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Der Israelit · 1903-11-16 · Heft 91 (16.11.1903) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 91 (16.11.1903)
Date
1903-11-16
Page
– (sequence 23)
Language
German
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mehr theilt. In seiner Ueberzeugung dokumentirt sich aber Sternberg durch seine Schrift als konsequent denkend und läßt in dieser logischen Weise die rituellen Speisevorschriften der Juden einerseits, andererseits aber auch gewisse Eigenthümlichkeiten der jüdischen Küche, welche nicht durch Religionsvorschriften geboten sind, am Prüfstein der Diabetesdiät Revue passiren. Das Resultat ist auf Seite 70 kurz gefaßt: „Die rituelle Diät und die religiöse Kost veranlaßt nicht die Krankheit der Juden, die Zuckerkrankheit, und die Verletzung der diätetischen Religionsgesetze wird gar nicht durch die ärztliche Behandlung gefordert. Um die Häufigkeit des Leidens, unter den Juden zu mindern. gebietet die Prophylaxe, in der geistigen und seelischen Diät, fürsorglich zu sein, das psychische Trauma möglichst zu meiden." Das Buch verdient als objektiv gehaltene Schrift alle Empfehlung. Oefele, Bad Neuenahr, Rheinpreußen. Tr. Burwinkcl, die Herzleiden, ihre Ursachen und Bekämpfung. Gemeinverständliche Darstellung. IV. und V. Ausl. München 1903. Verlag der ärztlichen Rundschau (Otto G m e l i n). Bei der Unmasse von populär medizinischen Schriften, Erzeugnissen der medizinischen Spekulation, die täglich ihre Angriffe auf Leben und Gesundheit unter irgend einem Vorwände machen und Tausende van unglücklichen Patienten Geheimmitteln und Kurpfuschern in die Hände treiben, ist ein Buch, wie das vorliegende, doppelt begrüßenswerth. Es ist sachlich gepalten, gibt sehr beherzigenswerthe Winke und will den Kranken vor allzu großer Aengstlichkeit aber auch Gleichgültigkeit schützen. Interessant ist, daß Verfasser mit Recht meint, seines Erachtens würden „Gicht, Zuckerkrankheit. Fettsucht u. s. w. unter den modernen Juden nicht so sehr verbreitet sein, wenn sie die Fasten- Vorschriften des großen Gesundheitsapostels Moses noch richtig befolgten." Das Fasten habe eine nicht zu unterschätzende Bedeutung u. s. w. Prosa n-LiiteraLur. „Im Friihlicht." Ein Schauspiel aus Oesterreich von Karl Eduard. Linz, Wien. Oesterreichische Verlagsanstalt, 1903. Der Inhalt ist dem modernen Leben entnommen. Wir erhalten hier die Schilderung der Verhältnisse in einer kleinen österreichischen Provinzstadt, in welcher der Kanonikus Graf Wehr — ehemaliger Dragoneroffizier — seinen weitreichenden Einfluß geltend macht und deßhalb auch sehr gefürchtet, allerdings auch nicht minder verhaßt ist. Der Schriftsteller Strauß Hai eine Broschüre verfaßt, in welcher er den Charakter des gleißnerischen Kanonikus in geistvoller Weise an den - Pranger stellt. Graf Wehr nimmt die Hilfe des Staatsanwalts Kautsky in Anspruch, und da er gegen den Inhalt der Broschüre nicht persönlich als Ankläger einschreiten will, sucht er durch den Staatsanwalt eine öffentliche Anklage wegen Religionsstörung zu erreichen, welches Verbrechen eine Stelle'in der erwähnten Schrift möglicherweise, geschickt hervorgehoben, begründen könnte. Der beeinflußte Staatsanwalt geht darauf ein und betraut seinen Substituten Dr. Hirmer mit der Verfassung der Anklage. Dieser aber, mit dem Verfasser Strauß befreundet und die Haltlosigkeit der Anklage einsehend, weist den Auftrag seines Vorgesetzten entrüstet zurück, worauf ein willfähriger Streber, sein Kollege Marussig, diese Anklage übernimmt. Dr. Hirmer aber tritt von seinem Posten zurück. Es kommt zur Verhandlung, und Hirmer, in die Vertheidigerlisse eingetragen, führt die Vertheidigung seines Freundes Strauß; seiner Beredsamkeit und der ohnehin gegen Wehr herrschenden Stimmung gelingt es, den Freispruch von den Geschworenen zu erwirken. Des Kanonikus Ruf ist durch diesen Ausgang der Verhandlung natürlich vernichtet. Der Verfasser hat die hier kurz dargelegte Handlung dramatisch wirksam gestaltet, und in den vorkommenden Hauptpersonen eine Reihe charakteristischer Figuren, auch das Milieu der kleinen Provinzstadt, in bezeichnenden Zügen entworfen, sowohl was die kleinbürgerlichen, wie auch, was die Kreise des Veamtenthiims daselbst betrifft. Auch der Dialog erscheint knapp und wirkungsvoll. Man kann zu einer Bllhnenaufführung des Stückes mit gutem Gewissen rathen. Allerdings hat dasselbe, wie sich schon aus obigen Andeutungen ergibt, manche scharf satirische Spitze, und ob sich nicht diesbezüglich Einlvände. .für eine Darstellung in der vorliegenden Form ergeben, mag hier unentschieden bleiben. Dr. A. Schl. Naumann, Johannes. „Wer soll kaufmännische Fachwissenschaft lehren?" Pr. M. 1. Duisburg 1903. Das interessante Büchlein führt ungefähr Folgendes aus: Herr Naumann bestreitet den praktischenWerth eines von einem Theoretiker ertheilten Buchfiihrungsun'ierrichtes. weil dem Volksschullehrer eben jedwede Praxis in kaufmännischen Sachen mangele. Dieser Mangel könne aber keineswegs ausgeglichen werden durch den Besuch eines in Berlin abgehaltenen vierwöchentlichen, sogenannten Staatskursus und durch das sich daran anschließende Studium aus Lehrbüchern. Dadurch würde der Volksschullehrer noch lange nicht qualifizirt. in praktisch-kaufmännischen Disziplinen zu unterrichten. Solange der Kaufmann an den städtischen Handelsschulen als Lehrmeister fehle, ' solange könnten diese Schulen nur halbes wirken. | - .. . ■ -

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