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Der Israelit · 1903-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1903)
Date
1903-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1697 scheidungslehre im Unterricht nothwendig ist, gehört sie in den Religionsunterricht. Aber auch dieser darf die Rücksichtnahme auf das religiöse Bewußtsein der Andersgläubigen niemals außer acht lassen. Darin sind alle Konfessionen einig, und die Erziehung in der Schule muß die Erkenntniß wach halten und fördern, da es nicht an weiten Gebieten fehlt, auf denen den Angehörigen verschiedener Konfessionen ein gemeinsames Wirken möglich und Pflicht ist, sodaß viel Gutes und Schönes unentwickelt bleiben und das Staatsinteresse gefährdet werden müßte, wenn die Erziehung der Jugend nicht pflegte, was uns eint, sondern vertiefte, was unser Volk auf religiösem Gebiete trennt. Ich vertraue, daß die königl. Regierung den betheiligten Kreisen, wo es etwa erforderlich sein sollte, die sorgfältigste Beachtung dieser Grundsätze zur Pflicht machen wird." Nicht nur in Preußen, sondern überall möchten diese goldenen Worte beachtet und beherzigt werden. Wie viel unverdiente Kränkung, Zurücksetzung, Kummer und Leid würde dann den unschuldigen, jungen Herzen erspart bleiben! Strasrbnrg i. E., 27. Sept. Das isr. Vezirkskonsistorium des Unter-Elsaß hat, wie alljährlich, auch dieses Jahr beantragt und verlangt: 1) daß die isr. Mannschaften am Neujahrsfeste und am Versöhnungstage, sowie am Vorabende desselben, vom Dienste befreit werden; 2) daß die Beurlaubten ihre Rückreise am andern Morgen der Feiertage vornehmen dürfen; 3) daß die stattfindende Entlassung der israelitischen Mannschaften schon am 20. September erfolgen werde; ferner wurde dem Konsistorium auf seinen Antrag vom 10. September mitgetheilt, daß durch Verfügung des Königl. Kriegsministeriums vom 14. September, Nr. 162, A 2, den Truppentheilen angeordnet wurde, daß die am 1. Oktober eintretenden jüdischen Einjahrig- Freiwilligen vom Dienste zu befreien stnd. Die Betheiligten haben ein Gesuch ihrem Regiments-Kommandeur einzureichen. Anläßlich dieser an'erkennenswerthen Bestrebungen seitens des Vezirkskonsistoriums des Unter-Elsaß, die einen großen rrrn wnp bedeuten, beehre ich mich, zwei hochwichtige Zirkulare, eines seitens des Elsaß- . Lothringischen Rab.binerverbandes, das andere seitens des Oberrabbiners von Straßburg, welche während den 'v' erlassen worden stnd, mit der ergebensten Bitte Ihnen zu übermitteln, dieselben ihrer hohen Wichtigkeit wegen in Ihrem geschätzten Blatte gefälligst veröffentlichen zu wollen und zwar nicht nur die Cirkulare, sondern auch die Unterschriften, welche dem Zirkular des Elsaß-Lothringischen Rabbinerverbandes beigefügt sind, damit die Leser des „Israelit" mit Ihrem Correspondenten die wehmüthige Frage aufwerfen: „Warum .fehlen die Unterschriften der Lothringischen Rabbiner gänzlich und warum haben mehrere Rabbiner des Ober- und Unter-Elsaß, meistens Rabbiner größerer Gemeinden, wie Mühlhausen, Schlettstadt, Weißenburg u. m. a. ihre Unterschrift verweigert. Nachfolgend die beiden Zirkulare: - i °; Liebe Glauben sgenossen! •)- In dieser Zeit der Selhstprüfung beehren wir nns, Euch eine außerordentlich wichtige Angelegenheit vorzutragen, die Eure ganze Aufmerkkeit verdient. Wir meinen die M a z z o s - F r a g e. Zur Herstellung der Mazzos ist erforderlich eine genaue Kenntniß der betreffenden, religiösen Borschrif-1 ten und eine peinliche, religiöse Gewissenhaftigkeit. Jeder Einsichtige, der sich nicht selbst täuschen will, weiß aber, daß sehr viele Mazzos-Bäckereien in Elsaß-' Lothringen diesen Anforderungen nicht entsprechen. Denn diese Backereien werden betrieben von Leuten,, dis für die koschere Herstellung von Mazzos keine Garantieen bieten. Entweder: sie sind in religiösen Dingen so unerfahren, daß sie die religösen Vorschriften über die Zubereitung der Mazzos nicht kennen,' oder: ihr ganzer religiöser Lebenswandel ist derart, daß man von ihnen nicht annehmen darf, daß sie die Mazzos mit der nöthigen Gewissenhaftigkeit Herstellen. Die scharfe und beständige Ueberwachung aller Einzelheiten des Betriebes fehlt, ohne welche eine koschere Herstellung der Mazzos undenkbar ist. ' Daraus ergibt sich, daß die Herstellung der Mazzos auf Pesach nur stattfinden soll unter Aufsicht eines fachkundigen,' strengfrommen Mannes. Und unser Gewissen zwingt uns, zu erklären, daß Mazzos aus einer Bäckerei, die nicht unter einer solchen zuverlässigen Aufsicht steht, am Pesach nicht genossen werden dürfen. Eine Besserung der schreienden Uebelstände in° Mazzos-Bäckereien ist nur möglich durch das Zusammenhalten und das Zusammenwirken Aller.. Jeder wahre Jehudi wird in diesen Tagen von der Ernsthaftigkeit einer frommen Gesinnung erfüllt.. Jeder nlöchte sich dazu aufraffen, die göttlichen Gebote gewissenhaft zu erfüllen; darum hoffen wir gerade^jetzt, Gehör bei Euch zu finden, wenn wir Euch sagen: Ihr wißt, wie streng das Chomez-Verbot ist. Laßt es Euch etwas kosten und kauft nur solche Mazzos, von denen jeder Verdacht von Chomez ausgeschlossen ist. Für Pesach treffet Ihr so viele und so umfassende Vorbereitungen — ob Ihr auch koschere Mazzos. am Tische' habt, darf Euch das gleichgiltig sein? Ist es nicht ein großer Fehler, eine bedauerliche Nachlässigkeit in der Erfüllung religiöser Pflichten, Mazzos 'sich. zu beschaffen, ohne zu untersuchen, ob sie auch nach religiöser Vorschrift hergestellt sind! Nichl der Lieferant, allein trägt die Verantwortung, sondern , jeder Einzelne ist. vor,seinem Gewissen verantwortlich. < Solange die Mazzos-Bäckereien von den Familien nicht zu einer Aenderung ihrer Gewohnheiten gedrängt werden, so lange werden, die Mängel nicht aufhören.

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