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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1787 Das Entgegenkommen des Generalkommandos gewinnt um so größere Bedeutung, als dem Anträge unseres Herrn Rabbiners gemäß sämmtliche Rekruten und Mannschaften der Reserve und Landwehr, welche für den 1. Oktober (Versöhnungstag) Gestellungsordre erhielten, erst am 2. Oktober einzutreten hatten und somit in der Heilighaltung des Jom Kippur nicht gestört wurden. E. L—n. Belgien. Ostende. Da sich hier in diesem Jahre noch eine ganze Anzahl deutscher und österreichischer Glaubensgenoffen während der hohen Feiertage zur Kur. aufhielten, wurde ein Gottesdienst veranstaltet, der in weihevollster Weise vor sich ging. Besonders zu erwähnen ist die Theilnahme des Herrn cand. theol. Berkowitz aus Manchester, der durch seine Rednergabe alle Zuhörer im höchsten Grade zu fesseln wußte. .— Da die hiesige Synagoge nicht mehr den gesteigerten Anforderungen der letzten Jahre genügte, wird das Konsistorium um die Genehmigung des Baues eines neuen Gotteshauses ersucht, und es steht zu erwarten, daß solche nicht mehr lange aus sich warten lassen wird- Rußland. Warschau, 2. Olt. (Eine p o l n i s ch e Ä b - sage an den Antisemitismus.) Graf Tischkcwitsch, das Haupt eines der bekanntesten und ältesten litauisch-polnischen Adelsgcschlechter, hat in der Warschauer Zeitung „Wiek" einen gegen den'Antisemitismus gerichteten Artikel veröffentlicht, der großes Aufsehen erregt hat. Er spricht seine Entrüstung darüber aus, daß der Antisemitismus sich in letzter Zeit beim polnischen Adel heimisch gemacht habe und forscht eingehend nach der Veranlassung der judenfeindlichen Bewegung in Rußland. Er schreibt darüber: „Die christlichen Geschäfte unseres Landes mit der Aufschrift „Im Namen Gottes" verkaufen minderwerthige Maaren um theures Geld öder, was noch schlimmer ist, mit doppelter Rechnung. Der christliche Handwerker arbeitet nachlässiger und theurer, als der jüdische; der christliche Agent erfüllt die Aufträge seines Mandanten niemals so schnell und geschickt, wie sein jüdischer Konkurrent. Wer ist wohl daran schuld, daß unsere Juden das ganze Geschäft in Händen haben? Der jüdische Kaufmann, der besser-zu handeln versteht, oder der christliche Kaufmann, der dafür, daß er überhaupt existirt, doppelte Rechnungen ausschreibt? Der jüdische Branntweinhändler oder der christl. Vranntweintrinkcr? ^Der Jude, der sich mühsam sein Geld verdient oder der „Herr Gutsbesitzer", der Geld leichtsinnig aus Pump nimmt? Der Antisemitismus ist die Stimme des Begehrlichen, aber Schwachen; und der Abscheu gegen die Juden, der. Haß, der zu blutigen Grausamkeiten geführt hat, ist — wie jeder Haß — aus dem Bewußtsein der Schwäche und der Ohnmacht geboren. Wenn wir uns über das Uebergewicht der Juden beschweren, warum vertheidigen wir uns nicht auf eine Art, die der modernen Kultur würdig ist? Denn die Bertheidigung, die jetzt überall beliebt wird, die selbst in den Kreisen der adligen Gutsbesitzer Mode' werden möchte, die Bertheidigung durch den Antisemitismus, sollte von Christen nicht angewandt werden. Wenn wir uns rühmen, die Gebote der Nächstenliebe zu erfüllen, so sollte der Haß uns fern bleiben. Leicht-ist es, anderen ihre Fehler und Mängel vorzuhalten, leicht ist es für uns, die Juden mit Vorwürfen und Beschuldigungen zu überhäufen. Viel schwerer ist es, sich an ihnen ein Beispiel zu nehmen, von ihrer Solidarität und ihrer gemeinsamen Aktionskraft zu lernen: bei ihnen gibt es keine Unterscheidung nach Rang und Stand, Klasse und Partei. Mögen immerhin unsere russischen Christen von den Juden, die sie verachten und verfolgen, Ausdauer in der Arbeit lernen und vielleicht auch bisweilen — Ehrlichkeit! Die Weltgeschichte hat uns mit den Juden gemeinsame Interessen gegeben; an uns ist es, mit ihnen in Frieden zu leben, statt in Haß und Feindschaft." Am Schluffe seines Artikels erinnert Graf Tischkewitsch noch daran, daß der Antisemitismus ebenso alt sei, wie das jüdische Volk, und wie in früheren Zeiten, so auch heute sich in rohen Gewaltausbrllchen, barbarischen Metzeleien und blindem Zorne .äußert. Nichtsdestoweniger sei das jüdische Volk vorgeschritten, der Antisemitismus hingegen sei stehen geblieben in seinem düsteren Nahmen des Rassen- und Stammeshasses. Er habe kein Ziel und keine Zukunft. -. China. Thanghai, im Sept. (Die Juden aus China.) Einer der vor mehreren Monaten auf Einladung der hiesigen jüdischen Gemeinde aus dem. Innern Chinas hierher gezogenen Huden ist dieser Tage gestorben und auf dem hiesigen jüdischen Friedhof begraben worden; er t^ar ungefähr 70 Jahre alt. Bei Gelegenheit seiner Beerdigung stellte sich heraus, daß der Verstorbene, wahrscheinlich im zartesten Kindes-; alter, nach streng jüdischem Brauch in den Bund Abra-. hams ausgenommen worden war. Der Verstorbene selbst hat nichts^ davon gewußt, sonst hätte er den Shanghaier Glaubensgenossen davon Mittheilung gemacht, als es sich seinerzeit darum hatidelte', alle aus dem Innern Chinas gekommenen Juden zu. richtigen ' Juden zu machen. Die Thatsache ist nur darum mteressant, weil sie beweist, daß die Juden .in Kaifengfuvor.langen Jahren genau mit den jüdischen Riten .. Bescheid wußten, daß sie ihre Abstammung tannten. und das Bestreben hatten, sich auch äußerlich'von den Heiden zu unterscheiden. - '

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