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Der Israelit · 1903-11-30 · Heft 95 (30.11.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 95 (30.11.1903)
Date
1903-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1) Karussik, 14 Jahre alt. Der rechte Fuß ist ihm amputirt worden. Es wird ihm ein tünstlicher Fuß gekauft werden. 2) Cholodin Itzko, 19 Jahre alt, Tischler, dem gleichfalls der rechte Fuß amputirt worden ist. Die Namen der übrigen zehn Personen, welche schwer verwundet wurden, sind folgende: 1) T f ch u b i n, Händler, 2) Sacharin, Handwerker, 3) Kaufmann, 4) Belkin, Buchhalter, 5) Aron s o n , 6) Mojeseff, Schlosser.' 7) S e l e s n e w, Wittwe, 8) K o k i n, 9) Mirenski, 10) Belenky, Handwerker. Frankfurt *. M. Man schreibt den ..Mittheilungen des Schomre Schabbos-Vereins" von geschätzter Seite: Zweimal im Jahre, im Frühjahre und im Herbst, stehen Eltern, deren Knaben ihre Schule durchgemacht haben, vor der Frage: In welche Lehre bringen wir den | Jungen? Für jene, denen die Heilighaltung des Sabbat Herzenssache ist, wird diese Frage noch schwieriger. Die große Stadt hat ihre Vorzüge und ihre Nachtheile, die manchmal schwer gegen einander abzuwägen sind, besonders hinsichtlich der Sabatruhe. Gar häufig stehen die Eltern zwischen der Wahl eines kleinen Ortes mit einem Geschäft, das am Sabbat geschlossen ist, und der großen Stadt, wo durch Vermittlung guter Bekannter oder auf sonstigem Wege eine Stelle in Aussicht ist, in einem Geschäfte, das Samstags geöffnet ist. aber auch Lehrlingen Samstags frei gibt. So anerkennenswerth es in der heutigen Zeit auch ist, daß sich immer noch Geschäftsinhaber finden, welche die religiöse Ueberzeugung respektiren und die Vethätigung der Sabbatrühe für den Lehrling ermöglichen, so ist doch bei Angeboten dieser Art doppelte Vorsicht, dreifache Ueberlegung geboten. Mag auch der Prinzipal den besten Willen haben, dem Lehrling die Sabbatruhe zu gewähren, so wird doch häufig unter dem Personal der eine oder anders Spötter sein, der sich das billige Vergnügen nicht entgehen läßt, den Lehrling wegen seiner „Frömmigkeit" zu hänseln, oder auch ihn je nach Laune anzufahren, wenn Jener nach Meinung des Vorgesetzten Kommis am Freitag Abend zu früh fort will, oder Samstags Abend zu spät kommt. Da wird es an Bemerkungen nicht fehlen, wie: „Du brauchst die „Schul" nicht aufschließen" oder: „Nun, Sie haben wohl erst zuschließen müssen," und was dergleichen billige Witze sind. Ist nun der Lehrling schüchtern, oder hat er nicht selbst die erforderliche Einsicht von der Nothwendigkeii, seinen Standpunkt festzuhalten, so wird er. um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, Freitags eine Viertelstunde, zugeben, und sich Samstags Abends umso mehr beeilen, natürlich nur mit dem Erfolge, daß man ihm bei erster Gelegenheit sagt: „Ja. Sie nehmen eS ja nicht fo genau, da kommt es auf eine Viertelstunde mehr auch nicht an," und ehe drei Monate vergehen, arbeitet der junge Mann Freitag Abend so lange, wie die anderen auch. Hat nun ein solcher Lehrling seine Lehrzeit beendet, so wird ihm der Prinzipal sagen: „Nun. Sie müssen einsehen, daß man in der heutigen Zeit den Sabbat nicht mehr so halten kann; während der Lehrzeit habe ich Ihnen ja Urlaub gegeben, aber wenn Sie bei mir bleiben wollen, so — müssen Sie arbeiten, so leid es mir auch thut." Der junge Mann hat oft nicht so viel moralische Kraft, um der Verlockung zu widerstehen, die Eltern werden es schon zugeben, denkt er sich, und er bleibt — und arbeitet. Nun sind ja glücklicherweise nicht alle junge Leute so schwach, es gibt deren genug, bei denen Eltern und Lehrer ihr Werk gethan haben, so daß sie standhaft bleiben; wie geht es diesen? Am Ende der Lehrzeit sagt der Prinzipal: „Es thut mir recht leid, aber Sie müssen sich nach einer anderen Stelle Umsehen; ich will Sie durchaus nicht veranlassen, am Sabbat zu arbeiten, aber Sie werden einsehen, daß ich einem Kommis am Samstag nicht ftei geben kann." Der junge Mann sucht eine andere Stelle; er wird gefragt: „Warum treten Sie sofort nach beendigter Lehrzeit aus?" „Nur des Sabbats wegen?" Es wird wohl noch ein anderer Grund da sein — denkt sich der neue Prinzipal, wenn er es auch nicht sagt. Eltern, die alle diese Punkte reiflich.erwägen, werden gewiß zu der Ueberzeugung kommen, daß es gerathener ist. den Sohn in ein Geschäft zu geben, welches Sabbat geschloffen, deren es glücklicherweise in Deutschland noch eine große Zahl gibt, selbst wenn er deßhalb an einen kleineren Platz kommt. Allerdings ist auch da Vorsicht von Nöthen und es kann den Eltern nicht dringend genug empfohlen werden, sich auch da zu erkundigen, ob das Geschäft wirklich am Sabbat geschlossen ist, ob nicht vorn geschlossen und die Kundschaft zur Hinterthüre herein gelassen wird. Es gibt gewisse Orte in Deutschland, deren Ruf als der einer frommen Gemeinde wohlbegrundet. und es gibt leider auch leichtsinnige Eltern, die sich sagen: „O. der Ort ist als fromm bekannt, dort sind sicher alle Geschäft geschlossen," und die dann jede weitere Erkundigung für überflüssig erachten.. Wie mancher Lehrling ist auf diese Weise in ein Haus gekommen, wo es mit der Heilighaltung des Sabbats so traurig bestellt war, wie mit der Zuverlässigkeit des Kasckuus in der Küche, und manchen jungen Mann, der nachher auf die „Frommen" schimpft, kann mau erzählen hören: „Ich war bei .dem und dem; jawohl. das sind die Frommen, die Heuchler; ich wäre gewiß fromm geblieben, wenn ich nicht in dieses Haus gekommen wäre." Möchten daher alle Eltern, die einen Sohn in die Lehre geben, sich stets bemühen, denselben in ein Haus zu bringen, in dem wahre Frömmigkeit und Gottesfurcht

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