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Der Israelit · 1903-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1903) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1903)
Date
1903-09-29
Page
– (sequence 19)
Language
German
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- 1713 kündet worden war, herrschte zwischen beiden Gruppen eine ernste Spannung. Nach den Ereignissen in Kischinew -hatte sich ein Theil der Juden mit Waffen versehen. Am 11. September fand Wochenmarkt statt. Es'gibt zwei Lesarten über den Beginn der Streitigkeiten. Soviel steht jedenfalls fest, daß bei einem Heringskauf der jüdische Verkäufer und der russische Käufer in Streit geriethen, aus dem eine Prügelei entstand. Dem Verkäufer und dem Käufer liefen andere Personen zu Hilfe. In kürzester Zeit, war aber diese Prügelei durch das Einschreiten der Polizei wieder unterdrückt. Da man in jüdischen Kreisen ahnte, was bevorstand, so sorgte die intelligentere Bevölkerung dafür, daß am Samstag und Sonntag durchaus Ruhe gehalten wurde. Angesehene Juden gingen durch die Straßen und warnten vor jeglicher Ausschreitung. Am Montag, 14. September, war das Bild vollkommen verändert. Die Bahnarbeiter waren inzwischen aufgehetzt worden. Man sagte ihnen, sie wären verpflichtet, das zu rächen, was am Freitag geschehen war, und sie kamen daher von der Bahnhofstraße drohend und johlend in die Stadt. Die Schloßstraße, in der die wohlhabende, jüdische und christliche Bevölkerung wohnt, war bereits durch Militär abgesperrt. Dagegen ließ man die Bahnarbeiter nach den ärmeren Vierteln passiren, und sie begannen ein unerhörtes Verwüstungswerk, namentlich in den ärmeren Straßen. Die Häuser an der Techniker-, Wind- und Nowakowskystraße wurden ausgeplündert, und als sich die Juden in Bewegung setzten, um den Plünderern entgegenzutreten, wurden sie von dem Militär zurückgetrieben. Da die Juden sich nicht thatenlos ausplündern lassen wollten, so gab es auf beiden Seiten Todte und Verwundete; etwa ein Dutzend Christen sind bei der Revolte gefallen." Gleichzeitig wird mitgetheilt, daß der „Hilfsverein der Deutschen Juden" bereits einen Betrag zur Linderung der unmittelbaren Nothlage bewilligt hat. und falls es erforderlich ist, auch weitere Bewilligungen für die Beschädigten machen wird. (Auch wir sind gerne bereit, Gaben für die Unglücklichen in Homel in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern. Red. d. „Jsr.") Frankfurt a. M.. (I s r a e l i t i s ch e s Waise n h e i m.) Dank einer bedeutenden Stiftung der Baronin Edmund von Rothschild in Paris hat der Vorstand der Israelitischen Waisenanstalt auf dem Grundstück Röderbergweg 87 für isr. Waisenknaben ein Haus und Heim geschaffen. Die Einrichtung ist musterhaft. Auch eine Synagoge ist im Hause, ferner eine Bibliothek; im zweiten Stock befinden sich die luftigen Schlafsäle. In hygienischer Hinsicht können alle Einrichtungen vorbildlich sein. Vis jetzt sind 45 Knaben in der Anstalt untergebracht. Zwölf sind Lehrlinge, der älteste ist achtzehn Jahre alt. Die Knaben sollen so lange versorgt werden, bis sie selbstständig sind. Die Kosten für die Inneneinrichtung des Hauses wurden durch eine Schenkung der Freifrau Luise von Rothschild gedeckt. Der Bau erforderte mit Grundstück einen Kostenaufwand von rund vierhunderttausend Mark. •. Gelnhausen, im Sept. Durch Beschluß des Kommunallandtages von Hesten vom 14.° März wurde eine Ruhegehalts- sowie eine Wittwen- und Waisen-- kasse für die Kommunalbeamten des Regierungsbezirks . Kassel gegründet. Diese Kasse, unter Aufsicht' des Landeshauptmannes stehend, und durch die Landeshauptmannschaft verwaltet und geregelt, bezweckt, den Beamten der einzelnen Kommunen Ruhegehalt ü. s. w. genau in Höhe der von den unmittelbaren Staatsbeamten zu beanspruchenden Pension zu gewähren. Herr Lehrer M. Strauß von Gelnhausen wandte sich mit dem' Ersuchen an den Landeshauptmann, auch den isräelit. Gemeinden für ihre Religionslehrer -— vorerst nur den Gemeinden Gelnhausen und Schlüchtern — den Anschluß an erwähnte Kasse zu gewähren. - Nach längerer persönlicher und schriftlicher Unterhandlung mit dem Dezernenten, dem Geheimen Re-' gierungsrath Dr. Knorz, wurde den genannten Ge-' meinden für ihre Religionslehrer dieser Anschluß bewilligt. Bei diesem Erfolg nicht stehen bleibend, suchte . Herr Lehrer Strauß eine generelle Genehmigung zum Eintritt in jene Kasse für alle Gemeinden des Regierungsbezirks beizuführen und erhielt nun folgenden Bescheid des Landes-Hauptmanns. den wir hiermit im Wortlaute anführen: Kassel, 29. August 1903, Landes-Hauptmann in Hessen. Nr. III tr 736. Zufolge Ihrer Anfrage vom 3. Mai d. Js. betr. den Beitritt von anderen israelitischen Gemeinden zur Ruhegehalts-, wie Wittwen- und Waisenkasse für die Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Kassel, hatte, ich unter dem 5. desselben Monats die Königl. Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen hier um eine Auskunft darüber ersucht, ob den isräelit. Lehrern kein staatlicherseits geregeltes Rnhegehalt wie den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen zustände, ferner in welchem Dienstverhältniß diese Lehrer ständen und ob die israelitischen Synagogengemeinden im Besitz der Rechte einer juristischen Person wären. Hierauf ist mir am 21. d. M. als Antwort das in Abschrift beigefugte Schreiben der vorgenannten Dienststelle vom 17. d. Mts. zugegangen. Hiernach steht also den sämmtlichen israelitischen Gemeinden, deren Religionslehrer nicht zugleich Lehrer an öffentlichen Volksschulen sind, der Beitritt zu den Eingangs genannten Kassen offen., -; : -V Der Landeshauptmann - In Vertretung: gez. Dr. K n o r z. / An Herrn Lehrer M. Strauß - , - zu Gelnhausen. Durch dieses bedeutsame Schreiben sind nun die Gemeinden des Regierungsbezirks Kassel in die Lage versetzt, ihren Beamten und deren Hinterbliebenen eine.

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