Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 73 (14.9.1903)
- Date
- 1903-09-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nur die mindeste Andeutung über solch' eine abscheui liche widerwärtige That. Wir Rabbiner, die wir von unseren Vätern und Vorfahren die Kenntniß der Thora. Satzungen und Bräuche in allen ihren genauesten Einzelheiten überliefert erhielten, haben niemals übernommen und niemals gehört von einem solchen abscheulichen Gebot oder Usus. Wir haben aber auch nie gesehen oder gehört, daß sich unter uns irgend welche Sekten oder einzelne Personen vorfanden, die solch' abscheuliche, niederträchtige Handlung begingen. Und wie wir hiermit in Wahrheit und Aufrichtigkeit mit getreulichem Herzen schwören, so möge uns Gott helfen in Allem, wo wir uns wenden! Amen! Als die Worte dieses Schwures beendet waren, erscholl zum Schlüsse aus der Versammlung ein lautes „Amen!" Es war eine Kundgebung aus tiefer, schmerzdurchbebter Seele, ein Bekenntniß, daß der Schwur für ganz Israel gelte. Der Großrabbiner von A l e x a n d r i e n, ein Ehrfurcht gebietender Greis, der vom österreichischungarischen Konsulat der Krakauer Stadtbehörde als hochwürdiger Excellenzherr empfohlen war. bildete eine Zierde des Kongresses. Seine herrliche Erscheinung, sein vornehmes Auftreten, sein klangvolles, klassisches Hebräisch und sein liebgewinnender Verkehr haben ihn zum Mittelpunkt der Versammlung gehoben. Der gelehrte und weise Mann sprach selten und wenig.. Was er aber sprach, war gediegen und gewogen. Alles lauschte auch seinen Worten mit großem Interesse. In vertraulichen Kreisen erzählte er mit tiefer Besorgniß, daß in jüngster Zeit auch im Orient die Vlutbeschuldigung zu schaffen gab. Es that ihm auch ungemein wehe, als er hörte, daß mau in gewissen Kreisen seine Person mit Reformbestrebungen in Verbindung brachte. Man fand nämlich in seinen schon vor mehreren Jahren gedruckten wrtwi ein Gutachten, in welchem gegen die Zulässigkeit eines Synagogen- Chors keine Einwendung erhoben wird. Der fromme Mann dachte an v'iiw'L, deren Mitwirkung beim Gottesdienste ni'n pT w er nicht verbieten konnte. Das moderne Wort „Chor" hat aber in Galizien ungeheuren Verdacht erregt. Indessen hat dieser bim selbst die 2'-i'Ln im Sturme erobert und während seiner Anwesenheit in Krakau war er Gegenstand allgemeiner Verehrung. Auch die städtische Behörde schenkte ihm ehrende Aufmerksamkeit und stellte Wache vor die Thüre des Hotels, in welchem er logirte. Ueber den Eindruck, den er in Krakau gewann, äußert er sich in einem an den Verfasser gerichteten Brief, der in deutscher Uebersetzung also lautet: Karlsbad. 4. Elul 5663. Friede und Heil meinem geliebten Freunde dem Herrn Ober-Rabbiner I. Horovicz Also-Kubin. Indem Du mir sehr werth und ich Dich liebe, wie ein Vater seinen Sohn liebt, theile ich Dir mit, daß ich Trost und Beruhigung finde in dem Akte der Eidesleistung, die auf meine Veranlassung inaugurirr wurde und deren Publizirung in weltlichen Sprachen ich für sehr wünschenswerth erachte. In Angelegenheit des Rabbinerkongresses vertraute ich meinem Freunde, dem ehrw. Aschkenasim- Rabiner zu Kairo, Herrn A. Cohen, und der Himmel hat uns geholfen. Wir sahen unser Streben verwirklicht, wenn auch viele hervorragende Rabbiner nicht persönlich Antheil nahmen an dieser großen Mizwah. Ich hoffe, daß bei dem mit Gottes Hilfe stattfindenden zweiten Rabbiner-Kongresse die Spitzen unseres Voltes, die großen Männer unserer Zeit, sich vollzählig versammeln werden, denn es ist Zeit, für Gottes Sache zu wirken, die Säulen unseres Religionsgesetzes zu befestigen, vor Völkern und Fürsten darzuthun, daß unsere allumfassende Thora ein Baum des Lebens ist und die zur Obhut derselben von den Weisen tradirtcn Vorschriften und Einrichtungen, die Erhaltung des Gesetzes für alle Zeiten in sich fassen. Mit vielen Grüßen bin ich Dein Freund und Verehrer Elie V. H a z a n , Grand Rabbin n Alexandrie, Verfasser der Responsensammlung ’zb rraibyru ZeitnngSnachrkchtcn und Correspondcnren. Deutschland. Berlin, 12. Sept. Der „Reichsanzeiger" meldet, der österreichisch-ungarische Generalkonsul Maximilian Benedikt Goldschmidt in Frankfurt a. M. ist unter dem Namen „von Goldschmidt-Rothschild" in den Adelsstand erhoben. Breslau, 8. Sept. Aus der Posener Amtszeit des Grafen Zedlitz-Trütschler, des neuen schlesischen Oberpräsidenten, weiß das hiesige jüdische Voltsblatt folgende Episode zu erzählen. Es war in jener Zeit, als schwere Verfolgungen der Juden in Rußland, im Laufe der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, zuerst eine große. Unterstützungs-Aktion in deutschen Gemeinden rinleiteten. Auch die Posener Gemeinde wollte hinter anderen nicht zurückstehen. Der Vorstand beschloß eine Kollekte innerhalb der Synagogen-Gemeinde zu veranstalten und beantragte zu diesem Zwecke die gesetzlich erforderliche Genehmigung beim Oberpräsidenten. Der Oberpräsident versagte aber die Genehmigung ohne Angabe von Gründen, wie man hörte, weil die Opferwilligkeit der Posener erst kurz zuvor durch Sammlungen für die durch die Ueberschwemmungen der Warthe geschädigten Einwohner der Stadt außerordentlich in Anspruch genommen war. Kurz darauf trat der Provinzial-Landtag in Posen zusammen. Zu den Abgeordneten gehörte auch der Stadt-