Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1903)
- Date
- 1903-11-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Liberale und orthodoxe Mabbknsr sollen.in Baden - unter obsrräthlicher Fürsorge einträchtig nebeneinander arbMuT—Wir fragen:. Wie^ viele Rabbiner unter den angeführten 15 gehörendem altüberlieferten, traditia- -.'.nellen Jlldenthum an? Müssen. nicht viele Landge- .'-'^rneinden ohne Weiteres zur Besoldung eines Rabbiners .5?:, Mitwirken, von dem sie. nicht nur nichts haben, sondern : 7öuch seiner ganzen Haltung wegen nichts haben wollen? (Siehe Umfrage wegen Sabbatpredigten in den Land- --- gemeinden.) Haben nicht die badischen liberalen Rabbiner seit Jahren das orthodoxe Element bei den Sy- . ' nodalwahlem völlig außer Acht gelassen und nur Rabbiner ihrer Gesinnung in die Synode gewählt,' wo es ".ihnemdoch cm Leicbtes gewesen wäre, der Orthodoxie '): tvenrgstens das berechtigte Gehör zu ver- '.-5-schaffen«- Aber: mit eiserner Eon sequenz wird da das -altüberlieferte Judenthum mündtodt gemacht, am Ende nicht ohne Mitwirkung des Artikelschreibers im „Hamburger Familienbl.", und trotzdem hat dieser Herr den .'7 zweifelhaften Muth, jede Bedrückung des traditionellen Judenthums, abzuleugnen. - ■ Bow einer „umfassenden" Thätigkeit der Rabbiner - in Bezug auf den Religionsunterricht spricht der Berfasser/7 von einer „umfassenden" religiösen Belehrung 7 der Erwachsenen durch die Predigt. Glaubt der Herr ' . Verfasser damit der Welt Sand in die Augen streuen - zu tonnen? Wo umfassende Thätigkeit solcher hervor- - 'ragend. tüchtiger Männer herrscht, müssen doch Erfolge " vorhanden sein! Man trete in irgend eine Schule der ' '• . i b eralen Herren Konferenz- und Bezirksrab- ' bitter und frage nach, welchen Umfang das Werkverbot für den:Sabbat. hat? Das Gesicht, das die Jungen machen werden, wird den „umfassend" ertheilten Religionsunterricht beweisen. .Ueber die Behauptung um- ' fassender.Belehrung der Erwachsenen durch die Predigt braucht' man wirklich nicht zu reden. Oder ist es vielleicht religiöse Belehrung, wenn badische Konferenz- - rabbinerdie Kanzel dazu benützen, um die Männer, deren Gewissen sie zu dem Versuch e-iner Sammlung der religiös d e n k e n den, Ele m en t e g e t ri e b e n , z ur Herbeiführung einer Besserung des ' heil l o s d a r n ieder liege n d e n re li giö - sen Lebens veranlässt hat-, in - den S t a'U-ü z u z i e h e.n? Ist es relig. Belehrung, wenn - &ab; Rabbiner-die Kanzel dazu wählen, um Zweifel in '7 die Seelen einfacher jüdischer Männer zu säen, dass sie! irre werden müssen an ihrem Gotte.und.Seiner Lehre. - Ein-. noch nicht lange verstorbener badischer Bezirks- '. - und- Konferenzrabbiner hat sich: nicht, gescheut. öffent- :1ich seinrm- Bezirke.lund zuthün,. daß.der zweite Feier- ' -lag abgeschasst'werden soll und das Werkverbot' andie- ' - fern nicht verbindlichist; Dass der-Gebrauch, am Pessach sich des'GenuffeS der. Hülsenfrüchte' mit.Einschluss von. Reis und Hirse zu enthalten, g a n z u n b e g rundet ist? Wir fragen, isi.es religiöse Belehrung, wenn ein badischer Bezirks- und Konserenzrabbiner Theile unserer heiligen, sturmerprobten Tefillo ohne Weiteres für unnöthig bezeichnet, da sie der wahren Gesinnung des Betenden doch nicht entsprächen und dadurch die ganze. Tefillo als vogelfrei erklärt.^);; „Niemals haben wir gehört, dass der Oberrath einen der orthodoxen Richtung angehorenden Lehrer in der Vethätigung seiner Ueberzeugung beschrankt-oder . zurückgesetzt habe," sagt der Verfasser. - Wortklauberei ist nicht unsere Sache. Wir stellen ' nur folgende Frage: Ist es keine Kränkung eines Lehrers, wenn er zusehen niuß^ wie bei der Schulprüfung der Herr Rabbiner die heiligsten Worte unbedeckten Hauptes ausspricht, während er, der Lehrer, das ganze Jahr hindurch die Kinder lehrt und warnt, die heilige Sprache, insbesondere da, wo Gebete und Worte der heiligen Schrift in Betracht kommen,- nie unbedeckten Hauptes zu gebrauchen. Gänzlich unverständlich oder aber geradezu bösartig und verletzend ist der Versuch, die Stadtgemeindcn gegen die Landgemeinden aufzuhetzen. Oder will man die Bewohner der kleinen Gemeinden warnen, dem bösen Verein beizutreten, weis sonst der Zuschuß der Zentralkasse wegfallen könnte? Damit kann der Verfasser nicht weit, springen! Wie hoch er zwar die Leser seines Artikels einschätzt in geistiger Beziehung, das 'kann man aus diesen Ausführungen Entnehmen. Ist vielleicht irgend ein Zweig der Wohlthätigkeit,. wie Waisenverein, Friedrichsheim für Kranke und Sieche etc. etc. kn's Leben gerufen worden nur für das Land und nur von den Groschen der Stadtbevölkerung? Haben nicht alle gemeinsam mitgewirkt, oder sind vielleicht die Gelder jener edlen Wohlthäter zurückgewiesen worden, deren Wohnsitz weit entfernt von der oberräthlichen Machtsphäre liegt? Damit komme man nicht im ernsten Rathe von Männern. Dazu paßt die süßliche Mahnung zur Eintracht und Verträglichkeit von Herzen schlecht. Wer mit solchen Argumenten in die Arena herabsteigt, muß sich auf den schärfsten Widerstand gefaßt machen, am besten aber ist es, er gibt den Kampf auf. Wir geben zu, daß es unangenehm und ungewohnt zugleich ist, die Meinung gehörig gesagt zu bekommen, zumal, wenn sie begründet und *) S?gl. die Predigt: ..Zur Grbetbuchfrage". aebalten. am ersten Tage des Laubbüttenfritrs 5M4 in der Hauvrsynagoge zu Mannheim von Tr. M« Steckelm a cd er. Stadt- und Konferenzrabbiuer. abaedrnckt in Nummer 46von Klausner'«.Jsr.Wochenschrift." Jn dieier Predigt wird an Sand der Brba Minim (-) Itcuiic)rn und zwar 1) ans dem Esrog. das die Bitte um Wiede,r» Herstellung der Korbonans heutzutage Lberilüsng geiootden ° ist. 2) aus dem Lule.f. das die Bitte'um Moschiach nickt mehr zeit» P.pin«b\ M aus der Havana, daß das Gebet *25 »rvt »2:*» in ä?:vn p*0’7 ^V.n ssin rnngewaudelt ' werden ,mrrtz. .4) aus der Arowoh. das nmh eine groste Anzahl weiterer Gebete wie. der -;t '.r oor dem Lmamrblasen dem vberrardlichen Rotbitikt weichen : must. Doch ein iüster Trost ist uns geblieben.^ wenn auchdie Korbonans zuin „Ovfer" fallen, wenn auch der Moschiach nicht über die rotbgelbe Grenze darf., die vier „Minim" - sind' gerettet, die wird.man. m Baden imipcc für das neue Gebetbuch brauchen. ' ' - - ,1 ■