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Der Israelit · 1903-09-21 · Heft 75-76 (21.9.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 75-76 (21.9.1903)
Date
1903-09-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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j&Ms2b.ceä*tj awgjrgS j \ ö- ' ' - " ’ ' 1665 ■■' :;‘t- ' •■ - ' Verkehr2b, 2^2 getheilten Herzens sein und verurtheilt jede Heuchelei und Unaufrichtigkeit als bw: ns eine Schändung des Mundes. Derselben Unehrlichkeit begegnen wir auch auf religiösem Gebiete: Wie viele gibt es unter uns, die begeistert sind für ihr Judenthum, die tief durchdrungen sind von der erhabenen Wahrheit unserer Lehre, und dennoch mißachten sie ihre Gebote und setzen sich leichten Herzens hinweg über ihre vitalsten Satzungen. Ist das kein Widerspruch?! Da gibt es in unserer Mitte eine Partei, die für Zion schwärmt, die stolz ist aus ihr Ierusalem. die ihre jüdische Nationalität selbstbewußt hervorkehrt, aber die 2 e h r e, die von Zion ausgeht und das Wort des Herrn, das von Jerusalem herstammt, befolgen so viele dieser Leute nicht und von Ceremonial- und Ritualgesetz, das uns als Juden von Gott gegeben wurde, und das uns zu Juden macht, wollen sie nichts wissen. Gibt es einen größeren Gegensatz als diesen? Und auch das Leben der Völker ist voll Widerspruche. Wir sehen, alle Völker und Nationen, alle Herrscher und Monarchen betonen so oft ihre Friedensliebe, und was sehen wir in Wirklichkeit? Alle europäischen Mächte stehen einander gegenüber bis zu den Zähnen bewaffnet und drohen sich gegenseitig anzufallen und zu zerfleischen. Der mächtigste Herrscher unseres Erdtheils gibt die erste welterlösende Anregung zum Völkerfrieden und sein Heer geht täglich auf Eroberung fremder Länder aus. und unter seinen Augen werden auf Befehl seiner Beamten seine Unterthanen unbarmherzig niedergemetzelt. Welche Heuchelei! Die heutige Zeit wird gepriesen als das Zeitalter des Fortschrittes, der Aufklärung, der Civilisation, der Eultur, der Humanität, der Menschenliebe und Gott weiß, was sonst. Der Gegensatz ist — Kischinew, Zabl 0 t 0 w, Könitz u. a. So ist das Leben des Einzelnen wie der Gesammtheit voll Widerspruch, Schein, Heuchelei, Lug und Selbstbetrug. Wenn wir daher in dieser heiligen Zeit um Leben zu unserem himmlischen Vater beten, so beten wir nicht um ein vergängliches Leben, sondern um die Ewigkeit, um ein "NN *n; nicht um ein veränderliches Dasein, das den Launen des - Zufalls preisgegeben ist, sondern das fest und sicher unter der Leitung der Gottesgebote das Höchste an- : strebt, und schließlich, nicht um ein Leben voll der r Widersprüche flehen wir, sondern das ein S _ mit sich selbst ist in Wort, Gesinnung und Thal, ehrlich und aufrichtig, wahr und gerecht. Die Hauptsache ist, das was wir im Leben leisten, daß jeder unserer .t Lebenslage einen Inhalt habe. Der Midrasch sagt: „Es gibt Menschen^. die alt werden, . aber ohnL g'VV . . 7 . : ■ , Tage sind, andere wieder haben viele Tage ohne alt zu sein, Abraham aber hatte viele Tage und wurde alt. /iJpT2 U'rn oD'2^,2'0'2 U'w wnp ms ib vr (td) v'L'2 82 fpr oni2K!?2k das heißt: Manche werden alt, aber ihre Lebenstage waren ohne Inhalt, manche wieder sind noch jung, haben aber viel rata öt?oi geübt, Abraham jedoch wurde Beides zu Theil: Langes Leben, das reich an edlen Werken war. Ein solches Leben lasset uns als jüdische Menschen in den Teschubatagen von Gott erflehen und ein solches Leben der wahren Glückseligkeit möge allen Kindern Seines Bundes zu theil werden 21 n2 ■jr.m ')2 bv ö’2iö D»rfr ZeiLrmgSKaHriHLsK rms GsrsesporrdEZM. Deutschland.. Berlin, 16. Sept. (Zur Frage des Ritualmordes.) Die Frage des Ritualmordes beschäftigte gestern wieder einmal die 3. Strafkammer des Landgerichts 1 unter Vorsitz des Landg.-Direktor Leuschner. Wegen Beschimpfung der jüdischen Religion hatten sich der Schriftsteller Paul Koch und der Rechtsanwalt Ed. Jüngst zu veranwörten. Unter Anklage stand eine vom ersten Angeklagten verfaßte Broschüre „Der Ritualmord, eine Forderung des alten Testaments". In dieser Broschüre wird der Nachweis versucht, daß auch die heutigen Juden den Nitualmord noch als Gebot ihrer Religion anerkennen müssen. Eine Anzahl Exemplare der Broschüre war an die Geschäftsstelle der „Deutschen Hochwacht G. m. b. H." gegangen und von dieser verbreitet worden. Geschäftsführer der „Deutschen Hochwacht" war s. Z. der Angeklagte, Rechtsanwalt Jüngst. Er hatte bei seinen ersten polizeilichen und gerichtlichen Vernehmungen ohne weiteres zugegeben, daß er für die Verbreitung der seinen eigenen Anschauungen durchaus entsprechenden Broschüre durch die „Deutsche Hochwacht" veranwortlich sei. Im gestrigen Termin erklärte er, er habe sich inzwischen überzeugt, daß er diese Verantwortlichkeit zu Unrecht übernommen habe, denn es sei festgestellt, daß er zu der fraglichen Zeit gar nicht in Berlin, sondern längere Zeit auf Reisen war. Vor Eintritt in die Verhandlung stellte der Angeklagte Koch einen Antrag auf Ablehnung des gesammten Gerichtshofes und Vernehmung der fünf. Richter darüber, ob von irgend einer Seite der Versuch gemacht worden ist, auf sie einzuwirken. Er begründete dies dahin, daß die Negierung jetzt Abrechnung mit den Antisemiten halten wolle und die Vermuthung nahe liege, daß sie nach einer bestimmten Richtung hin ..auf die Richter in Berlin einzuwiMn.^nMyehme.' Daß; - ’ ' r

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