Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1903)
- Date
- 1903-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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besser zur Hebung der materiellen Lage der jüdischen Lehrerfamilien angewandt sein! Äebrigens ist ja der Lehrstoff unserer Seminarien im deutschen Reiche durch gesetzliche Bestimmungen geregelt. Wie übersteigt Herr Ploni diese Schranke? Wenn ich bedenke, daß in den jüdischen Seminarien der größte Theil des nichijüdischen Unterrichts von nichtjüdischen Fachlehrern ertheilt wird, so frage ich mich, wozu überhaupt dies große Wesen. Eine Einrichtung, wie z. B. in Schwabach, wo die jüdischen Schüler des staatlichen Seminars Pension und ausgedehnten jüdischen Unterricht in der Talmud-Thora-Anstalt haben können, ist doch entschieden nicht minderwertig? Und last not least — um wieder zum Anfang zurückzukehren. was wird die beste Ausbildung in einem „richtigen" Seminar, sogar in Frankfurt a. M.. dem Herrn Dr. H. und seinen Kollegen mit Bart und Brille und Doktortitel nützen? „Rein. Herr Ploni, wenn Sie es wirklich gut mit den Rabbinen und Lehrern meinen, so überlassen Sie diesen getrost die Sorge für „Hebung ihres geistigen Niveaus" selbst, helfen Sie dagegen mit, daß die Thätigkeit beider in den Gemeinden auch die nöthige Unterstützung. Anerkennung und Werthschätzung finde. Wenn so jeder Faktor seine Schuldigkeit voll und ganz „in seinem Bereiche thut," — dann, aber auch nur dann wird's besser werden. Ein süddeutscher Lehrer. — nicht Raw, mit Bart und Brille, — aber obne Doktortitel. s Brcsla», 14. Sept. Es ist nicht mehr als Pflicht, wenn wir das Andenken eines Großen in Israel anläßlich seines Hinscheidens dadurch ehren, daß wir ihm in der Presse ein Denkmal setzen, indem wir uns in einem Nekrologe sein gemeinnütziges, sein wohlthätiges Wirken auf dieser Welt vor Augen führen. Wenn wir aber nochmals, nachdem bereits ein Jahr verstrichen ist, seitdem die Erde seine sterblichen Ueberreste ausgenommen hat, in diesen Blättern seiner ehrend gedenken, so wird sein Schaffen hinieden gewiß ein so segensreiches gewesen sein, daß wir nicht oft genug desselben Erwähnung thun können, um uns seine Person als leuchtendes Beispiel in Erinnerung zu rufen. Dies trifft bei Josef Falk s. A. zu. nach welchem wir am heutigen Tage die erste Jahrzeit begehen. Die große Herzensgute des Verstorbenen, seine wahrhaft jüdische Bescheidenheit, mit der er sich die Liebe aller, die mit ihm verkehrten, zu erwerben wußte, seine aufrichtige Frömmigkeit. seine- Selbstlosigkeit, dies sind die Eigenschaften. mit denen das Wesen Josef Falk's kurz charakteristrt ist. Recht treffend bezeichnet dies auch die Inschrift auf dem Denksteine, welcher heute für den theuren Verblichenen auf dem alten Friedhofe enthüllt wurde. Wahrlich, ein besserer Text hätte für diesen Stein nicht geschaffen werden können. Was Wunder! Stammt er doch aus der Feder des als Gelehrten hochgeschätzten und sehr verehrten Herrn Philipp Falk, eines Bruders des für uns noch zu früh Entrissenen. Daß Josef Falk s. A. seine Kinder zu Tauroh. Aöaudoh und Gemillus Chasodim ebenfalls erzogen hatte, erscheint wohl mehr als selbstverständlich. Sie haben sein Andenken und das ihrer verstorbenen Mutter ganz besonders zu ehren gesucht, indem sie u. a. ein kostbares Porauches für die Sklower Synagoge stifteten, welcher der Entschafene mehrere Dezennien bevorstand. Hoffen wir zu Gott, daß auch die Heranwachsende Generation Charaktere in ihrem Schoße birgt, die sich zu solch mächtigen Säulen unseres Glaubens entwickeln, wie der Entschlafene eine war. W. F. Würzburg, 23. Elul. Nachstehendes Vorkommniß dürfte geeignet sein, der Öffentlichkeit zur Kenntniß gebracht zu werden; vielleicht würden dadurch die maßgebenden Persönlichkeiten veranlaßt, Wandel in der betreffenden Angelegenheit zu schaffen. In Weißensee, einem zum Fürther Rabbinat zugehörigen Dorfe, sind alle Israeliten, bis auf eine Familie, weggezo.gen. Ein Herr Lindau hatte vor seinem Wegzuae bewirken wollen, daß die Sifre Thora nach Adelsdorf gebracht würden. Es wurde ihm aber der Bescheid, daß solange noch ein Israelit am Platze wohnt, nichts von den Kultusgegenständen entsernt werden dürfe. Dieser noch allein am Platze wohnende Israelit ist aber nichts weniger als ein guter Verwalter der Synagoge und der darin befindlichen Gegenstände und w-iin neo. Die Shnagoge stebt tagelang offen, ebenso der tjnipn p-irr woselbst die Sifre Tbora sich befinden. Als Herr Lindau vor Kurzem in Weißensee war. da fand er, daß ein Einwohner des Dorfes die ofrenstchende Synaaoge dazu benützte, um sein Holz auszubewahren. gelniß eine entheiligende Verwendung. Herr Lindau hatte schon öfters, aber vergebens Schritte beim zuständiaen Rabbinat gethan. um eine Entwürdiaung der Svnaaoge zu verhindern. Es wird stets darauf hinqewiesen, daß ja noch ein Israelit am Platze .sei.- ' ' Schwabach, 16. Sevt. Herr Dr. M a n n e s . bisher Rabbinatssubstitut. wurde zum Distrikts-Rabhiner für den Distrikt Schwabach aewählt. Mannes stammt aus der Provinz Posen, ist ein Schüler des frtrm Gemeinderabbiners Dr. W. Feilchenfeld in Posen und des Berliner Rabbinerseminars. Oesterreich. Wien, 14. Sept. In Lemberg äußerte der Kaiser zum Landmarschall Badeni: ..Nach den vielen schweren Tagen, welche ich letzthin durchgemächt habe, ist für mich der Aufenthalt unter Ihnen eine Erholung.