Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1903)
- Date
- 1903-09-29
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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Central-Organ für das orthodoxe IudenthM 4>>> ' lätter für die israek. Schule 29. Scpt. 1903.1 g« M M. ff v Mr. 11. Wenn es wahr ist, saß das spezifisch Hebräische einen integrirenden Theil des jüdischen Religionsunterrichts auszumachen hat, ausmachen m u ß, so verdient eben das „Uebersetzen" die größte Beachtung. Als man sich'vor mehreren Jahren mit der Frage des „systematischen Religionsunterrichtes" befaßte, kam man naturgemäß auch auf das llebersetzen zu sprechen. - Will man die systematische Religionsl'chre verwerfen- oder.dochsie nach dem stofflichen Umfang bedeutend einschränken, so ist das gleichbedeutend mit einer kräftigen Besürwortung des Uebersetzungsunterrichts. Die Kenntnis; des Pentateuchs und der Gebete 'in der Ursprache soll den Schüler im praktisch-religiösen Leben fördern und ihn?,u einer lebendigen Theilnahme am Gottesdienste befähigen. Im Streben, dieses hehre Ziel zu erreichen, ist jeder Versuch einer Förderung--zu begrüßen, und wem: dieser Versuch sich durch jahrelange P r a x i s erprobte, dann wird man ihn wohl nicht leichterdingS von der Hand weifen können. „Grau ist alle Theorie." und tvas in der Schule am s ch n e l l st e n und besten zum Ziele führt,, ^muß als maßgebend betrachtet werden. In diesem Sinne sollen folgende methodischen Winke aufgefaßt werden. Der hebräische Ucbersetzungsuntcrricht gehört zu den schönsten, interejsantesten aber auch schwersten Disziplinen der jüdischen Schule. Er wird aus eben daraelegten Gründen zu den Lieblingssächern jc'oes für sein Judenthum begeisterten Lehrers zählen. Gerade in i h m und durch, ihn^foll, der. wahrhaft jüdische G e i st athmen, in i h m soll und kann sich der Schaß unserer Religionslehre erst dem Kinde offenbaren. Was lväre wohl ein sogenannter Religionsunterricht ohne das Hebräische? Und was wäre das Hebräische ohne Verständnis desselben werth?. Es bleibt darum nur erfreulich, wenn in verschiedenen Anzeichen der Zeit die Gewähr zu sehen ist, daß in der Gegenwart dieser Gedanke'sich mehr und mehr Bahn bricht. Man wünscht mehr hebräischen Uebersehungsstoff, und doch soll die.. Behandlung desselben deßhalb nicht oberflächlich sich gestalten, die Qualität soll durch die Quantität keine Beeinträchtigung erfahren. Aber, was thun?. Be- .kanntlich stehen dem drei Momente hindernd entgegen: . erstens der Umstand, hast wir.es mit einer F remd.-.. . . spräche zu thun haben; denn das ist das Hebräische, immerhin, will man den unschönen und theilweise auch nicht gerechtfertigten Ausdruck „todte Sprache" nicht gelten lassen. Zweitens mangelt es dem jüdischen Re-, liaionsunterrichte an der entsprechenden Zeit, um wahrhaft Ersprießliches au.ch in dieser Disziplin leisten zu können. Zum dritten und nicht in letzter Linie kommt die Unbcbolfenheit des Kindes in der eigenen Muttersprache in Betracht. Es. bedarf wohl feiner langen Begründung dieser drei hier vorgesührten Hindernisse. „Sie sind bekannt im ganzen Reiche." Höchstens für das lehgenannte Moment sott noch gesagt sein, daß immerhin noch so viele sich auf die hebräische Grammatik versteifen, ohne zu bedenken, daß auch sic nur Mittel zum Zweck sein soll . und darf, ohne zu bedenkerß daß auch sie zu einem solchen Mittel erst dann werden kann, wenn das Kind hinlängliche Gewandtheit in der Muttersprache' und in. ihren Formen besitzt. Keine hebräische Grammatik, kein Eprachgesetz wird das Kind hier verstehen, ohne ' die entsprechende Form sich im Deutschen vorzusiellen. Einzahl.' Mehrzahl, Haupt-, Zahl-, Eigenschaftswort " - muß es erst im Deutschen kennen lernen,' d.ort sind.' diese Begriffe zu entwickeln, ehe davon auch imHebra- ‘ - ischen die Rede sein kann! Darum-sageichaber> -es-- kommt auch die Uuibehölfenheit des Kindes ^in der Muttersprache hier als Hinderniß in Betracht.