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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44. Jahrgang. ® 79 & 80 des »As, Der Sabbat?) j Von j Dr. Raphael Gugenhei-ner, Rabbiner in Kolin.! (Lchlnsr statt Fortsttzung.» Wie einst Acher am Sabbat von seinem Roste dem * R. Meir zugerufen: „Kehre zurück, denn hier ist die Sabbatarenze,"') so ruft auch der Acher des neunzehnten Jahrhunderts, Heinrich Heine, von seinem Dichtcrroste die altjüdische Sabbatfeier uns in's Gedächtnis; zurück. Und wer wollte nicht in Erinnerung an sie zurückkehren zur „Prinzessin Sabbat." Wie die beiden Söhne des N. Meir am Sabbat starben,-) weil sie, wie vermuthet wird, den Besuch der sabbatlickien Vorträge vernachlässigten, so haben auch die Söhne des Alterthums und der Neuzeit uns gezeigt, welch' traurige Folgen eine verfehlt angewandte Mutzezeit haben kann. Berichtet doch Aristoteles") von den Spartanern, ihr Staat sei im Rückschritt begriffen, weil sie ihre Mutze nicht auf richtige Weile zu gebrauchen wützten. Und dies gilt noch heute von Vielen, die den sog. höheren Klassen angehören, in denen man sich oft -den sinnlichsten Genüssen ergibt.-) Ganz anders war es seit jeher in Israel. An den.Sabbaten, so berichtet Philo/') erschlichen sich allgemein viele Lehrhäuser, in denen Weisheit. MLtzigkeit, Unerschrockenheit, Gerechtigkeit und andere Tugenden gelehrt werden. Und wenn es wahr ist. was Fichte sagt/) der ivahre Ncichthnm eines Volkes sei die Mutze, die Allen nach vollendeter Arbeit bleibe — wobei es natürlich darauf ankommt, wie die Mutze angewandt lvird — dann war das jüdische Volk ein reiches Volk. Nicht Entwicklung, Schöpfung, ist und war sein Losungswort. Und wenn lvir bedenken, zu welch' krassem Materialismus es geführt, als man den Schöpfungsgedanken aufgegeben und sich statt dessen der Entwick? lungslehre in die Arme geworfen, dann begreifen wir, warum das Schöpfungsdenkinal, der Sabbat, als die ganze Thora aufwiegend, erklärt wird.') Und mit Stolz kann es uns erfüllen, dah wir, die lvir der Schöpfungslehre besonders am Sabbat und am Roschhaschonoh Ausdruck verleihen, nicht vereinzelt dastchen im Kampfe gegen die Entwicklungstheorie. Kein Geringerer als Rudolf Birchov hat in einem im Berliner Gewerbevereine am 18. Februar 1868 gehaltenen Vor- 1) Ta!'. Chlmiga?5u. 3er. das. ir.Midr. Ruth u. Nobel. 2) Midr. r. Lev. 9. Nt Valit. II., ft 4) Hönding. Etbik «. 816. -»t De Septcnario v. 1178. , „ —... 6) Sintern bcrfHcditölebi'c (1812). Nachgelass. Werke."48 7) >72 i:rr rcsr nvpy. krage erklärt: Es ist bis jetzt ganz unmöglich gewesen. ' einen unmittelbaren Zusammenhang des Menschen mit'. den Assen darzustellen, denn eine'wirkliche kontinuir-' liche Reihe bis zum Menschen existir't nichts Auch m einem im Jahre 1870 gehaltenen Vortrage über'' Menschen und Asfenschädel, in dein Virchov u. A. nach- ' lveist, datz durch eine fortschreitende Entwicklung eines'' Affen nie ein Mensch entstehen kann, wendet sich der''» gefeierte Gelehrte gegen die moderne Entwicklungstheorie und speziell gegen den Darwinismus. „Der göttlichen Allmacht lvürdig, ist — sagt der bekannte Phnsiologe Dubais Reymond in seinem leh< ten in der Berliner Akademie über den Reo-Bitalismus flin 28. Juni 1804. gehaltenen Vortrage — sich zu denken, datz sie vor undenklicher Zeit durch einen -Schöpfungsakt die ganze Materie so geschaffen habe.. Da gedenken wir des Königs David, der einst zu sei--' nem Juwelier sprach: Verfertige mir einen Ring, der' dic Eigenschaft besitzt, mein Herz und mein Gemüth zu beruhigen. Entsetzt vernahm der Künstler den Auftrag des Königs, lveik er nicht wutzte, wie er denselben ausführen könnte. Da ging er zu Salomo, der damals noch in jugendlichem Alter stand und erzählte ihm von dem Wunsche seines königlichen Vaters. Und Salomo sprach: Mache Dir einen Ring und gravirc in denselben die drei Buchstaben ''Os und bringe ihn dann dem Könige. Der Künstler that, Ivie ihm geheitzen Und brachte den Ring mit der gebeimnitzvollen Inschrift dem Könige. Huldvoll nahm ihn dieser entgegen, und als er die drei Buchstaben erblickte, da strahlte sein Antlitz vor Freude und er sprach: Da? hat gewitz mein weiser Sohn Salomo Dir gerathen! ’''m — b. h. gam su jaabor — auch das wird vorüber gehen, der Kummer, das Leid meines Erdendaseins, auch das wird vorübergehen. Und — fügen wir hinzu — auch die Verlenvnna des Judenthums, gam sn jaabor, auch sse wird schwinden, auch sie ist nur vorübergehend. Sich das Rotz, das mein Herr mir geschenkt, sieh auch das Rotz, da? Dein Herr Dir beschert hat — rief Jakim, am Sabbat auf hohem Rosse reitend, seinem Oheim Jose ben Joeser zu. vor ihm das Gerüst, ans dem das Haupt des Edlen durch des Henkers Hand fallen sollte. „Wenn solches — erwiderte Jose ben Joeser — denen beschieden ist. die Gottes Willen verhöhnen, was wird wohl jenen iu Theil werden, die Sein . Wort erfüllen. — Wer erfüllt denn mehr als Du den göttlichen Willen? fraate hierauf Jakim. — Run. antwortete Jose ben Joeser. wenn es denen, die üch treu bewähren, so schlecht ergeht, wie erst denen, die'Gott er-' zürnen/) ' - . Mögen auch gelehrte Professoren sich auf's hohe 8- Midrasch rabbu 1 itf. Absch». 65; Jalkut I. 8 115.

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