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Der Israelit · 1903-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1903)
Date
1903-09-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1705 Mit welchem Rechte glaubt er, mich mit jenen Gemeinden, die mehr auf Chasan und Schachet, als auf den Lehrer sehen, identificiren zu sollen, um daraus zu folgern^ daß ich bei Besprechung des vorliegenden Themas nicht mitreden dürfte? So scharf als irgend einer verurtheile ich jene Mißstände, aber indem ich sie aufdecke, verfolge ich doch nur den Zweck, ihre Heilung zu veranlassen, nicht sie gutzuheißen. Habe ich doch ausdrücklich betont, daß zunächst bez. der rechtlichen Stellung der Lehrer, ihrer materiellen Lage etc. etc. vieles anders werden müsse, ehe der Lehrer eine entsprechende Thätigkeit entfalten könne. Thatsächlich wählen doch die weitaus meisten Gemeinden ihre Lehrer nach eigenem Gutdünken, thatsächlich hat doch der Lehrer in den weitaus meisten Fällen vom öffentlichrechtlichen Standpunkte aus in den Gemeinden leider nichts zu sagen, thatsächlich ist doch schon gar manchem Kollegen, der das Beste für seine Gemeinde anstrebte, dessen Bestrebungen aber nicht in den Kram der öffentlichen Machthaber paßten, der Stuhl vor die Thüre gestellt worden: — und die Aufdeckung dieser Uebelstände, verbunden mit der Aufforderung, es möge jeder in seinem Bereiche mithelfen, daß es besser werde, sollten mich bei der Besprechung des Themas unmöglich machen? Diese Folgerungen sind mir unverständlich. Herr Ploni zählt mir diverse Fälle auf, welche die Fehler und Mängel einzelner Rabbiner und. Lehrer darthun sollen und stellt weitere derartige Beispiele in Aussicht. Es wäre meiner Ansicht nach nicht nöthig, diese „schwarze Liste" zu erweitern; auch mir sind Beisviele bekannt, daß nicht alles ist, wie es sein sollte. Aber so wenig der eine Fall aüs dem Würzburger Seminare ein Nrtheil über dieses generell zulassen dürfte, so wenig können einzelne Beispiele aus dem Lehrerftande die Behauptung rechtfertigen, daß es mit der großen Mehrzahl der nord- und süddeutschen Lehrer so schlecht in Bezug auf Wissen, Können und Wirken bestellt sei. Die Notizen über einzelne Rabbiner scheiden für mich ohne weiteres aus, ich fühle mich nicht berufen, für dieselben einzutreten: es handelt sich auch um Lehrerbildung, und die Rabbiner besuchen kein Lehrerseminar; auch der bestausgebildete Lehrer kann einem Rabbiner eben nichts dreinreden, ist doch der Rabbiner meistens des Lehrers Vorgesetzter. Was aber die Thätigkeit der.Lehrer betrifft, so möge Herr Ploni doch sich auf dem Lande umschauen, wo das. ganze geistig-jüdische Leben der Gemeinden vielfach nur allein durch des Lehrers hingebende Thätigkeit noch, pulstrt. er möge sich auf den jüdischen Lehrerversamm-* lungen Umsehen und erkennen, welche Fälle idealen Strebens die jüdischen Lehrer beseelt, wie da gearbeitet wird an der eigenen Fortbildung, an der Hebung des Schul- und Gemeindelebens. Ich bin Lehrer mit Leib und Seele und jenes generelle Urtheil mußte weh thun, mußte reizen, mußte zur Entgegnung fordern. Wenn Sie nun in Ihrer Erwiderung, Herr Ploni, betonen, daß Sie nicht die Lehrer generell angreifen wollen — aus Ihrem Briefe konnte ich nichts anders folgern, — daß es Ihnen nur darum zu ihun ist. Miß-, stände zu beseitigen, Schlechtes zu verbessern, dann, Herr Ploni, sind wir nicht Gegner, sind wir Bundesgenossen und in diesem Sinne schlage ich gerne in die mir gereichte Hand ein, denn auch mir steht die Sache vor der Person. - Damit ist aber auch die persönliche Seite der Sache für mich erledigt, und ich darf wohl annehmen, daß Ihr nächster, in Aussicht gestellter Artikel praktische Vorschläge zur Diskussion stellt, umsomehr, als Sie ja selbst schon auf die Unzulänglichkeit der Lehrerentlohnung und auf die schwere Verantwortlichkeit des Zurathens zur Ergreifung des Lehrerberufes hingewiesen haben. v Nicht in neuen Seminargründungen u. dergl., sondern in reinem Systemwechsel im Gemeindewesen durfte zunächst der Angriffspunkt zu suchen, der Hebel ernzufetzen sein. - Ein süddeutscher Lehrer. Eydtkuhnen, 24. Sept. (Haftentlassung.) Vorgestern Abend ist der vor einem Monat in Stallupönen wegen Schmuggelns und Mordverdachts verhaftete Händler Samuel Gumbinner aus Wystyten auf höhere telegraphische Weisung aus der Haft entlassen worden, weil die Verdachtsgründe, gegen G. sich als hinfällig erwiesen haben. Eduard S e galt. Friowrazlaw, 25. Sept. Ein hochangesehenes, nicht genannt sein wollendes Mitglied unserer Gemeinde — als Oberlieutenant der deutschen Armee angehörend — ließ, um das Andenken seines verklärten Vaters — der Kgl. Kammerzienrath gewesen — zu ehren, ein herrliches Sefer Thora schreiben, schrieb den letzten Vers der Thora mit eigener Hand und schenkte dieses Sefer der hies. Gemeinde, dazu einen reich mit Gold gestickten Thoramantel, mit massivem Silber geschmückte „Ez Chajirn". auf beiden Seiten befinden sich die hebräischen Namen der Eltern und derjenige des edlen Spenders. Am ersten Tag Rosch-Haschonoh wurde zum ersten Male aus dem Sefer der Thora-Abi~r* - nach der Vorlesung fand der iovn durch den Herrn Rabbiner Dr. K o hn statt, der darauf eine gedankenreiche und eindrucksvolle Weiherede hielt. - Schlawo. Der in Aussicht genommene Kalender für Rabbiner, Lehrer und Kultusbeamten wird aus Mangel an Betheiligung dieses Jahr nicht erscheinen. Wie der Verleger. Herr Franz Hopff, und der. Herausgeber, Herr Vreidenfeld, uns mittheiler^ soll der Kä-- lender im nächsten Jahr bestimmt herausgegeben werden. Die eingegangenen Bestellungen werden dann ausgeführt. .

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