Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1903)
- Date
- 1903-11-16
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wege der Spekulation abgeleitet worden, und wie es skch aus dem jüdisch-theologischen Schriftthum ergibt. Der Verfasser geht dabei in interessanter und anregender Weise kritisch auf die ethischen Systeme eines Aristoteles, Spinoza, Herbart, Kant, Schleiermacher. Schopenhauer, Hartmann, Wundt, Nietzsche, Simmel und anderer Denker der Neuzeit ein und gelangt unter Benutzung des bleibend Werthvollen in der Kant'schen (Zthik zu selbstständigen Ergebnissen, die er namentlich als in der jüdischen Weltschöpfungsidee und dem auf. diese folgenden Inhalt der Bibel und der nachbiblischen Schriften des Judenthums begründet aufweist. Das' letzterwähnte Moment gibt dem Verfasser auch Veranlassung, sich mit den Ansichten der modernen Vibelkritik, wie sie namentlich von Wellhausen und Delitzsch,' vertreten ist, auseinanderzusetzen und dieselben in' einem neuen. Lichte zu öeurtheilen. Schon aus diesen'' kurzen Andeutungen mag der belehrungsreiche und interessante Inhalt des auch äußerlich schön ausgestatteten Buches - ersehen werden. Dasselbe ist durch jede Buchhandlung zu beziehen. Unser verehrter Mitarbeiter, Herr Rabbiner Dr. Roth- Diakyvar, wird in einem späteren Artikel noch Gelegenheit' nehmen, auf das Werk in eingehender Weise zurllckzukommen. .Medizinisches. Tr. Hugo Hoppe. „Krankheiten und Sterblichkeit bei Juden und Nichtjuden." Berlin 1903. Verlag von S. C a l v a r y & d i c. Zahlen sprechen kurze aber desto eindringlichere Worte. Der Verfasser hat unter Zuhilfenahme der Statistiken von Billings, Neumann, Ruppin und vieler anderer, die er mit großem Fleiße durchgearbeitet, die Thatsache zahlenmäßig belegt, daß bei den Juden Mortalität. Morbidität und Disposition zu . einer großen Anzahl von Erkrankungen, wie Lungenentzündung, Typhus, Malaria, Cholera. Pest, Pocken n. a. wesentlich geringer ist als bei Nichtjuden. Gegenüber einzelnen Erkrankungen, wie Syphilis und Alkoholismus, erreicht die Differenz eine solche Größe, daß das Verhältniß einer relativen Immunität . gleichkommi. Am günstigsten liegen diese Verhältnisse bei den östlichen Juden, und werden ungünstiger mit zunehmender Civilisation und Assimilation. Die interessanten Einzelheiten müssen im Original nachgelesen werden. Lr. Martin Engländer. „Die auffallend häufigen Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse." Wien 1902. Verlag von I. L. Pollak. Die Schrift ist eine sehr erwünschte Ergänzung zu :em Referate Dr. Mandelstamms auf dem vierten Hionistenkongreß über die Verfassung und Eririnhmgen der östlichen Juden, und bildet mnt dre,em zusammen ein Stück jüdischer Kulturgeschichte der Gegenwart. Bekanntlich kommen bei den Juden gewisse Stoffwechselerkrankungen, -Diabetes, Gicht, Fettsucht, dann gewisse Nervenleiden und bestimmte Formen des Jrresenis verhältnißmäßig häufiger vor, als bei den Nichtjuden. Mit warmen Worten bespricht Verfasser alle in Betracht kommenden Verhältnisse, untersucht die Gründe und sucht nach Wegen zur Abhilfe. Seine Rathschläge sind sehr beherzigenswerth. Dem Büchlein wäre weiteste Verbreitung zu wünschen. Tr. Wilhelm Sternberg. „Die zehn Gebote des Zuckerkranken." Mainz. Joh. W i r t h'sche Hofbuchdruckerei. 1903. Der Verfasser wollte in der kleinen Schrift dem Zuckerkranken all das vorführen, was er in jedem Moment unbedingt gegenwärtig und vor Auge haben muß. damit er möglichst schnell seiner Gesundung entgegengehe. Gewiß hilft er damit die rationelle Behandlung und Heilung der Zuckerkranken wesentlich fördern. Die Winke gelten ebensowohl für die Umgebung des Kranken, die er zu dessen sachgemäßer Behandlung erzieht. -:— Tr. Wilhelm Sternberg. „Das tägliche Brod des Zuckerkranken." Bonn. Karl Georgi.. 1903. Sehr lehrreiche, launig geschriebene, kurze Zusammenfassung dessen, was der Zuckerkranke und dessen Familie wissen soll. Es würde dem Werth des Büchelchens keinen Eintrag gethan haben, wenn der Verfasser gegen den „blutdürstigen Chirurgen" etwas weniger „anschaulich" zu Felde gezogen wäre. Auch in anderen Punkten kann man getheilter Meinung sein. Jedenfalls aber wird auch der Nichtdiabetiker das Schriftchen mit Vergnügen lesen. j Tr. Wilhelm Sternberg, Spezialarzt für Verdauungs- und Zuckerkranke. „Die Judenkrankheit, die Zuckerkrankbeit, eine Folge der rituellen Küche und orthodoxen Lebensweise der Juden?" Johann Wir th'sche Hofbuchdruckerei. Mainz 1903. (Besprechung aus der .Deutschen Aerzte-Zeitung'.) Bei der Empfindlichkeit mancher Kreise kann der Titel den Schein des Antisemitismus Hervorrufen. Aber jeder einigermaßen aufmerksame Beobachter wird gegen den Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei nicht diesen Verdacht haben, da dies in Deutschland wohl der größte und angesehendste Verlag der jüdischenreligiösen Litteratur ist. Auch der Verfasser kann doch nicht selbst als Jude antisemitischen Tendenzen huldigen. Da sehen wir das Fragezeichen als Schlich des Titels. Es ist somit eine Fragestellung. Auf 70 Seiten behandelt der Verfasser diese Frage in objektiver Weise, was gewissen Schriften manchmal fehlt. Sternberg ist Anhänger der Ansicht, daß Diabetes durch Entziehung re»p. Einschränkung der Kohlhydrate zu behandeln ist, ein Standpunkt, den Referent nicht