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Der Israelit · 1903-09-21 · Heft 75-76 (21.9.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 75-76 (21.9.1903)
Date
1903-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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einrückt. Eines der Hauptwerke Rosegger's das man als seine religiöse Beichte bezeichnen , könnte, führt den Titel: Mein Himmelreichs (Leipzig. 1901). Der Dichter schwingt hier die Geißel der Saiyre über diejenigen, welche die Religion nur im Munde, nicht aber im Herzen führen. Nicht minder geißelt er den Rassenhaß in folgenden Worten: „Lasse dir eins noch sagen. Meine Familie kennt meine Grundsätze ich legte sse ihr in Sanfmuth und Herzlichkeit jeden Tag vor Augen, ich handelte danach. Ich sagte einmal: Wenn ich sehe, wie fremdstämmige Kinder in der Schule von ihren Genossen, im Freien von Gassenbuben und anderen behandelt werden, so will mir das Herz brechen, weil ich - dabei an euch denke, an euch, meine Kinder, und wenn es euch so erginge, unschuldig, seines Stammes wegen, soviel zu leiden, bis das im Stillen weinende Herz verhärtet und verbittert, für alle harmlose Lebens-, freude verdorben ist! Wenn ich so menschlich von Menschen rede, da starren mich meine eigenen Kinder verblüfft an, als ob es eine fremde Sprache wäre, die uns nichts angingen' Oder sie widersprechen mir dreist und stimmen ein in den Ton des Pöbels, der heute zum guten Ton gehört. Vor einiger Zeit ging ich mit meinem siebzehnjährigen Neffen spazieren. Der Jüngling ist gebildet worden in der klassischen Schule des Humanismus, er ist von einer gemüthlich heiteren Lebensauffassung, freundlich, von guter, geselliger Art und hat einen Hellen Köpf wie ein warmes Herz schon bewiesen. Bei diesem Spaziergange nun auf belebtem Corso kommt auch ein alter Mann des Weges, anscheinend vom Stamme Israel. Bescheiden und höflich sucht er stets auszuweichen, streift aber im Gedränge zufällig ein bischen an die Achsel meines Neffen.- Dieser bleibt rasch stehen, blickt dem Greise mit wüthendem Blick nach und ruft ganz laut: S . . . jud! Die Leute lachen, keiner ist da, der dem Jungen die verdiente Ohrfeige ertheilt. und ich bin starr vor Entsetzen. Später von mir zur Rechenschaft gestellt, sagte der Bursche, man müsse den Juden überall handgreiflich zeigen, daß sie uns zuwider sind, ihnen den Aufenthalt bei uns verleiden, so lange, bis sie davonziehen. Alle, die es hörten, stimmten ihm lebhaft bei. Ich glaubte, vor Scham versinken zu müssen über solche Gassenviibereien unserer Jugend." („Mein Himmelreich", Seite 390 f.) Kurz zuvor (Seite 389) bemerkt Rosegger: „Was wir da täglich vor Augen haben, das ist kein politischer Kampf mehr, das ist ein wahnsinniges Hetzen und Wuthschnauben gegen Personen, gegen Menschen. Lüge und Verleumdung sind die allergewohnlichsten Waffen, man macht auch schon Miene, zur Brandfackel, zum Schlachtbeil zu greisen. Und das ist in einem Kulturstaate, der das Recht und lden^S.chgtz, der..Person, unter allen Umständen ver- - büraen"will'mnd-i)afiiö Geld-,' Kraft-, und Blutsteuer. emhebt. . . ‘ r |*5.. Schweiz. Basel. (Die Dividende der Kolonial b a n k.) Die Generalversammlung der zionistischen Kolonialbank hat die Verkeilung einer Dividende von 2 pCt. beschlossen. Gleichzeitig beschloß das Aktionskomitee, den Aktionären den Verzicht auf die Dividende zu Gunsten einer Verwendung für Ausrüstung von Expeditionen nach Ostafrika und Palästina zu empfehlen. Aus den Verhandlungen der Generalversammlung ist die Mittheilung bemerkenswerth, daß die Aktien der Kolonialbank zu 30 pCt. des Nominalwerths angeboten werden und sogar Käufer finden. Feuilleton. Mi %m tsb Hum Heller. 4 Von Heinrich Lebernrarm. in. Unsere heilige Litteratur besitzt ein kleines, wenige Octavseiten umfassendes Schriftchen von Rabbenu Ascher (Rosch two), das den Titel „Qrchos Chajim", „Wege des Lebens" führt. Das Buch enthält kurz gefaßte Lebensregeln unserer Weisen, von welcher jede einzelne die veredelte, geläuterte Welt- und Lebensanschauung unserer großen Altvorderen in ihrer wunderbaren Eigenart zu ergreifendem Ausdruck bringt. Dieses Schriftchen hatte Rabbi Jomtob Lipmann Heller, noch als er in Wien war, der Zahl der Wochentage entsprechend in sieben Theile getheilt. Jeden Morgen beim Frühgebet (vor Boruch scheomar) trug er einen Theil dieser Perlen echt jüdischer Weisheit und Sittlichkeit vor, und machte damit diese erhabenen Wahrheiten zum Gemeingut seiner ganzen Gemeinde. Dasselbe setzte er auch in Prag fort. Am frühen Morgen nach den Einführungsfestlichkeiten des gestrigen Tages war dies gewissermaßen die erste Amtshandlung des neuen Rabbiners. .Während in jener Zeit die Rabbiner nur zweimal im Jahre eine Predigt hielten, am Sabbat vor dem Pesachfeste und am Sabbat vor dem Versöhnungstage, sprach auf diese Weise Rabbi Lipmann jeden Tag zu seiner Gemeinde. Freilich war es keine Predigt nach modernem Schnitt, auch kein Lehrvortrag (Droscho) alten Schlags, es war etwas ganz Eigenartiges, wie die Eigenart des Schriftchens, das er in Händen hielt.und wie es die Eigenart des Vortragenden war, welcher das Schriftchen übersetzte und erklärte. Der Vortragende erhob auch keinen Anspruch darauf durch Reichthum des Geistes und Wissens zu glänzen,'.: er bot gar nichts Eigenes und c WgiuMZ; sondern 'tpug nur-die-schlichten. Sätze des

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