Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1903)
- Date
- 1903-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2099 herrscht, damit sie dadurch indirekt die Heilighaltung des Sabbat fördern und schätzen. Magdeburg, 26 Nov. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sprach dieser Tage vor einer zahlreichen Zuhörerschaft, die der Raumd es Sitzungslokales kaum zu fassen vermochte, der Großh. Landesrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg über „Das Judenthum und die Kultur der Menschheit." Der Redner hatte sich die Aufgabe gestellt, in allgemeinen Zügen den.Antheil zu schildern, den die Juden im Laufe der Geschichte emestheils an der Förderung der Wissenschaften, namentlich der Philosophie, Astronomie, Medizin, Mathematik, anderntheils an der Entwicklung von Handel und Kunst genommen haben. Nach dem Untergänge des jüdischen Staates im I. 70 n. d. g. Z. waren es zunächst die. jüdischen Hochschulen in Babylon, in denen nicht nur die Religionslehre, sondern auch die Wissenschaft überhaupt eifrig gepflegt wurde; aus diesen Hochschulen ging der Stamm der langen Reihe von Gelehrten hervor, die innerhalb der ersten fünf Jahrhunderte n. d. g. Z. das Riesenwerk des Talmud schufen, einer Enchklopädie des gesammten damaligen Wissens. Die orientalischen Juden waren zum großen Theil die Lehrer der Araber, die später auf ihren Eroberungszugen die Kultur nach dem Wellen Europas gebracht und bis über die Hälfte bf? Mittelalters hinaus zugleich mit den Juden die alleinigen Pfleger und Erhalter der vom Untergange bedrohten antiken Kultur und Wissenschaft geblieben sind. Um Förderung des Wandels und Handelsverkehrs im Mittelalter haben sich die Juden, trotz der grausamen Verfolgungen, denen sie damals ausgesetzt waren, unleugban große Verdienste erworben. Hervorragendes leisteten sie ferner in der Medizin, deren Ausübung vorwiegend in ibren Händen laa: die Leibärzte der fkürllen und Geistlichen, ja selbst der Pävlle. waren weill Juden. Auch auf dem Gebiete der Musik, der Voeste und der bildenden Knüll haben Juden, wie der Redner nachwies, llch vielfach bervnrgetban. In neuerer Zeit haben lle auch zwei ihnen früher in Deutschland nnzuaänalichen gackern, dem Handwerk und der Landwirthschaft. ihre Tbatiakeit zuaewandt; es Hellehen zur Zeit bereits in Deutschland vierzig silbische Handwerkervereine und eimoe Ackerbauschulen, wo in der Landwirtbscbaft und Gärtnerei Unterricht eribeilt wird. In außerdeutschen Landern, z. R. in Galizien. Rußland, der Türkei, findet man schon längst sowohl aul dem Lande, wie in den Städten sehr rablreiche. jüdische Ackerbauer und Handwerker. Der Redner schloß seine interessanten und vielfach von Humor oewurrten Darlegungen unter dem lebhaften Beifall aller Anwesenden. . Jnowrazsatv, im Nov. Meinem Versprechen gemäß erlaube ich mir. Emraes aus der Rede des Herrn Rabbiners Dr. Kohn mrtzutheilen, die er bei dem *?ßon •pj'n gehalten, das Herr R. L u b r o v i c z zur Var Mizwah seines Sohnes schreiben ließ. Zu dem Worte, das Gott der Herr an Abraham richtete: „Be! mir habe ich geschworen: Weil du dieses gethan hast und deinen einzigen Sohn nicht verweigert, -ana« "pa '2 daß ich dich segnen werde und mehre deine Nqchkommen wie die Sterne des Himmels und wie den Sand am Rande des Meeres" (1. B. M., 22, 16—17), zu dem Worte -p"CK -pa '2 bemerken unsere Weisen: na*>a sad naaa „Einen Segen dem Vater, und einen Segen dem Sohne." (Jalküt z. St.) Und dieses kurze Wort enthält eine solche Fülle von ewiger Wahrheit, von erhabener, unvergänglicher Moral, daß wir darob allein die Weisheit unserer Lehrer anstaunen und bewundern müssen. Der Doppelausdruck *pa '2 *]2*i2K bedeutet sprachlich, grammatisch: einen reichen, vielfältigen Segen, einen dauernden, bleibenden Segen, einen beglückenden, beseligenden Segen. Der Segen des Menschen ist aber nur dann reich, dauernd und beglückend, wenn der Segen des Vaters sich fortpflanzt und übergeht auf den Sohn, wenn der. Segen der Eltern sich vererbt und überträgt auf die Kinder, wenn der Sohn mit denselben Kostbarkeiten geschmückt, mit denselben Waffen ausgerüstet, von demselben Glanz und Reichthum umflossen und umgeben ist, wie der Vater; das Bewußtsein, daß der Reichthum, der Segen, das Glück mit uns nicht aufhört und schwindet, daß die Sonne des Heils und Glückes unseren Kindern fortstrahlt und leuchtet, auch wenn der Tag unseres Daseins sich schon neiget, das schwellt die Brust des Vaters, das erfreut und beglückt das Herz der Eltern und erhebt und erfüllt mit freudiger Theilnahme die Seele aller derjenigen, die Zeugen dieses wahren, zwiefachen Glückes sind. Schon irdischer, materieller Reichthum ist in den Augen des Besitzers fast werthlos, wenn er Niemanden hat. dem er seinen Besitz vererbm oder übertragen könnte, 'h fn*n no sagt Abraham zu Gott dem Herrn, „Was gibst Du mir, da ich doch kinderlos" dahingehe (1. B. M., 35. 2), geschweige, daß der Vater seine geistigen, religiösen und moralischen Schätze und Reichihümer auf seinen Sohn, auf seine Kinder übertragen mochte! Und deßhalb verheißt Gott unserem Stammvater p^an *pa >2. „Ich werde dir zwiefachen, dauernden, unvergänglichen Segen verleihen.pS nana.- Ich werde dich und deinen Sohn zugleich segnen! Dieselbe heilige Flamme des Glaubens, die in deinem Herzen lodert, wird auch im Herzen deines Sohnes lodern, dasselbe Licht der Gotteserkenntniß, das in deiner Seele leuchtet, wird auch in der Seele deines Sohnes leuchten, dieselbe Sonne der Wahrheit, die an deinem Lebenshimmel strahlt, wird auch am Lebenshimmel deines Sohnes strahlen!" Dieser Wunsch, dieses Gebot, daß wir unsere religiöse Wahrheit in's Herz des Kindes tief eingraben, unsere religiösen