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Der Israelit · 1903-11-16 · Heft 91 (16.11.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 91 (16.11.1903)
Date
1903-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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man zudem gewohnt ist, immer nur Recht zu bekommen. Auf eine weitere Auseinandersetzung über den von dem Artikelschreiber künstlich konstruirten Gegensatz zwischen Stadt- und Landbevölkerung einzugehen. halten wir nicht für nöthig. Stadt- und Landbevölkerung tragen beide zu den Kosten der religiösen Bedürfnisse bei, die letztere vielfach in einem höheren Verhältnisse zum eigenen Vermögen, als die erstere, wenn man von der allgemeinen Landeskirchensteuer abüeht. Aus dieser sollen die allgemeinen kirchlichen Bedürfnisse bestritten werden, manche Gemeinden er-' halten Zuschüsse zur Besoldung ihres Lehrers, Zuschüsse, die zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig sind. Wir haben im badischen Lande Lehrer, die mit tausend Mark Einkommen eine mehrköpsige Familie standesgemäß ernähren sollen, und haben Bezirks- und Konserenzrabbiner, die im Ueberfluß schwelgen und aus den Groschen der Bevölkerung ihr Schäflein wohl in's Trockne bringen. Wir verwenden in Baden jährlich Tausende für eine . Liebhaberei Weniger, für ein Lebrlingsheim, Und lassen manche kleine Gemeinde in religiöser Hinsicht verkommen, weil — die Mitte! nicht reichen zu einem Zuschuß aus der Zentralkasse, ohne den die kleine und-arme Gemeinde keinen Lehrer bezahlen kann. Angriffe wie jene im „Hamb. Familienbl." können die öffentliche Meinung nicht verwirren, werden aber den jungen Verein auch in keiner Weise beängstigen. Gilt es doch, .Hohes und Heiliges mit allen Kräften zu vertheidigen! Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr. Deutschland. Mainz. (Grober Unfug in der Woblthätigkeitspflege.) Es hat sich neuerlich der Unfug breit gemacht, bei Aufrufen für wohlthätige Zwecke nicht durch die Verständigkeit, .des Zwecks und ähnliche sachliche Argumente, sondern durch die Menge der Unterschriften auf das „wohlthätige^ Publikum zu wirken. Dieser Unfug trägt in sich die Richtung, sich zu steigern. Während vor einem Jahre ein jüdischer Verein als eines Zeichens seiner Veliebheit der nahezu 200 Unterschriften seines Aufrufs sich rühmte, versendete kurz darauf ein Herr L. einen (interkonfessionellen) Aufruf mit nahezu 300 Unterschriften. Augenblicklich dürfte den Record ein interkonfessioneller Aufruf, ^veranstaltet durch Frau C. G., halten. Seine' mehr äks 750 Unterschriften, nehmen sieben volle Druckseiten ejy.— und ^dieser. .Aufruf wird.versendet. — rAHem 'Ersuchen; 'iHm die.Unterschrift bHusugen^, Es lväre 'wünschenswerth, da^venigstens in'der'jüdischen ^Wohlthätigkeitspflege mit Mrset eigentlich durch-) aus -dnjüdischen Miste gebrochen, wird. Sw. bedeutet ein stillschweigendes Ängeständniß, daß man zu den Mitteln geschäftlicher Konkurrenz greift.'^um-'bei -dtm''^ Nebeneinanderbestehen so vieler jüdischer Vereint'die'^Ä Aufmerksamkeit auf stch zu lenken. Derartige: Aufrufe uni. erfordern vsel Arbeit und Kosten und könnenniemalSu^ . durch Vereine geleistet werden, bei denen lediglich im «»i Ehrenamt gearbeitet wird. Sie führen daher schließt un lich dahin, daß mehr und mehr die Thätigkeit im Ehrenamt durch die weit kostspieligere der bezahlten , Sekretariate ersetzt wird. Diesen Sekretariaten-welche nicht durch anderweitige bürgerliche Veschäftsgung: iw -1 Anspruch genommen sind und daher genügende Muße-)i<5 besitzen, wird es niemals schwerfallen, von einer, großeni^l;^ Anzahl wohlmeinender oder eitler Honoratioren? die?:«v; Unterschriften zu beschaffen und dadurch auf,.die; Ge- ^kr dankenlosen zu wirken. t-n Berlin. Wegen Freiheitsberaubung hgtte sich---: dieser Tage der Synagogendiener Isidor Rawitzer Charlottenburg vor der ersten Strafkammer am Land-, gericht kl zu verantworten. Dem Vor stände;-des.Sy-ri::,; nagogenvereins zu Charlottenburg gehört alh zweiter Vorsitzender der Rentner Beutner an. In djeser Estgenschaft liegt cs ihm ob, an den WochentageNjchie Zeit für die Abhaltung der üblichen Gottesdienste, -zu be<-.7 stimmen und die erforderlichen Anordungen dafür-M,,-?: treffen. Am Samstag 25..Juni hatte er.dey;,Ahen.d-h../ gottesdienst, der sonst später stattfand, bereits ..fü^.^-: Nachmittag 5 Uhr angesetzt. Er hatte den Synagogen- .Ty} diener von dieser Anordnimg in Kenntniß gesetzt;, ev^-rfürchtete aber, Rawitzer könne dies vergessen nichs zu::?/' rechter Zeit die Thüren öffnen. Um dieser Ärzöglichkeii.. .: vorzubcugen und allenfalls auch selbst die Thüren-der Synagoge öffnen zu können, nahm er den .Schlüssel,- einer Seitenthüre, die sonst als Nothausgang: diente,? an sich, allerdings ohne dem Synagogendiener etwasdavon zu sagen. Dieser suchte lange Zeit nach denrfehlenden Schlüssel, und da er ihn nicht fand^so band'-, < er die unverschließbare Thür von. innen mit .Stricken,.-..: zu. Als Rentner Beutner am Samstag Nachmittag in- - der fünften Stunde die Synagoge durch die Seitefl^^ thüre betreten .wollte, konnte er "-sie'-'inW^öffnenD/ Während er sich an der Thür zu schaffen machte, kan)rZ^ der Synagogendiener. . hinzu und rief sofort wuthentHM brannt: „Sie sind es also, ^der mir. den. Schlijssel stöhlen hat! Sie kommen hier'nicht eher fort, als biHM dke'Po lize üdwi stl" Dämit schloß er den zweiten V.oiL^^ -stand im Lcrgartcn der 'Synagoge ein und ließ ihnMz nicht eher heraus, .als. bis ein Polizeibeamter erschien^E - worüber eine 'halbe- Stunde''Verging. 'Der AllgeAags^^ . behaupjete'.-.daß Niemand »berechtigt getvestw: sei, dHkIO .Schlüssel an sichnehu^grauß^r^ihM dg-^aMn lomoUZibeUtndeteütdaß dWÄentner Beutner anden Wochentagen thytsächlich die erwähnten-Funktionen ob^^f lagen und daß er bei deren Ausübung der Vorgesetzte

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