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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 32)
Language
German
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1758 „Um der Wahrheit die Ehre zu geben, laßt sich gegen ihn. abgesehen von diesen Ungereimtheiten, durchaus nichts weiter sagen!* „Na! na! Man sieht, ich habe eine bessere Polizei, als Ihre!* „Nicht einmal einer Jugenöthorheit darf man ihn zeihen!* „Leider!" unterbrach ihn Herr Samuel! „Es gibt schon keine Leute mehr, die sich nicht ähnliche Thorheiten zu Schulden kommen ließen!* „Solltet Ihr darüber schon etwas Bestimmtes wissen," fragte Heinrich starr vor Erstaunen, „so wäre ich in der That sehr neugierig .. .* „Na, siehst Du. dieser Weise, der den Salomo zitirt, ist auch nicht vorwurfsfreier, als jeder Andere. Nur, daß er eine Sünde beging mit einer Israelitin und, als Rechtgläubiger, sich scheute vor den Midianiterinnen! Ha! Ha! Ha!" „Was ist das für eine Geschichte?" „Sie ist in der That interessant, als geheimnißvoll! Du weißt doch," fuhr Herr Samuel leise fort, „daß' ich es sehr liebe, von Allem zu wissen. Das ist oft sehr nützlich und-nebenbei ergötzlich. So kommt denn manchmal der oder jener zu mir. wenn er etwas erfahren hat. Unlängst überfällt mich, als ich gerade sehr beschäftigt war, jener alte Mann mit der rothen Nase, den sie die Trompete nennen; Du kennst ihn wohl. Er nimmt mich bei Seite, so daß ich denke, er enthüllt mir ein Staatsgeheimnis. Nach langen Umschweifen sagt er zu mir, als ob er die Bundeslade aufdecke: „Weiß der Herr schon von Herrn Jakob?" Was denn? — „Nun. daß er hat eine Liebste, eine Jüdin aus N. N.; ihr Vater ist sehr reich und der Roman dauert schon so lange, daß der Herrgott auch schon geschenkt hat ein Kindchen, und daß die Eltern die Tochter haben gejagt aus dem Hause!" „Ha! Ha! Ha! Sieh da! So etwas!" rief Heinrich lachend. „Nun ja! Er unterhielt sie zuerst in tiefstem Geheimniß auf der Gartenstraße in irgend einem Hause. Dann miethete er ihr insgeheim eine Wohnung in St. Georg, und das eine recht stattliche, und brachte sie dort unter. Da geht er unbemerkt oft Abends hin. Ich ließ es feststellen. Es unterliegt keinem Zweifel. Und das Mädchen ist reizend, ipie ich höre, aber sehr einfach und schüchtern!" „Aber dies verträgt sich nicht mit seinem Charakter!" unterbrach ihn Heinrich. „Er würde sie gewiß heirathen, wenn dem so wäre!" „Auch mir schien dies im Anfänge so!" antwortete Tilda's Vater/ „Ich mußte mich aber der erwiesenen Wirklichkeit gegenüber fügen. So ist es! Eine vollendete Thatsache!" Und wieder lachte der Alte und rief: - „Aber Du Schlaukopf von Jakob! Warte nur! Ich werde Dir den Spaß verderben und Dich beschämen! Warte nur!* „Aber ist denn das nur möglich?" fragte Heinrich. „Ich bürge Dir mit meinem Worte, daß es so ist. daß er sie unterhält, daß er ihr Geld auszahlt und daß sie jung und allerliebst ist! Das unterliegt keinem Zweifel! Oder meinst. Du. er thue dies Alles aus reiner Nächstenliebe und gehe auch nur deßhalb des Abends dorthin? Das glaube, wem's gefällt!" „Das ist originell! Auf mein Wort! höchst originell 'f rief Heinrich, ein wenig verstimmt über diese Nachricht. „Also ein Don Juan, verkleidet als Anachoret, ein Tartuf. nur bedeckt mit einem frommen Mäntelchen! Das wäre eine neue Seite seines Charakters, die ich nicht erwartet hätte! Das verwirrt mich ganz und gar in meinem Urtheile und Begriffe über einen Menschen! Na. ich bitte!" „Aber es ist ein Faktum, so gewiß, wie der heutige Tag!" fuhr Herr Samuel fort. „Willst Du Dich selbst überzeugen? Du gehörst ja zur Familie und ich bin zur Geheimhaltung nicht verbunden. Da hast Du die Hausnummer. Bemühe Dich, forsche nach, dann wirst Du Dich selbst'davon überzeugen! Das holde Antlitz zeigt sich nur selten; Jakob aber kannst Du fast jeden Abend ertappen. Forsche nur!" „Das ist originell!" wiederholte Heinrich. „Höchst orignell! Auf mein Wort! Aber mir unbegreiflich!" Herr Samuel lachte über das Erstaunen des Eidams und fügte hinzu: „Siehst Du! Stille Wasser sind tief! Wir. die wir schon bekannt sind mit solchen Sachen, sündigen gewiß nicht so viel, als man uns nachsagt. Diese Herren Scheinheiligen aber thun es für uns und für sich!" „Ich würde übrigens darin gar nichts so Wunderbares finden." sprach Heinrich, „hätte sich Herr Jakob nicht selbst in den Ruf eines keuschen Josef gesetzt! Wo, wie und wann konnte dieser Roman sich adspielen? Unlängst erst kehrte er aus dem Auslande zurück. Seitdem saß er fast immer in Warschau, ohne sich zu entfernen!" - „Enthülle Dir selbst diese Geheimnisse, wie Du willst!" rief Samuel. „Ich aber sage Dir das, was ich ganz bestimmt weiß. Die Chronologie magst Du ergründen! ' Sei dem, wie ihm wolle, die Sache ist geschehen, ist Faktum. Das Wie? — ist sein Geheimniß!" „Die Daten verwirren sich mir: war sie nicht auch schon im Auslande?" fragte Heinrich. - ' „Wer kann dies wissen? Vielleicht in den Bädern! In die Bäder fahren sie ja jetzt Alle, selbst diejenigen, die sich mit einfachem Brunnenwasser genügen lassen sollten!" „Höchst originell!" rief Heinrich abermals. (Fortsetzung folgt.) LerantworUiLe Redaktion: Oöear Leh mann tn Mainz — ErveMion d« -22raeM°. SSottM^ Nr. L Mainz. DruS und Derlag der Sod. Wtrtb'sSen HoiSuSdruSKet Aetien-GesellsSaft in Mainz..

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