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Der Israelit · 1903-11-30 · Heft 95 (30.11.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 95 (30.11.1903)
Date
1903-11-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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. der Ablegung eines Geständnisses abzuhalten. Sie beanträgen daher, daß der Gefangnißdirektor Bronikcwsky als Zeuge vorgeläden werde. Die Vertreter der Angeklagten schließen sich dem Antragean/bis auf Schmakow und Pogorschew, welche die Interessen der Hintermänner wahrnehmen. Der Gerichtshof beschließt, den Gesängnißdirektor vorzuladen. Der nächste Zeuge ist Ingenieur Lo sch, Präsident der Freiwilligen Feuerwehr in Kischinew. An den Tagen der Excesse ertheilte er seinen ihm unterstehenden Leuten die Weisung, zum Schutze der Angegriffenen einzutreten, da er bemerkte, daß die Polizei ihrer Pflicht nicht Nachkomme. Die Freiwillige Feuerwehr verhinderte auch thatsächlich-an mehreren Stellen den Ueberfall jüdischer Wohnungen, die Leute waren dabei in der Lage, die fürchterlichen Gewaltthaten auf der Straße genau zu beobachten. Der Zeuge gibt hierüber eine eingehende Schilderung. Er bestätigt des weiteren, daß die gesetzliche Ausnahmsstellung der Juden und ihre Beschränkungen auf sämmtlichen Gebieten des Erwerbs dazu beigetragen haben, daß die unteren Volksschichten sie als Parias und als untergeordnete Menschenklasse betrachten, der gegenüber jedes Verbrechen straflos sei. Der ehemalige Polizeichef der ersten Abtheilung im ersten Stadtrevier. Namens Kozlowsky, ein enragirter Antisemit, erging sich in einer fulminanten Rede gegen die „jüdischen Ausbeuter", welche seiner Ansicht nach an allem schuld gewesen seien, auch daran, daß große christliche Firmen in der letzten Zeit eingegangen sind. Der Vertreter der Beschädigten, Advokat Kelmanowitsch, fragt, ihn: „Ist dem Zeugen bekannt, daß das Handlungsbaus Gebrüder Fitow aus dem Grunde einging, weil die Chefs durch große Verschwendung und schlechte Mirthschaft ihren Kredit untergruben, während die jüdischen Kaufleute in der Regel durch Sparsamkeit und Umsicht ihre Situation verbessern, ferner, daß auch noch gegenwärtig zahlreiche gutgehende christliche Geschäfte bestehen?" — Der Zeuge mußte dies zugeben. . ... ■ Bezüglich der Entstehung der Excesse erklärte Kozlowsky, daß auch ihm die Vorbereitung schon lange vor Ostern bekannt war; an den kritischen Tagen erhielt er. den Auftrag, in der Nähe des Gouvernementspalais Wache zu halten, auch seitens des Gendarmerieobersten Lewendal erhielt, einen gleichlautenden Befehl. Auch der gestern vernommene Rabbiner Etting er hat unter anderm ausgrsagt, daß der Gendarmerieoberst ihm (dem'Rabbiner), als er ihn wiederholt vergebens um Hilfe für die Angegriffenen anflehte, und; dann wahrend des Höhepunktes der Excesse unter Hinweis auf die schauerlichen Verwüstungen nochmals um Schutz bat. antwortete: „Wer konnte denn ahnen, daß die Unruhen solche Dimensionen annehmen?" .. Mit dieser Aussage wird die Verhandlung heute abgebrochen. ... V Kischinew, 24. November. In der Sitzung vom 24. November wurde der Obergouvernementsarzt Dr. Prejatatkowitsch als Zeuge vernommen, welcher in dem „Birschewija Wjedomosii" eine Berichtigung veröffentlichte, in welcher die barbarischen Verstümmelungen, die an den Leichen wahrgenommen wurden, als unwahr bezeichnet wurden. Er gesteht ein, die Leichen nicht selbst gesehen zu haben, aber ihm unterstehende Aerzte hätten 22 Leichen besichtigt, an -denen keine Verstümmelungen zu finden waren. Der Vizepolizeimeister Dowgal wird darauf befragt, warum er keine Maßregeln zur Verhinderung der Excesse getroffen hätte; er sagt, er hätte nur dann interveniren können, wenn ihm der Gendarmerieoberst Chansenkow dies befohlen hätte; auch gibt er zu, daß es den Christen gestattet war, sich mit Revolvern zu bewaffnen, den Juden aber verboten, und daß der jüdische Arzt Charik abgewiesen wurde, als. er bat, Waffen tragen zu dürfen, während sein christlicher Kollege diese Erlaubniß erhielt. Der Schriftsteller Ascheschow bezeugt wie viele andere Zeugen^ daß die Polizei lange vor Ostern wußte, was bevorstand, aber absolut keine Maßregeln traf. Auch der Ingenieur Z i g a n.k o bezeugt dasselbe, ebenso der Verwalter der Klosterdomänen Vessarabiens, G u r j e w, der selbst durch die Straßen gegangen war und ohne Erfolg die Polizisten aufgefordert hatte, den'überfallenen Juden zu Hille zu kommen. Er veranlaßte schließlich nach langen Bemühungen, den Adelsmarschall Kruvenski, die Intervention des Gouverneurs anzurufen. Telegraphisch wird weiter gemeldet, der antisemitische Anwalt Schmakow habe Kischinew heute verlassen. was aber auf die Fortsetzung des Prozesses ohne Wirkung sei. Berichtig««-. Am Ende meines padagog. Artikels .Die Chamckage^ schichte" ward beim Druck eme Versetzung des Textes vorgenommen. Der abzufragende Abschnitt b S. 2083 sollte selbstredend vor den „Fragen" auf S. 2082 «ehen. Der aufmerksame Leser dnrfte das selbst berichtigt haben. - ' ' Dettelbach, 27. November 1903. 'A. Mannheimer.;; In dem. Berichte über das Hinscheiden der Frau Rabb. Dr. Spitzer m K. Halas wurde irrtümlicher Weise der Vaterder Dahingeschiedenen als Rabbiner in Frauenkirchen bezeichnet, wahrend Herr Rabbiner Pscherhofer Rabbiner in Szered (Ungarn) rst.

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