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Der Israelit · 1903-09-21 · Heft 75-76 (21.9.1903) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 75-76 (21.9.1903)
Date
1903-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ist das Verständigste, was er unter den heutigen Umstanden Lhun kann. Leipzig. (Mommsen über die russischen Juden.) Das soeben in deutscher Uebersetzung im Verlag von Schulze & Cie. (Leipzig) erschienene Werk des Proseffors an der Brüsteler Universität, Leo Errera „Die ruffischen Juden, Vernichtung oder Befreiung," wird mit einem Brief von Theodor Mommscn eingeleitet. Der Brief lautet: „Mein Herr! Sie hatten die Güte, mir Ihr Buch über die gegenwärtige Lage der Juden in Rußland zu unterbreiten. Das erschütternde, leider auf nur Zu wahre Thatsachen begründete Bild, das Sie von der Lage entwerfen, wird nicht verfehlen, viele Herzen zu rühren und ihnen den Abgrund zu enthüllen, von dem zugleich gesunder Menschenverstand und Menschlichkeit verschlungen zu werden scheinen. Werden sich aber unter den von Ihnen gerührten Herzen solche finden, die fähig sind, dieser schändlichen Geißel abzuhelfen und den dunkelsten Flecken unseres Jahrhunderts nicht allein zu beklagen, sondern auch auszutöschen? Wird der Verfall unserer so sehr gerühmten Cioilisation, wird der Selbstmord Rußlands auszuhalten sein? Wir wollen es hoffen. Es ist Pflicht, nicht an der armen Menschheit zu verzweifele Aber diese Pflicht wird immer schwieriger. Der Fanatismus ist unverbesserlich. Es bleibt uns nur der Wunsch übrig, daß die Staatsmänner eines so großen Reiches und ein Monarch, Schiedsrichter von Europa, nicht länger die Verblendung eines wrcdererstandenen Torquemada ertragen. Rom, 4. Rov. 1893. Deutsches archäologisches Institut auf Campidoglio, M o m m s e n." Prof. Errera tritt in seinem mit Materialien reich versehenen Buch für die Gleichstellung der Juden in Rußland ein. Leipzig. Einen Streitapfel in Gestalt der Judensrage wirst Eugen Richter in die nationalsozialfreisinnige Verbrüderung. Ein antisemitisches Element ist mit den Raumänncrn in die freisinnige Vereinigung hineingekommen, bemerkt höhnisch die „Freisinnige Zeitung", um dann mit großem Wohlgefallen die antisemitische Färbung der Naumänner an der Hand von Citaten aus dem nationalsozialen Katechismus nachzuweisen. Es sind hiernach wirklich waschechte Antisemiten, die Herr Barth verdauen soll, der doch bekanntlich jüngst an Stelle Rickerts Vorsitzender des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" geworden ist. Breslau, 17. Sept. (Die Ein stellung jüdischer Rekruten und das Versöhnung s fe st.) Die Einstellung der Rekruten findet in diesem Jahre bekanntlich am 1. Oktober statt. Aus diesen Tag fällt auch das jüdische Versöhnungsfest. Aus diesem Grunde hatte der Oberrabbiner für Schleswig-Holstein, Dr. L e r n e r, an den Kommandirenden General des 9. Armeekorps, General der Kavallerie von Massow in Altona, das schriftliche Ersuchen gerichtet, die jüdischen Rekruten in diesem Jahre ausnahmsweise einen Tag vor oder einen Tag nach dem 1. Oktober einzustellen. Hierauf ist jetzt von dem Kommandirenden General ein Bescheid ergangen, aus welchem eine Korrespondenz folgende Stellen hervorhebt: ,... Gleichzeitig ist angeordnet worden, daß die Einstellung der Einj.-Freiw., sowie etwaiger Rekruten mos. Konfession, in die dem Armeekorps zugehörigen Truppentheile am 1. Oktober.1903 zu unterbleiben hat, dagegen muß das Generalkommando bedauern, eine Gestellung derartiger Rekruten, die für fremde Armeekorps bestimmt sind, mit Rücksicht auf d»e Rekrutentransporte und den gegebenenfalls nothwendig werdenden großen Schriftwechsel mit den verschiedenen Armeekorps am 1. Oktober 1903 nicht vermeiden zu können." Zwingenberg, 14. Sept. In Folge des im vorigen Jahre am entstandenen Brandes in unserer Synagoge, einem alten Bau, wurde allenthalben der Wunsch rege, ein neues Gotteshaus mit LehrerwohNung zu bauen. Den eifrigen Bemühungen des ersten Vorstehers und seiner Kollegen und einiger Gemeindemitglieder,. gelang es nach ganz kurzer Zeit, durch verschiedene freiwillige Spendm. wobei auch 400 Mark der hiesigen politischen Gemeinde, und Verwerthung des alten Gemeindehauses, über ein Baarvermögen von ca..i2,000 Mk. zu verfügen, und sofort wurde mit dem Neubau begonnen, wobei besonders Herr Dav. Wachenheimer in jeder Art und während der ganzen Bauzeit eine rege Thätigkeit entfaltete und tagtäglich zur Stelle war. Rach einer Zeit von nur 107 Arbeitstagen war der Bau, der den gröten Ansprüchen genügt, fertiggestellt, und konnte derselbe am 11. d. Mts. eingeweiht werden. Herr Landesrabbiner Dr. Marx wohnte der Einweihung bei. Am Festzuge betheiligte sich der Ortsvorstand, die Kirchenbehörde, Gerichtsherren und viele andere Bürger der Stadt. Geh. Negierungsrath Gros ans Pensbeim, der seinen Besuch zugesagt hatte, war, wie er durch Eilbrief kurz vor 2 Uhr mittheilte, durch Unwohlsein verhindert, zu erscheinen. Herr Rabb. Dr. M a r x setzte in einer schönen, weihevollen Rede auseinander, was uns das Gotteshaus ist und was es uns sein soll. Oesterreich. Wien. (Rosegger über Rassenhaß.) Der vielgcfeierte Dichter, P e t e r R o s e g g e r, beging am 31. Juli unter begeisterter Theilnahme der Gemeinde seiner Verehrer die Feier seines sechzigsten Geburtstages. Auch wir Juden haben allen Grund, uns des Dichters an diesem Tage freundlich zu . erinnern. Denn wir sind ihm aufrichtigen Dank schuldig für die vielen Beweise vorurtheilsloser, echt menschlicher Gesinnung, die er in seinen zahlreichen Werken zum Ausdruck brachte und durch die er in die Reihe der den modernen Rassenhaß vcrurtheilenden Geisteshelden

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