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Der Israelit · 1903-09-14 · Heft 73 (14.9.1903) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 73 (14.9.1903)
Date
1903-09-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Handwerkergesetz rediglrte und votirte, daß wir darauf verzichten dürfen, neuerdings auf alle Bestimmungen hinzuweisen, welche es bewirkten, daß es diesem Gesetze von Hause aus an Lebenskraft fehlte. Die einzige Thatsache bloß wollen wir hier hervorheben: daß dieses Gesetz nicht das Resultat einer zwingenden sozialen Nothwendigkeit und auch nicht die Frucht der Konstatirung war, daß unsere Gewerbe nicht existiren können und nicht fähig wären, sich zu entwickeln, ohne in Korporationen organisirt zu werden, vielmehr bloß ein Wunsch gewisser, lärmender, arbeitsloser, rumänischer Handwerker, denen die Anstifter gesagt hatten, daß nach Erlangung eines Handwerkergesetzes alle Arbeit in Rumänien ihnen zufallen werde, da ein solches Gesetz die fremden Handwerker aus Rumänien vertreiben würde, während gleichzeitig die Preise der Arbeit und der Verdienst in Folge Mangels an ernsterer Konkurrenz steigen werden. Und unsere Regierung, erschreckt durch das Geschrei dieser Handwerker, welche keine Arbeit hatten, weil die wirthschaftliche Krisis der letzten Jahre alle öffentlichen und privaten Arbeiten im Lande in empfindlicher Weise vermindert hatte, beeilte sich, ein unanwendbares Bastardgesetz zu schaffen, das überdies noch ungerecht war. Die Schwierigkeiten entstanden vom ersten Augenblicke an. Die fremde Presse wurde durch die fremdenfeindliche Tendenz des Handwerkergesetzes alarmirt, und Rumänien wurde in der ganzen Welt verspottet. Selbst die Kabinette der fremden Mächte wurden von ihren diplomatischen Vertretern in Rumänien alarmirt, deren Pflicht es war, die Handwerker zu schützen, die ihrem Schutze unterworfen sind. Und unsere Regierung, von allen Seiten bedrängt, gab sich alle Mühe, die schreienden Ungerechtigkeiten des Gesetzes zu mildern und ein Anwendungsreglement auszuarbeiten, das in vielen seiner Bestimmungen vom Texte des Gesetzes abweicht. Aber selbst diese leichten Verbesserungen waren nicht genügend, um ein seiner ganzen Grundlage nach verfehltes und ungerechtes Gesetz in ein anwendbares Gesetz umzuwandeln; und deßhalb erkennt man heute an, daß das Handwerkergesetz wird abgeändert werden müssen, ja. daß es sogar bis zur Abänderung suspendirt oder, richtiger gesagt, aufgehoben werden solle. Das Vernünftigste, was die Regierung thun könnte, wäre, das Handwerkergesetz einfach aufzuheben. Dann möge das ernste Studium aller mit der Lage unserer Gewerbe in Verbindung stehenden Fragen beginnen, und erst nachdem man das Wesen, die Fähigkeiten und Gewohnheiten sowie den Grad der Kultur und der technischen Entwicklung unserer Handwerker aller Kategorien und aller Nationalitäten kennen gelernt haben wird, erst dann möge die Regierung mit einem neuen Handwerke rgesetz kommen, welches den Resultaten der gemachten Studien und der bei dem gegenwärtigen Zustande unserer Gewerbe möglichen Summe von Reformen Rechnung tragen soll. Wenn man in anderer Weise Vorgehen ovte, dann werden alle künftigen Handwerkergesetze das gleiche Schicksal wie das jetzige haben: sie werden nur Schwierigkeiten schaffen und unanwendbar sein. Wenn man sieht, welches Urtheil von rumänischer Seite selber über das berüchtigte Handwerkergefrtz gefällt wird, ist die Erinnerung daran umso peinlicher, daß das Gesetz selbst in manchen Kreisen Deutschlands beschönigt wurde, und diejenigen, die es in Deutschland bekämpften, bei uns manchen gehässigen Angriffen ausgesetzt waren. vermischKs. Fulda. Eine Minute vom Bahnhof entfernt wurde dahier ein neues, jüdisches Hotel, Hotel Deutsches Haus, eröffnet, welches Herr Kaufherr vorzüglich verwaltet. Reinlichkeit, vorzügliche, streng koschere Küche empfehlen das Hotel allen Reisenden. E. Karbach. Am 3. September fand dahier die Einweihung der vollständig umgebauten Synagoge statt. Von der Hcippertschcn Wohnung bewegte sich ein Festzug durch dar Dorf zur Synagoge, an welchem der Herr Distriksrabbincr R. Bamberger aus Würzbura. der Herr Bezirksamtsaffeffor von Marktheidenield, die Ortsbebörde und ein zahlreiches. aus der Ferne herbeigeeiltcs Publikum thcilnahm. Vorder Synagoge hielt der Herr Bezirksamisaffeffor eine Ansprache, die er mit einem Hoch auf den allwärts beliebten Regenten, Prinz Luitpold, schloß. Hieraus sprach die Schülerin Dora Adler einen Fcstprolog und üb erreich'e den Scklüffcl dem Herrn Rabbiner. Dieser öffnete das Gotteshaus und ein Chor sang niedrere jüd. M lodicn. Der Herr Distriksrabbincr sprach das Konigsgebet und hielt eine Festrede. Ein Jigdal-Chor beendete die erhebende Feier. Am rüitf den 5. dss. fand ein FestgotteSdicnst statt, bei dem Herr Lehrer Silbermann die Festrede hielt. Esst not lesst rvaren auch zwei Bankette auf dem Programm. — Der 31 jährigen Thätigkeit des in weiten Kreisen bekannten Lehrers Mauroh Haurooh Hirsch Eschwege an hiesigem Orte ist cs zu verdanken, daß man dahier noch Tamob, Awaudo und Gemilus Chesed zu üben versteht und daß ein Chilul Schabbos fast nicht vorkommt. Möge des genannten Zadik Vorbild auch weiter der Gemeinde im Gedächtnisse bleiben und jede Uneinigkeit in derselben bannen. .1? mo »» durch die Herausgabe der 50 Postkarten aus dem jüdischen Leben. Z >v e i P o,t k a r t en. die unser volles Staunen erregten und unsere größte «yinpathie f'.ch im Nu erwarben. Wir waren thatsächlich entauut über die Pottkarte, welche in der Mitte eine Klappe zum öffnen hat und uns neugierigmachte. was wohl darin verborgen sein mag. Wir faltete« einen zusainmengclegten Bogen auseinander, und stehe dar ——.eme wundervolle Serie von 12 Bildern aus dem jüdischen Familienleben und von 12 Bildern aus dem jüdischen Fettleben. in hochkirnftlerncher Ausfübrnng. von Meisterhand gezeichnet, zeigte stch unserem Auge. Sit der That. eine sinnreichere ^idee. mit eimachster Handhabung hat uns noch nicht Vorgelegen. Tie geniale Neuheit wird weht bald in allen indischen Familien ihren Eingang finden und nr teder Sammlung einen hervorragenden! Platz clnnehmen. Die Karten sind in allen Kulturstaaten vatentiert. — und Künstler karten von bleibendem Werth und werden als Gratulationskarten zum neuen Jahre taufende Verehrer und Abnehmer finden.

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