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Der Israelit · 1903-11-16 · Heft 91 (16.11.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 91 (16.11.1903)
Date
1903-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. Jahrgang. M 91, für das orthodöLk Begründet von Lii FÄLWz. 2 6. Cheschwaü 5064, 16. Novemher 1963. Badisches. Line Antwort *) Das „Hamburger Familienblatt" läßt sich von „hochgeschätzter Seite" dazu gebrauchen, die Öffentlichkeit über den Aufruf des „Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judenthums in Baden" zu unterrichten in einer Weise, die.nicht..unwider-. sprochen bleiben darf. ' - - - „Wenig bekannte Persönlichkeiten" nennt der Ver- 'fasser des Hamburger Artikels die Unterzeichner des Aufrufs, und mit Recht. Sie haben nicht das Vedürfniß, von sich reden zu machen, und wenn die Verhältnisse sie nicht dazu gezwungen hätten, wären sie sicher gerne im Hintergrund geblieben. Aber der Ehre des Mannes entspricht es, mit dem Namen seine Behauptungen zu vertreten, und daraus soll man diesen Männern keinen Vorwurf machen. Nun zur Sache selbst: Der „unbefangene" Artikelschreiber fragt, ,wie es möglich ist, daß die Organe der badischen Judenheit nur äußerlich verwalten und für das religiöse Leben nichts thun? Diese Frage könnte sich der Artikelschreiber auf Grund seiner besonderen Kenntnisse und Erfahrungen am besten selbst beantworten. Oder glaubt derselbe, daß jene Synagogenräthe, die öffentlich den Sabbat entweihen, daß diejenigen sog. Bezirksältesten, die mit dem Judenthum nur noch durch die Abstammung verbunden sind, außer ihrer dienstlichen Schreibarbeit auch für triebkräftiges religiöses Leben in den Gemeinden und Bezirken sorgen wollen oder können? Und solche Vczirksälteste muß sich ein Bezirk gefallen lassen bis an deren seliges Ende. Dabei soll aber keineswegs ver- -k Verständnis des vorstehenden Artikels oeröffentlichen wir an anderer Stelle dre Bekanntmachung deL Gr. ~ '■ Red. d. Zsr." *) Zum besseren 3 . ulichen wir an onu». oad. Overraths der Israeliten. schwiegen werden, daß es noch iin badischen Lande unter der segensreichen Fürsorge des Oberrathes Bezirksvlteste und Synagogenräthe gibt, die sich nicht damit zufrieden geben, das übergroße Maß von Schreiberei zur Zufriedenheit der Behörden zu besorgen, sondern denen auch die Förderung bet flenn.tniß unserer heiligen Religion und der Aus - Übung ihrer G ebote sehr am Herzen liegt, nicht wegen, sondern trotz der berühmten oberräthlichen Fürsorge. Aber diese sind zu zählen. '' .. Es sind übrigens unter den Unterzeichnern des Ausrufes des neuen Vereins und unter seinen ^Mitgliedern Gemeindevorsteher und Mitglieder der Synode, ein Umstand, der den Karlsruher Herren besonders unbequem zu sein scheint. - Wie kommen wir aber überhaupt zu der Erörterung über die Bezirksältesten und Synagogenräthe? Soll diesen Herren das Rückgrat gestärkt werden, daß sie nicht in das Lager der „Schwarzen" fallen? Soll die Front des Schlachtfeldes verändert werden? Eine alte Taktik, die heute nicht mehr wirkt! Richtig vermuthet der Verfasser, daß sich die Angriffe hauptsächlich gegen jene Rabbiner und gegen jene Lehrer richten, die. trotz ihres hohen und heiligen Berufes nichts gethan haben, um dem Verfall des religiösen Lebens, der Unwissenheit in Bezug auf die einfachsten Dinge zielbewußt, begeistert und begeisternd entgegenzutreten. Der Verfasser führt zum Beweise an, daß in Baden noch religiöses Leben vorhanden ist: „die Gehaltsaufbesserung der Rabbiner und ihre meist lebenslängliche Anstellung, ihre Unabhängigkeit gegenüber. den Gemeindevorständen, die Alters- und Hinterbliebenenversorgung der Rabbiner und Lehrer etc. Wir fragen: Sind das religiöse oder sind das - höchst weltliche Dinge, deren Mangel wohl recht fühlbar sein kann, deren Vorhandensein aber doch den Mangel an kräftigem, religiösen Leben keineswegs beseitigt.

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