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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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178 J ^Seite des Obersthofmeisteramtes hatte er in der Gardekaserne stets freien Zutritt und durste dort die abgelegten Uniformstiicke^ Mäntel, Epauletten. Säbel, Portepees und Goldkragen aufkaufen, für die er wieder sein; Abnehmer hatte. Er war der Einzige, der diese Begünstigung genoß, und seine Geschäftsthätigkeit führte ihn auch vielfach in die Gebäude der Hofburg, was ihm eben den Titel eines „Hofjuden" eintrug. Diese geschäftlichen Beziehungen, die Herr Karrach zu so vielen Militärs unterhielt, datirten aus jener Zeit, da er unter Feldmarschall Radetzky durch mehr als zehn Jahre in der Armee gedient hatte. Er hat alle größeren Gefechte in den Jahren 1848 und 1849 mitgemacht, sich in den Schlachten von Custozza und Novara durch Muth und Umsicht ausgezeichnet und wiederholt Belobungen für seine Leistungen als Späher oder Eclaireur erhalten; auch in den Gefechten von Santa-Lucia und Somacampagna (23. Juli 1848) bat er mitgekämpfi und sich besonders in diesem letzten ausgezeichnet, wofür "er die silberne Tapfeckeitsmedaille erhielt. Er chatte in diesem Gefechte mehrere Wunden erlitten. Später kam-er als Feldwebel in den Stab, des Hauptquartiers. Außer der Tapferkeitsmedaille besaß Karrach auch noch eine Erinnerungsmedaille an das 23jährige Negierungs-Jubiläum des Kaisers im Jahre 1873 und die des 30jährigen" Negierungs-Jubiläums. Auch Pins IX. hat ihn durch eine Medaille ausgezeichnet. die in lateinischer Sprache die Inschrift trägt: „Papst Pius kX,.wieder eingesetzt durch die vereinigten katholischen Waffen. 1849." Bei der Enthüllung des Radetzky-Denkmals wurde Herr Karrach vom Kaiser durch eine Ansprache ausgezeichnet. Auf alle diese -Auszeichnungen war der Verstorbene sehr stolz und er ging nie aus, ohne im Knopfloch eine Rosette zu tragen. Sein Andenken wurde von den Leibgarden durch Eintragung feines Namens in das „Gedächtnißbuch" geehrt. Herr Karrach hinterläßt drei Söhne, fünf Töchter qnd fünfzehn Enkel. - S ch weben. Malmö, 28. Sept. Kurz vor Jahresschluss.' a:y. 28. Elnl, fand die feierliche Einweihung des neuerbaulen Goiteshauses.L§U., -Es ist ein prachtvoller, monumentaler Vau, mit einer in der Mitte hochragenden Kuppel, umgeben von vier,kleineren. und bildet eine . der schönsten Zierden der Stadt. Die Einwerhungsfeier, zu welcher Glaubensgenossen von Nah und Fern, und Vertreter sämmtlicher Filialgemeinden herbei eilten, nahm einen glänzenden Verlaus und übte auf alle Anwesenden eine erhebende Wirkung. Unter diesen bemerkten wir von den Honoratioren der Stadt u. a. den Statthalter. Herrn von Tornersyelw, die Vorsitzenden des Stadt- und Gemeinderathes . von' Bende und von Dieden. den Bürgermeister, die Direktoren der Gymnasien, die evangelische und katholische Geistlichkeit u. v. A. Als Vertreter der Gemeinde Kopenhagen waren erschienen: der ehemalige Oderr..öbiner Professor Simoysen, der gegenwärtige Qberrabbiner Dr. Lewenstein, Mitglieder des Vorstandes, denen sick eine stattliche Zahl von Gcmeindemitglieder anaeschloffen. Die Feier begann mit „Ma towu". welches vom Kantor Hurwitz mit schöner Stimme und' Chcrbeglektung stimmungsvoll oorgetragen wurde. Hierauf bestieg Herr Professor Simousen die .Kanzel und hielt eine geistvolle, tiefdurchdachte Betrachtung über die symbolische Bedeutung des T2N welches der Redner mit einem Dank- und Segensspruche, daß uns Gott diese schöne Stunde erleben ließ, anzündete. Es wurde hernach Psaliu 84 gesungen, worauf Herr Rabbiner Dr. Josef Wohlstein in schwedischer Sprache die Einweihungsrede hielt, die sich durch Formschönheit und Jdeenreichthum auszeichnete. Den Text derselben bildete das Wort Jesaias: 2T>*n m Tri t „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker." Unter Zugrundelegung dieses Prophetenwortes behandelte der Redner das Thema: „Das Gotteshaus im Dienste des Judenthums und der Humanität." Nachdem der Redner das Gebet für König "und Vaterland verrichtet und die Volkshymne gespielt war, bestieg Herr Oberrabbiner Dr. L e w e n st e i n aus Kopenhagen die Kanzel, und mit einer Glutb der Begeisterung, die zündend wirkte, ermahnte er die Gemeinde. den Idealen des Judenthums treu zu bleiben. Damit schloß Sie erhebende Feier, die auf alle Theilnehmer einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck machte. Rußland. Petersburg. (Sonderbare Berichterstattung.) Dieser Tage brachte das amtlich; Organ der russischen Regierung, der „Prawitelst wennyi Wjestnik" in seinem amtlichen Theile folgende Mittheilung: „Am 30. August (a. St.) wurde in Pinsk in der Straße, in welcher die jüdische Schule liegt, ein elfjähriger Knabe Namens Kiffelew. als er gegen neun Uhr Abends aus dem Kloster in der Lagoschunerstraße heimkehrte, von drei Juden überfallen, bis zur Bewußtlosigkeit mit Stocken geschlagen, an der Hand verwundet und halbtodt am Ufer des Pina-Flusses hingeworfen. Dort wurde er von drei Schiffsarbeiteru aufgefunden. - AlZ^r zur Besinnung kam. erzählte er den Vorfall mit dem Hinzufügen, daß eiper der Juden Samuel Pomeranz -heißt. Der Üeberfall erfolgte plötzlich und ohne jeden Anlaß. Der lokale Untersuchungsrichter ist mit der Angelegenheit beschäftigt." Es mußte einiges Erstaunen erregen, daß das amtliche Organ der russischen Regierung einem rein lokalen Ereignisse eine so große Bedeutung beilegte, und man durfte daher wohl annehmen, daß dauiit ein bestimmter Zweck verfolgt werde. Nun wird der „Jüdi-

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