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Der Israelit · 1903-10-05 · Heft 79-80 (5.10.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 79-80 (5.10.1903)
Date
1903-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1729 sein sollen, auszuschließen. Wir sind ferner der Ansicht, daß das behauptete Vorgehen der erwähnten Korporationen mit dem Geiste der an einer freien Handelshochschule herrschen sollte, unvereinbar ist. Die Handelskammer hat sich um die Gründung und Fortentwicklung der Handelshochschule in hervorragender Weise bemüht; sie unterstützt die Anstalt mit einem namhaften Jahresbeiträge, der aus den Handelskammerbeiträgen der Handels- und Gewerbetreibenden aller Konfessionen bestritten wird. Sie hat daher nach unserer Auffassung nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, ihre warnende Stimme zu erheben, damit die erwähnten zersetzenden Tendenzen keinen Eingang bei den Studirenden finden und, sofern sie unter denselben bereits verbreitet sind, auf das denkbar geringste Maß zurückgedrängt werden. Wir haben nicht die Absicht, am heutigen Abend eine Diskussion oder eine Stellungnahme der Kammer herbeizuführen, wir beschränken uns vielmehr darauf, an die Herren Vorsitzenden Geh. Raih Michels und an den Kollegen Karl Bosch in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Kuratoriums der Handelsschule die Bitte zu richten, die Angelegenheit im Kuratorium zur Sprache zu bringen und festzustellen, ob die in Bezug auf die erwähnten Korporationen gemachten Behauptungen den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Wir bitten uns gelegentlich von den Ermittlungen in Kenntniß zu setzen und behalten uns vor, dann weitere Anträge zu stellen." Hierzu bemerkte der Vorsitzende der Handelskammer, Geheimer Rath Michels: „Das Ersuchen der beiden Herren wird mir Veranlassung geben, zu versuchen, die Angaben der Zeitung, soweit sie die hiesige Handelshochschule betreffen, auf ihre Nichtigkeit zu prüfen, und nehme ich meinerseits keinen Anstand zu erklären, daß ich es persönlich bedauern würde, roenn die Nachrichten der Zeitungen ihre Bestätigung finden sollten." Halberstavt Ende Sept. Die hiesige Synagoge war in der letzten Zeit einer gründlichen Wiederherstellung, unterworfen gewesen, gleichzeitig lvurde die elektrische Beleuchtung durch die hiesige Firma P. Arenstedt angebracht. Am 18. Sept. fand die Wiedereinweihung stätt. Das Innere -der Synagoge strahlte ' in einer Fülle von Licht, das^besonders von den in der Kuppel angebrachten großen neuen Lampen ausging. Außerdem sind die alterthümlichen schönen Kandelaber in künstlerischer Weise zur elektrischen Beleuchtung umgearbeitet worden. Der weihevolle Eindruck, den die ^Synagoge auch bisher schon machte, ist durch die neue % Ausmalung .und Beleuchtung noch wesentlich erhöht % worden. - München, Ende Sept. Am 38. dss. Mts. verschied dahier Herr Dr. Eugen Merzoacher, der Sohn des bekannten Mäcens jüdischer Wissenschaft Abraham Merzbacher. Nach Besuch des Wilhelmsgymnasiums in München bezog er die Universitäten in München und Berlin, wo er auf Grund einer über den Schekel verfaßten Dissertation zum Doktor der Philologie promovirt wurde und übernahm sodann das numismatische Geschäft seines Vaters. Nach dessen Tod trat er an seine Stelle in die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde ein und erhielt im Erbwege die berühmte Vibliotheka Merzbacheriana Monacensis, die er insbesondere nach dem kurz nach dem Erbgange erfolgten Tode ihres Nutznießers Raphael Nathan Rabbinowitz mit großen Opfern bis zum Beginn dieses Jahres erhielt und ergänzte. Vorgeschrittene Krankheit hinderte ihn, sich weiter des Besitzes der Bibliothek durch Pflege derselben zu erfreuen, weßhalb/ er dieselbe im Frühjahre an die Stadtgemeinde Frankfurt a. M. zu in Zwecke der Einverleibung in deren schon vorhandene Vüchersammlung veräußerte, wo er sie weiter ihrem Zwecke der Wissenschaft zu dienen für geborgen hielt. Eugen Merzbacher war in der Vorstandschaft zahlreicher, lvissenschaftlicher und wohlthätiger Vereine und insbesondere seit seiner Begründung bis vor einem Jahre Vorstand des Vereins zur Förderung jüdischer Wissenschaft in München, als welcher er gerade wegen seiner Duldsamkeit und Mäßigung das Vertrauen der Betheiligten besonders genoß; unter seiner Leitung erbaute der Verein die für den orthodoxen Gottesdienst bestimmte schöne Synagoge an der Herzog Rudolsstraße, früheren Kanalstraße, in München mit seltener Aufopferung. Als Numismatiker war Eugen Merzbacher vielfach erfolgreich wissenschaftlich thätig. Er erreichte nur ein Alter von 67 Jahren. Altenstadt a. I., 30. Sept. Am Sonntag, 27. Sept., feierte man im nahen Marktflecken Babenhausen das hundertjährige Jubiläum der Erhebung des Fugger'schen Adelsgeschlecht aus dem Grafenin den Fürstenstand. Unter den zahlreichen Einladungen, die vom Festkomitee an auswärtige offizielle Korporationen ergingen, befand sich auch die der hiesigen isr. Kultusgemeinde, obzwar der hiesige Ort niemals zur einstigen Fugger'schen Standesherrschaft gehörte. . Das ist doch gewiß ein schöner Beweis der gottlob in SckNoabens Gauen herrschenden Toleranz. H. Oesterreich. Wien. (Der le tzte H o fju de.) Dieser Tage fand unter Betheiligung zahlreicher Trauergäste das Leichenbegängniß des Herrn Adolf K a r r a ch, des letzten „Hofjuden" statt, der kürzlich hier gestorben ist. K a r r a ch führte durch mehr als dreißig Jahre einen ausgebreiteten Handel mit abgelegten Kleidern und war in diesem Fache sozusagen Spezialist. Er verlegte den Schwerpunkt seiner Thätigkeit auf den Handel mit abgelegten Offiziersuniformen u. Ausrüstungsgegenständen. Kraft einer besonderen Erlaubniß von

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