nach der Beschreibung wenigstens, als mindestens sehr gesucht bezeichnet werden müssen, so Schuruk und Melupum (wieviel Uhr ist es?), Mem als Mühle u. a. m. Doch sprechen sie vielleicht im Bilde selbst mehr an^die beigedruckten vier Bildchen (außer i u a noch v als Faß mit Spund und b als Leuchter) sprechen wenigstens recht an und gefallen. Die Idee selbst wurde übrigens von manchen Kollegen, vielleicht unbewußt, schon längst' praktisch verwerthet. Ich habe mich herzlich amüsirt, als ich vor ca. drei Jahren in der Schule eines Kollegen (Steinberger-Kissingen) bei Behandlung des v (in) dieses selbst, man erschrecke nicht, als Mausefalle an der Wandtafel meisterhaft skizzirt fand. Damit soll das Verdienst des Verfassers keineswegs geschmälert werden. Im dritten Theil seiner Arbeit macht der Verfasser auf die Vorzüge der Methode aufmerksam und weist ihre historische Berechtigung nach, indem er zeigt, wie von allem Anfang an die jüdischen Buchstabennamen an Gegenstände ähnlicher Form erinnern,.. (Aleph — Rind, Bes — Haus, Sajin — Schwert etc.) Es werden noch einige Zeugnisse neuerer Pädagogen (Graser, der Reformator des Leseunterrichts) angeführt und schließlich die Parole ausgegeben: Statt der Bilder zu den Buchstaben — „Vuchstabenbilder." Die fleißige Arbeit des Verfassers verdient jedenfalls alle Anerkennung und zeugt von seinem Verufseifer und seinem Lehrgeschick. L. A. Biblische Lescstncke. I. Amos und Hosea von Dr. M. D a v i d. Bochum 1903. Selbstverlag des Verfassers. Der Verfasser hat es verstanden, die schönsten und markantesten Stellen nicht nur. herauszufinden, sondern auch in logischen Zusammenhang zu bringen. Die Biographien und Inhaltsangaben entsprechen den sprachlichen wie pädagogischen Anforderungen und suchen möglichst dem biblischen Wortlaut gerecht zu werden. Der Verfasser hat somit die sich gesteckte Ausgabe, biblische Lesestücke zu schaffen, bestens erfüllt. Ob nun biblische Lesestücke überhaupt zweckmäßig und wünschenswertst seien, darüber sind die Ansichten wohl getheilt; diese „Schulfrage" hat jedoch ihre „praktische" Lösung insofern gefunden, als derartige Elaborate seit langer Zeit in Gebrauch standen. Unter den diesbezüglichen Arbeiten nimmt das vorliegende' eine hervorragende Stelle ein. unsi wenn die folgenden Theile ihrer Qualität dem 1. Hefte entsprechen, ist wohl anzunehmcnTdaß es in Schule und.Familie Interesse für das Bibelstudium oder wenigstens die Vibellektllre' wecke. Jnsoferne ist es zu begrüßen und ihm weitere Verbreitung zu wünschen. . — L. A. —r

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