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Der Israelit · 1903-09-17 · Heft 74 (17.9.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 74 (17.9.1903)
Date
1903-09-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Eine Deputation, bestehend aus den Mitgliedern des Lemberger israelitischen Kultusgemeindevorstandes und des Rabbinats, unter Führung des Präsidenten dieser Kultusaemeinde, Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk, wurde vom Kaiser empfangen. Der Präsident stellte die Deputationsmitglieder vor und richtete nachstehende Ansprache an den Kaiser: „Wir begrüßen Eure Majestät in aller Ehrfurcht und Ergebung. Wir huldigen Eurer Majestät als unserem geliebten Kaiser nicht bloß im Namen unserer Gemeinde, sondern auch im Namen der zahlreichen jüdischen Bevölkerung unseres Landes, welche erfüllt ist von unwandelbarer Treue, Hingebung und Opferwilligkeit für die geheiligte Person Eurer Majestät und für das Allerhöchste Kaiserhaus. Unauslöschlich lebt in unseren Herzen das Gefühl heißer und ewiger Dankbarkeit dafür, daß wir unter der glorreichen Herrschaft Eurer Majestät die bürgerliche Gleichstellung im Staate durch Eurer Majestät Weisheit und Gerechtigkeit erhielten, und daß wir allzeit den väterlichen Schuh Eurer Majestät genießen. Wir rufen daher aus der Tiefe unserer Seele: „Gott erhalte, Gott beschütze, Gott segne Eure Majestät!" Der Kaiser dankte in herzlichen Worten und betonte, daß die Treue der jüdischen Bevölkerung eine bewährte ist, auf die er auch stets rechne. Der Kaiser erkundigte sich über die Verhältnisse der Kultusgemeinde und bemerkte bei der Vorstellung der Gemeinderabbiner, daß dieselben gewiß über ihn den üblichen rituellen Segen sprechen wollen. Der Präsident Dr. Byk meinte entschuldigend, daß wegen der Kürze der Zeit dieser Segensspruch in das offizielle Programm nicht ausgenommen wurde: doch der Kaiser nickte zustimmend dem Rabbiner. Dieser und sämmtliche Mitglieder der Deputation bedeckten ihr Haupt und der Rabbiner sprach den rituellen Segensspruch in deutscher und hebräischer Sprache. Der Kaiser sprach noch einige Mitglieder des Vorstandes an und entließ die Deputation huldvollst. Gegenüber dem Statthalter Potocki sprach der Kaiser den Wunsch nach einer strengen Untersuchung der antisemitischen Ercesse in Zablotow aus. Italien. Nom. Der italienische Kriegsminister, General Ottolenghi. hat an den Verlangsbuchhändler I. B. Brandeis in Prag, der in seinem Kalender Bild und Biographie Ottolenghis veröffentlicht, ein Schreiben gerichtet, dessen Inhalt es verdient, von den maßgebenden Persönlichkeiten der Armee in manchem seiner Krlltur sich rühmenden Staate gewürdigt und von so vielen Juden, welche, sei es um Karriere zu machen, sei es aus materiellen oder gesellschaftlichen Gründen einen Glaubenswechsel an sich vollzogen haben oder zum mindesten sich ihres Judenthums schämen, beherzigt zu werden. Das Schreiben lautet in wortgetreuer Uebersetzung: „Mein geehrter und wohlgeborener Herr! Ich erhielt das splendid gebundene Exemplar Ihres geschätzten Jahrbuches, in welchem ich, recht angenehm überrascht, mein Bildniß mit einer mich betreffenden sehr schmeichelhaften Lebensskizze vorfand. Von dem außerordentlichen Wohlwollen gegen mich absehend, beglückwünsche ich Sie von Herzen, daß Sie durch ihre unverdrossene Werkthätigkeit die Ehre des Judenthums gegen die unglücklichen Ideen des leider noch in vielen Ländern allzusehr herrschenden Vorurtheils Hochhalten. Was mich persönlich betrifft, kann ich keine Worte finden, die geeignet wären, Ihnen meine innigste Dankbarkeit auszusprechen, die ich Ihnen für so diel Güte und Liebenswürdigkeit schulde; Sie hoben meine Verdienste und Eigenschaften, deren ich mir nicht bewußt bin, allzusehr hervor. Ich bin stolz darauf, dgrgethan zu haben, wie man bei uns in der Armee zu den höchsten Würden gelangen und auch — zum erstenmal — die höchste Stufe eines Kriegsministers erreichen kann, ohne den Glauben seiner Ahnen verheimlichen oder verleugnen zu müssen. Gen. G. Q t t o l e n g h i." Feuilleton. MM Dz?tiiö SiDüiiiii Wer. 31 Von Heinrich Lebermann. X „Wollt Ihr wirklich morgen schon wieder nach Wien zurück, Reb Koppel?" fragte Beck seinen Gast. „Allerdings. Ihr wißt ja. daß unsere Angelegenheiten meine Anwesenheit in Wien nothwendig machen und daß jede Verzögerung einen großen Schaden unter Umständen zur Folge haben kann." „Habt Ihr bereits die Stimmung unseres neuen Oberrabbiners sondiri oder gar direkt mit ihm in dem Sinne gesprochen, wie ich Euch vor vier Wochen ^geschrieben habe?" „Ja und Nein," erwiderte Pardubitzer. „Ich weiß ja im allgemeinen; was Ihr in der Sache wollt. Aber da ich wußte, daß ich ohnedies vor dem Amtsantritt des Herrn Oberrabbiners noch hierher .komme, so wollte ich zuvor noch einmal von Euch die Sache hören. Auf der Reise hierher habe ich seine Gesinnung in dieser Angelegenheit wiederholt sondirt, aber ich that dies mit der nothwendigen Scheu und Zurückhaltung, damit sein Scharfsinn nicht sofort das, was ich wünschte, herauswittert." Beck nahm seine goldene Tabaksdose in die Hand und schien sich ganz in deren Betrachtung zu vertiefen.-

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