Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1903)
- Date
- 1903-11-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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wesentlich, der Erzählung von den-Makkabäern auch zeitlich den rechten Platz anzuweisen vor den Augen der Schüler. Das kann am besten geschehen mit Zugründelegung der Zahl 1 der üblichen Zeitrechnung, die durch einen Strich auf der Tafel versinnbildlicht wird, um darüber in entsprechender Entfernung die gegenwärtige Jahreszahl (1903) und darunter die Jahre vor 1 zu vermerken. Da prinzipell das Gedächtnis, nicht mit Zahlen unnothig belastet werden soll, so genügen zur Ilebersicht einige wenige, die weiter unten folgen werden. Nehme ich als Zielangabe für den 1. Theil meiner Lektion »die Berührung Js^ raels mit fremden Völkern und die Verführung durch diese," so ist ein leitender Gedanke oder Faden gegeben für die ganze geschichtliche Epoche seit der Zerstörung des ersten Tempels, der Vorwurf des Abschweifens vom eigentlichen Thema (Chanukah) somit nicht angebracht. Freilich kann eben nichts mehr als eine bloße Uebersicht geboten werden, die aber nicht trocken sein darf. Hat man schon die 70 Jahre der babylonischen Gefangenschaft anderweitig ausführlich behandelt, so ist's umso besser. Für eine Uebersicht genügt unseres Erachtens das hier Gegebene. Da nun die makkabäische Herrschaft die einzige und zugleich die letzte war seit dem Aufbau des zweiten Tempels, so sollte der Gang rückwärts bis zur Zerstörung des ersten Heiligthums und dem Ende des jüdischen Köngthums nicht als nutzlos erachtet werden. Erste Stunde. Ziel: Die Verführung Israels bei anderen Völkern. 1. Analyse: Welches Fest begehen wir bald? Was geschieht an diesem Feste? (Lichtanzünden.) Womit unterhält man sich sonst noch? (Spiel, Gesang.) Warum sind wir so froh gestimmt? (Freudenfest!) Welches Wunder ist euch von der Geschichte der Tempelweihe aus bekannt? Warum war kein reines Oel mehr vorhanden? (Verunreinigung oder Entweihung!) Warum ließ Gott sein Heiligthum verwüsten und entweihen? (Sünden des Volkes!) Warum solch' schwere Strafe? (Große Sünden, Abfall.) Mir wollen hören, wie Israel von Gott abfiel durch die Verführung bei anderen Völkern. 2. Synthese, a) Die babylonische Gefangenschaft. Zur Zeit der Chanukahgeschichte hatte sich Israel von heidnischen Völkern zum Abfall von Gott verleiten lassen. Darum kam Noth über das Volk und Schmach über sein Tempelheiligthum durch Verwüstung und Entweihung desselben. Dieser Tempel warbereits das zweite festgebaute Gotteshaus unter Israel. Bereits früher ging ein herrliches Heiligthum durch Nebuchadnezar, König von Babylon, zu Grunde, der erste Tempel im Jahre 686 ty)t der üblichen Zeitrechnung oder vor dem Jahre 1. (Wird angeschrieben!) 70 Jahre sollte das Volk nach Babylon wandern in die Gefangenschaft, um seine großen Sunden zu büßen. Das babylonische Reich ging selbst bald zu Grunde; es wurde von den Persern erobert, ehedie 70 Jahre herum waren. Ein gütiger König (Cyrus) von Persien erlaubte den Juden, von Babylon nach Palästina zurückzukehren und in Jerusalem einen Tempel zu bauen. Aber siehe, es machten nicht einmal alle Gebrauch von dieser gütigen Erlaubnitz. Den Juden gefiel es in Babylon unter der persischen Oberhoheit sehr gut, und so zogen nicht einmal alle Leviten heim, um den zweiten Tempel aufzubauen. Noch mehr! Das Volk, trat ' immer näher den heidnischen Völkern, in deren Mitte es wohnte. Es heirathete schließlich heidnische Frauen und mißachtete Gottes heiligste Gebote. Zu jener Zeit lebten zwei große Männer in Israel: Esra, ein Schriftgelehrter und Abschreiber des Gesetzes, und Nehemia, ein Mundschenk des Königs von Persien, zugleich auch Statthalter in Jerusalem. Esra sorgte mehr für die Ausbreitung des Gesetzesstudiums, Nehemia besonders für den Aufbau der Stadtmauern in Jerusalem. Beide zugleich hatten aber zu kämpfen gegen Sabbatentweihung und heidnische Ehen. So wird uns berichtet, daß die Kinder aus solchen Ehen überhaupt nicht mehr die jüdische Sprache kannten, sie redeten „aschdodisch". Selbst in Hohepriesterfamilien kamen derartige Mischehen-vor- Man suchte vornehme Verwandtschaften unter den heidnischen Nachbarn zu erlangen und sagte: „Haben wir doch alle einen Vater, hat uns doch alle ein Gott geschaffen." Der Qvferdienst wurde durch solche Priester entweiht und entwürdigt. Vielfach nahm man fehlerhafte und kranke Thiere zum Opfern. Ferner berichtet uns Nehemia. daß er am Sabbat die Kelter treten sah und auf dem Marktplatze zu Jerusalem am Sabbat fremde Kaufleute traf. Das Volk hatte unter den nichtjüdischen Nationen gar bald das Unglück des Tempelunterganges vergessen und fremdes Wesen angenommen. Esra strafte die Leviten, welche nicht zum Tempelbau nach Jerusalem heimzogen, indem er die Bestimmung traf, daß der sog. „Maaser" oder Zehnte nicht mehr ihnen gegeben werde, sondern den Priestern. Am Ende der babylonischen Gefangenschaft trug sich auch die Purimgeschichte zu, bei der wir hören, wie Israel durch die Ränke Hamans, des Ministers beim persischen Könige. Ahasveros, beinahe der «Vernichtung verfallen wäre; zur Rettung wurde jedoch der fromme Jude Mordochai gesendet. Der Talmud fragt nach dem Grunde des schweren Verhängnisses, das damals Israel bedrohte. Als ein solcher Grund wird der grenzenlose Leichtsinn des damaligen Geschlechts angegeben. Obwohl noch nicht lange der erste Tempel untergeganzen war, obwohl noch die letzten Propheten unter dem Volke lebten und bereits zum Aufbau des zweiten Heiligthums ermunterten, schmiegte sich das Volk enge