Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1903)
- Date
- 1903-09-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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44. Jahrgang. Aeilage zu Jfs 74 des „Israelis. •11 n b | n {a n r (Rofch-haschonoh-Vision.) .hat die Menschheit endlich aufgehört. sich selbst zu belügen, und nichts wissen will sie von neuen Triumphen der Wissenschaft, will nicht länger erklimmen höhere Staffeln der Kultur, will nicht länger ein Dasein führen ohne Zweck, ein Leben ohne Ziel; sie hat's erkannt, daß «Besitz" und „Genuß" keine Ziele sind, denn ihr Besitz schaffte ihnen keine Freude, ihr Genuß kein Glück. Und es kann nicht Besitz und Genuß. und Macht und Reichthum das sein, was Menschen, den Lebenszweck gibt, denn unzählig viele dieser Menschen sind schwach und arm und besitzlos, und genußunfäbig, und es mag der eine nicht darben während der andere schwelgt, und während der Lüstling im Schlamme seiner Genüsse sich wälzt, will nicht mit dein Hungertode kämpfen und mit dem eigenen Blute jenem den Genuß ermöglichen eine Menschenschaar, die selbst nicht die Mittel zum Leben hat.._. Und also erlannte es die Menschheit, daß ihr bisheriger Weg ein falscher, ihre bisherigen Ziele die Heilesziele — mit Nichten seien. Wo aber ist der richtige Weg? Wo das wahre Ziel? Und da sehen sie mit erstauntem Blick ein Volk unter den Völkern, ein Volk ohne Land, das Glend erduldete ohnegleichen, das der Paria aller Nationen, das gedruckt und gepreßt wurde zu allen Zeiten, in allen Ländern, und dieses Volk — hat das Glück, hat die Heiterkeit, hat den Lebensmuth. hat die Lebensfreude, hat nichts, was die anderen ja haben, hat aber alles, was die anderen so schmerzlich ersehnen. Und die Völker eilen hin zu jenem Volk und bitten ihm das tausendjährige Unrecht ab, das sie an ihm geübt, und bitten es, Böses mit Gutem zu vergelten und sie einzuweihen in das Geheimniß, das ihnen das Glück und das Leben erhalten, als sich eine ganze Welt gegen sie verbündet hatte, ihnen beides zu rauben. Und nun lernen's alle Völker, sehen's ein alle Nationen, und sie werfen weit von sich die Götzen von Silber und Gold, und kennen kein Streben, als die freudige Huldigung und Weihe ihres Lebens an Gott, den Menschenschöpfer und dem alleinigen Gesetzgeber und Setzer der Ziele für die Menschheit. — ... Noch ist die Zeit nicht dch noch sind Licht und Nebel ungeschieden auf Erden, noch sind verschleiert der wahren Erkenntniß die Augen der Menschen. Wenn aber gekommen die Zeit, wenn das Licht siegreich den Nebel durchbrochen, wenn der Schleier von aller! Augen gefallen, dann werden die treuen, achten, wahren j Söhne jenes Erlöser-Volkes von sich sagen dürfen, sie haben schon in jener Nachtzeit, zu dem Lenker der Menschengeister und Menschenherzen gefleht: „Und somit gib Deine Furcht, Gott, unser Gott, über alle Deine Gebilde und Dein Schrecken über alles, was Du geschaffen, daß alle Deine Gebilde Dich fürchten und alle Geschaffenen vor Dir sich niederwerfen, und sie alle zu einem Bunde sich gestalten, Deinen Willen mit ganzem Herzen zu erfüllen." ZerLttttgsttachrichtett tiwö Sorrespondeirzen. Deutschland. Frankfurt a. M. In dem Artikel „Ein Amtsjubiläum" in Nr. 77 Ihres gesch. Bl., war unter den Familien, die beiden hies. Gemeinden angehören, auch der Name Posen genannt. Ich gestatte mir, darauf hinznweisen, daß hier zwei Familien dieses Nomens existiren, von denen die eine, Herr Rabbinatsassessor Gerson Posen und dessen Brüder, die Inhaber der bekannten Firma Lazarus Posen Wwe., ausschließlich der israelitischen Religionsgesellschaft angehören. Berlin. Ein Prozeß zwischen dem Fiskus und der Berliner jüdischen Gemeinde ist zu Ungunlien dieser ausgefallen. Die „Voss. Ztg." schreibt darüber: Es handelt sich um ein Legat, das der in der Vertoaliiing der Gemeinde stehenden Troppau-Stiftung zugefallen war, für das der Fiskus 331 Mk. Stempelsteuer verlangte. Die jüdische Gemeinde verweigerte die Zahlung und stützte sich hierbei auf die Bestimmung, daß alle deutschen Kirchen und anderen deutschen Religionsgesellschaften gemachten Zuwendung steuerfrei bleiben sollen. Gegen das Erbschäftssteueramt wurde Klage angestrengt. Das Gericht erkannte, in Uebereinstimmung mit einem Neichsgerichtsurtheil, daß nur solche Zuwendungen an Religionsgesellschaften stempelsteuerfrei seien, die innerhalb ihres eigentlichen Wirkungskreises liegen. Da die genannte Stiftung nur den Zweck hat, jüdischen Mädchen eine Veihülfe zur Aussteuer zu gewähren, dies aber nicht gut zu den Aufgaben einer Neligionsgesellschaft gerechnet werden kann, ist die Steuerforderung des Fiskus berechtigt. Der Gemeindevorstand beschloß in ^Anbetracht der Geringsügigleit der Summe, von einer Berufung abzusehen. Berlin, 14. Scpt. Vom „Hilfsverein der deutschen Juden" und dem jüdischen U. O. V. B.-Zweigkomitee des -deutschen National-Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels wird, wie wir erfahren, für den 1-1. und 16. September ein Kongreß nach Lemberg einberufen, zu welchem Einladungen an alle