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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1736 Rotz setzen und mit hochtrabenden Worten ihr Vernichiungsurtheil über das Judenthum fällen, das sie nicht kennen, wir, geschmückt mit der Märtyrerkrone einer ruhmreichen Vergangenheit, weisen auch im Zeitalter des Dampfrosses und der Elektrizität'-') auf das Ehrenrotz, auf den Ehrenposten hin, der uns im Kreise der Völker durch die Offenbarung am Sinai geworden, wo wir über wichtige Gebiete des geistigen Lebens und der Gesellschafts-Beziehungen Belehrung fanden, in denen die Gegenwart trotz der überraschenden theoretischen Fortschritte in der wirklichen Natur-Erkenntnitz und der erstaunlich fruchtbaren praktischen Verwerthung in Technik, Industrie, Verkehr u. s. w. wenige oder gar keine Fortschritte, ja sogar bedenkliche Rückschritte'") gegen frühere Jahrhunderte aufzuweisen hat, so datz es der Menschheit als solcher bis jetzt nur zu einem kleinen Thrile gelungen ist. die hätzlichsten Schlacken der Unwissenheit, des Aberglaubens, der Unterdrückung 'und der Unmoralität abzustreifen.") Doch — sprechen wir im Sinne und im Geiste Jose ben Joesers — wenn schon die Lüge triumphirt, welche Siege, welche Triumphe mutz erst die Wahrheit feiern, und wenn schon die Wahrheit so oft verkannt wird, wie wird erst die Lüge im Staube 'liegen, wenn die Menschheit zu den Höhen des Lichtes und der Erkenntnitz stch emporgeschwungen haben wird. Ob die Babylonier Monotheisten waren, den Sabbat gefeiert oder nicht, ist für den Juden als solchen ganz irrelevant. Im Gegentheil, wir hätten, wenn stch die diesbezüglichen Forschungen bestätigt haben würden, ein noch klareres Verständniß für die so oft belächelten Stellen des Talmuds gewonnen, welche uns nämlich berichten, datz Abraham selbst die Vorschriften von nmn ’r-vj? nach einer anderen Lesart die von w und noch einer dritten Lesart die von s'v'.nn 'nwy beobachtet,'-) überhaupt das gesammte Gesetz vor der Offenbarung ausgeübt haben soll,") was uns, da dasselbe so überaus Vernunft- und naturgemäh ist, nicht Wunder nehmen darf. Warum hätten die Babylonier den Sabbat nicht feiern sollen? Die natürliche Vertheilung des Mondennwnats hätte ste leicht auf diesen glücklichen und in der physiologischen Beschaffenheit des Organismus begründeten Gedanken führen können. Doch -ja n'bs» '"s rrbi *5160 ' 'v *6 nrrw brr *i tckm viee>n '•mnrtp nx Gott sprach zu Moses — nicht durch einen Engel und nicht durch einen Voten, bemerken unsere Weisen,") auch nicht durch Hammurabi — meine Sabbate hütet. — So wollen wir denn hüten die 9) Inwiefern dielAbeaur den Sabbat Bezug hat. °>ra V o 1"? 'wra y'st ipnyMta nnor n"*.o '« cea ns '« rnino nvEin nJ3 m :“n ans' n*a.? ' 10) Haeckel. Die Welträthsel. 1903. S. 7. 11) Büchner. Aus dem geistigen Leben der Gegenwart. E K Midr. S. 1 M. c. «4. S. hierzu Simon ben Zcmach Duram Eint, zu Magen Math u. Juchasin Uns. Bg!. dagegen ri3> Mischimll K^nfchin^u Ende. Talm. 5ioma 28 b. Ber. r. c.. 49.95; ScheimM x. c. 2. Vgl. dagegen Tosifta Kiduschm Ende 14) rusn '2 «rvwa. Sabbate! Ist doch das natürliche Gehen des Menschen bekanntlich eine Art von Drehung um die eigene Axe, ein stets abwechselndes Verlieren und Wiederherstellen des Gleichgewichts. Und das Gleichgewicht unseres Körpers und unserer Seele, das wir so leicht verlieren können, wird durch nichts so hergestellt, als durch die Feier des Sabbats. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. DU. Die Nachrichten aus H o m e l gestatten jetzt einen Ueberblick überdie durch die Excesse angerichteten Schaden. Es find 8 Personen getödtet, mehr als 100 verwundet, 272 Häuser und 2 Synagogen sind demolirt und 400 Familien sind obdachlos. Bisher sind Verluste in Höhe von 200.000 Rubel angemeldet, doch haben viele geschädigte Familien ihre Verluste noch nicht angegeben, sodaß die Gesammtziffer üch noch höher stellen wird. Unter diesen Umständen thut schnelle und ausgiebige Hilfe noth. Die vom „Hilfsverein der deutschen Juden" bewilligten 5000 Mk. werden zur Beköstigung der Hungernden verwendet, ebenso die von anderer Seite eingegangenen kleinen Beträge.' Mit Rücksicht auf die trostlose Lage unserer Glaubensgenossen in Homel bat der ..Hilfsverein der Deutschen Juden" neuerdings Mk.'50,000 für die unglücklichen Opfer bewilligt. Gleichzeitig hat sich der Hilfsverein an die großen jüdischen Schwesterorganisationen mit der Bitte gewandt, entsprechend große Beträge für den gleichen Zweck zu bewilligen. „Hilfsverekn der Deutschen Juden." (gez.) Dr. P. Natha n. Ans Westfalen. Einen großen Erfolg bat der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen in unserer Provinz" zu verzeichnen, indem auf ein Gesuch seitens Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Marx an das General-Kommando des VII. Armeekorps nachstehendes Schreiben einging: Generalkommando VII. Armeekorps. I. c. Nr. 9675. M ü n st e r. 27. Sept. 1903. Dem Herrn Rabbiner Dr. Marx Recklinghausen beehrt sich das Generalkommando unter Bezugnahme auf die Schreiben vom 14. u. 25. Sept. 1903 ergebenst mitzutheilett, datz diesseits verfügt worden ist, datz Dienstreisen am 1. Oktober 1903 seitens Rekruten und Uebungsmannschaften jüdischen Glaubens nicht stattzufinden haben. Von Seiten des Generalkommandos . . Der Chef des Generalstabes (gez.) von Winterfeld, Oberstleutnants

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