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Der Israelit · 1903-11-30 · Heft 95 (30.11.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 95 (30.11.1903)
Date
1903-11-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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iMWTTWFiiTFrttfä^iiS 2t18 sich gegenüber dem Gouyernementspalais befindet, stand dann den ganzen Tag über beim Fenster und wartete, ob der Gouverneur seine Ausfahrt unternehme; dieser hatte jedoch mittlerweile den Besuch des Gendarmerieobersten Lewendal erhalten, und offenbar hat dessen Bericht die beabsichtigte Intervention vereitelt. Der Gouverneur verließ bis zum folgenden Nachmittag fein Haus nicht und ging erst aus. als die Excesse vorüber mären* Vertheidiger Schmakow: Stammt der ehemalige Bürgermeister Schmidt nicht aus jüdischer Familie? Dr. Mutschnik: Ich kenne einen griechischorthodoxen Archierje (höheren Geistlichen), dessen Vater Jude war. aber daß die Eltern Schmidts von einer jüdischen Familie stammen, habe ich niemals vernommen. > Der folgende Zeuge ist der Primarius am jüdischen Spital, Dr. Sluzkü Er hat zahlreiche Szenen von Mord, Verstümmelungen und Mißhandlungen während der Exzeßtage selbst gesehen; die Stadt glich einem Schlachtfelde, von allen Seiten drangen Hilferufe der verzweifelnden Juden an sein Ohr, auch die bereits bekannten Details der Grausamkeiten bestätigt Dr. Sluzki. Als letzter Zeuge wurde heute der frühere Kron- Rabbiner E t t i n g e r einvernommen. Seiner Aussage zufolge haben zahlreiche, in brutaler Weise mißhandelte und vergewaltigte jüdische Frauen und Mädchen die näheren Umstände der ihnen angethanen Schmack» im Rabbinat zu Protokoll gegeben; manche von diesen Unglücklichen mußten dann von den Aerzten Dr. Gispiner und Dr. Reichenberg längere Zeit behandelt werden. Der Zeuge hat auch gesehen, daß Polizei und Militär Juden von der Straße in ihre Häuser jagten, wahrend sie die Exzedenten unbehelligt schalten und walten ließen. Hiermit waren die Zeugenaussagen für' heute beendet. Kischin.ew, 23. November. Die heutige Verhandlung begann mit der Zeugenaussage des' Dragonerleutnants S v l t a n o w s ky, dtr sich' im'Töne' Verbeiden Hetzblätter „Bessarabetz^ und „Snämjä^ in Beschimpfungen gegen' die Juden erging. Schon vor Beginn der Aerhandlüna ging er in der Vorhalle des Justizgebäudes mit povokatorischer MiE auf ünd ab', und es machte den Eindruck, daß er mit dendörtselbst befindlichen Juden einen Streit hervorzurufeN suche, was aber in Folge der Zurückhaltung der letzteren mißlang. Vor Gericht wiederholte er die in Kruschewans Blatt, sowie in der -Nowoje Wremja^ schon oft veröffentlichten Behauptungen, die Juden seien an den Excessen schuld gewesen. Auf die Frage, womit er seine Auslassungen begründe, weiß er keine bestimmte Antwort zu geben. Er blieb nur dabei, die Juden seien die Angreifer gewesen; er habe selbst, gesehen, daß Juden auf Christen mit Revolvern geschossen haben. — Präs.: Was haben Sie dabei gethan? — Zeuge: Ich war zu Pferde und könnte mich deßhalb am Kampfe gegen die Juden nicht betheiligen. Er erzählte aber auch, er habe selbst gesehen, daß ein Christ einen Juden zu Boden geworfen, mit Füßen getreten und ihm zugerufen habe: „Da hast du verfl.... Jude für die Betrügereien und Ausbeutungen," was ein Beweis sei, daß der Ausbruch der Unruhen nur eine Folge des langjährigen Hasses der Christen gegen ihre jüdischen Bedrücker gewesen. Der Vorsteher des dritten Polizeibezirks, L u - zinsky, sagt aus, in seinem Rayon hätten die Plünderungen keine zu großen Dimensionen angenommen; es war auch ihm schon vor dem Osterfeste bekannt geworden, daß Excesse in Vorbereitung sind; der. Besitzer eines Theeschanklokals,. Baldir,; in dek PäM lowskygasse sagte ihm, daß ix Zirkuläre mit W Aufforderung bekommen habe, sich an den Excessen zu betheiligen. Der Zeuge hat dies dem Gendarmerieobersten Chansikow mitgetheilt, der aber dazu schwieg. Luzinsky macht auch die Mittheilung, daß der in Kischinew bekannte antisemitische Agitator Pronin (der, wie schon leit langem 'öffentliches Geheimniß war, einer der Hauptveranstalter der Excesse gewesen) ihm als Verfasser des bereits erwähnten, in letzter Zeit in Kischinew verbreiteten Pamphlets: „Wer ist der Schuldige?" bezeichnet wurde. In diesem Pamphlet wird unter Entstellung der Thatsachen alle Schuld den Juden zugeschoben und eine Beeinflussung des Gerichtshofs sowie der Geschworenen zu Gunsten der Angeklagten versucht. Der Inhalt dieser Flugschrift ist auch in der ..Snamja" vom 18. November wiedergegeben; als gestern die Rechtsanwälte der Juden das Verlangen stellten, daß dieser Artikel zu den Akten als Beweismaterial gelegt werde, weil sich daraus die systematische Aufreizung und Beeinflussung der Menge durch Aufwiegler ergebe, hat dies der Gerichtshof mit der Motivierung abgelehnt, daß jener Artikel anonym sei. Da nun Luzinsky in seiner Zeugenaussage erwähnt, daß Pronin ihm etwa vierzehn Tage vor den Excessen im Theater gelegentlich das Konzept jenes Flugblattes in Maschinenschrift übergab und ihn ersuchte, sich an dessen Verbreitung zu betheiligen, so ergab sich ein Anhaltspunkt. einen der hinter den Coulissen stehenden Rädelsführer in die Anklage einzubezieheN.; p, - . Der Staatsanwalt Dsibeil i. erhebt sich bei dieser Zeugenaussage, greift in die Äocktasche uytz legt das Flugblatt, als dessen Urheber nunmehr.Pronin festgestellt ist, auf den Tisch vor dem' PräsidentenInedek. Die Vertreter der beschädigten Jüd'eÄ .erklären ferner, es sei ihnen bekannt, daß Pronin im Gefängniß aus und ein ging und sie haben Grund, zü öeMüWn, daß der Zweck dieser Besuche war, die Verhafteten von

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