Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 73 (14.9.1903)
- Date
- 1903-09-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449959--59063-2523509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ZI 1625 i rath Kantorowicz, auch der Oberpräsident erschien auf! dem Landtage. Als Graf Zedlitz des Herrn Kantorowicz ansichtig wurde, kam er auf ihn zu. begrüßte ihn und sprach ihn mit den Worten an: „9k, Herr Stadt- I rath. Sie sind wohl auf mich sehr böse, daß ich Ihnen! die Genehmigung zur Kollekte versagt habe?" K. war? bescheiden genug, keinen Widerspruch gegen die Auf-! faffung des Oberpräsidenten zu erheben. Da klopfte ihm Zedlitz aus die Schulter und sagte: „Na, kommen Sie nur noch einmal ein!" Die zweite Eingabe hatte nun den gewünschten Erfolg. Würzbnrg, 13. Sept. In Folge Vorstellung mit j; Bitte seitens des Herrn Distrikts-Rabbiners B a in - berger hier beim Kgl. Kriegsministerium erfolgte an die Kgl. Generalkommandos folgende Ordre: Den israelitischen Einjahrig-Freiwilligen wird, nachdem auf den 1. Oktober ein hoher isr. Feiertag fällt, gestattet, ihren Dienst am 2. Oktober anzutreten. Oesterreich. Floridsdorf. Eine recht interessante Episode spielte sich dieser Tage in einer Sitzung des hiesigen Gemeindeausschusses ab. Es handelte sich um die Vergebung der Möbellieferung für das neue Florisdorfer Ratbhaus: der christlich-soziale Referent befürwortete die Annahme des Offertes einer Wiener Möbelfirma, und als ein sozialdemokratischer Gemeindeausschuß mit Rücksicht auf das billigere Offert die Vergebung der Lieferung an die Floridsdorfer Möbelfirma Sinai beantragte, in welchem Falle, abgesehen davon, daß die Gemeinde Geld ersparte, auch Floridsdorfer Arbeiter Beschäftigung fänden, erklärten die Christlich-Sozialen. ein Jude bekomme keine Lieferung. Sie wollten sich so als gesinnungstüchtige Antisemiten zeigen, ober och. die Herrlichkeit währte nicht lange, denn der sozialdemokratische Gemeindeausschuß riß ihnen die Maske recht unsanft herab, er bewies dem Büraermcisser und einem christlich-sozialen Gemeindeausschuß nach dem andern, daß sie alle ihre Möbel von dieser indischen Firma bezogen haben. Für sich selbst kaufen sie beim Juden, um ihr eigenes Geld zu ersparen, auf Kosten der Gesammtheit wollen sie aber ibren Antisemitismus dokumentiren. Die Rede des Sozialdemokraten hatte den bcmerkenswerthen. bei den Wiener? Barrn restöcken nickt möglichen Erfolg, daß selbst einige Christlich-Soziale für seinen Antrag stimmten, der auch angenommen wurde. Wieder einmal konnten die irregesührten Wähler sehen, daß die Herren, die immer predigen ..Kauft nur bei Christen", ihre eigenen Einkäufe bei Juden besorgen und nur von den Anderen verlangen, der antisemitischen Sache Opfer zu bringen. Ueber diesen Vorfall berichtet die „Ostdeutsche Rundschau" unter dem läppischen Titel „Die Sozialdemokratie für die Inden". Das Iudenthum ist kein Schoßkind für die Sozialdemokratie, die Furcht, als Judenknecht verschrieen zu werden, hält leider die Sozialisten oft zurück, für berechtigte Forderungen der Juden einzutreten. Auch in diesem Falle trat , der sozialdemokratische Ausschuß für den Möbelhändler Sinai selbstverständlich nicht deshalb ein, weil es sich um einen Juden handelt, sondern er wollte verhindern, daß mit den Gemeindegeldern llnfug getrieben wird. Haben die Gemeindeausschüsse antisemitische Passionen, dann möge sie ihr eigenes Geld daraufgehen lassen, als Vertreter der Gesammtheit haben sie die Pflicht, deren Interessen zu vertreten und die billigsten Offerten zu berücksichtigen. Dazu gehört Muth. wenn es jüdische Offerten sind. Billiger ist es freilich, sich auf Kosten der Gemeinde eine verwerfliche Popularität zu erwerben. Lemberg, 13. Sept. In Zablotow verbreitete sich vorgestern Nachmittag während des Jahrmarktes das Gerücht, daß im Hause eines Juden eine Frau aus Baline, die den Kaufpreis für einen Ochsen erhalten hatte, ermordet worden sei. Obgleich sich die Ortsbehörden bemühten, die Grundlosigkeit des Gerüchtes nachzuweisen, griff eine Anzahl Bauern mehrere Juden an. von denen drei schwer und mehrere andere leicht verletzt wurden. Auch wurden in den Häusern von Juden mehrere Fensterscheiben zertrümmert. Rumänien. Bukarest, im Sept. Die Aufhebung des rumänischen Handwerkergesetzes, für die wir von jeher eingetreten sind, wird in der „Romania Econonica" befürwortet. Das Vlatt schreibt: Die mit der Anwendung des Handwerke cgesetzes betrauten Organe überzeugen sich von Tag zu Tag immer mehr, daß cs so viele Lücken und verfehlte Bestimmungen enthält, daß es nicht bloß seinem Wortlaute, sondern auch dem Geiste nach, der seine Schaffung diktirt hat. nicht angewendet werden kann. In Folge dessen verbreitete sich in der Presse zuerst das Gerücht, daß der Handels- und Domänenminister ein Projekt für die Modifikation des Handwerkergesetzes vorberiete, und zuletzt die Nachricht, daß der Minister vor der Abänderung des Gesetzes sich genöthigt sehen werde, die Anwendung desselben zu suspendiren. Daß das Handwcrkcrgesetz abgeäudert werden muß, unterliegt gar keinem Zweifel; es ist bloß problematisch, ob die Regierung sich entschließen wird, die Anwendung desselben zu suspendiren. bevor sie es abändert. In jedem Falle indessen ist es bereits ein Vortheil. daß das Domänenministerium anerkennt, wie schlecht das Gesetz ausgearbeitet ist. und daß es nicht in ernster Weis; angewendei werden kann, bis nicht alle seine verfehlten Bestimmungen abgeändert und alle seine Lücken ausgefüllt werden. Wir haben uns so oft mit diesem unglücklichen Gesetze beschäftigt und haben so oft den Fehler hervorgehoben, der begangen wurde, als man den Straßenskandalen nachgab und in aller Eile das s