Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 73 (14.9.1903)
- Date
- 1903-09-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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44. Jahrgang.. % ä• In erste aOflcni. MinMiWeß in Krakaii.') In einem zweiten Abschnitte unter der Ueberschrift: „Der Schwur" bringt der Verfasser eine ergreifende Schilderung der Proteste uub Eide gegen die Vlutbeschuldigung, die die Großen Israels zu verschiedenen Zeiten erhoben. Manasse öen Israel. Mendelssohn und Salomon Herschel haben den Eid der Purifikation vor Jahrhunderten und Jahrzehnten schon geleistet. Und nachdem Verfasser auch die großartigen Protestkundgebungen der neueren Zeit Revue passiren läßt, schließt er den schwungvollen Artikel mit folgenden Sätzen: „In jüngster Zeit wurden aber wieder in verschiedenen Ländern die höchsten und heiligsten Ideale Israels durch bluttriefende Anklagen in den Staub gezerrt. Die ungeheuerliche Verdächtigung mit allen Nachwehen zügelloser Brutalität wurde wieder lebendig. In namenlos verstümmelten Leichen, geschändeten Heiligthümern und Todeszuckungen der der unter Mörderhänden geendeten Menschenleben wiederholte stch der alte Golusjammer mit allen grauenerregenden Einzelheiten-. Was sollte wieder geschehen, um die gräßlichste Verlogenheit, mit welcher nicht nur das Bibelvolk selbst, sondern auch die Gesammtheit verlästert und hcrabgewürdigt wird, zu zertreten? Auch unseren Vorfahren fehlten die Kraft und die Mittel, ihre Rettung selbst herbeizufllhren. Aber der Ernst, womit sie ihre Lage erkannten und beherzigten, die schmerzvolle Ergebung, mit der sie zu leiden verstanden. hat sie in ihrem Gottvertrauen angespornt, zu thun, was sie unter den herrschenden Verhältnissen thun konnten. Die Edlen Israels, auf welche das Auge der jüdischen Gesammtheit gerichtet war. betheuerten von Fall zu Fall ihre Unschuld, und „es wandelten Völker zu ihrem Lichte, und Könige vertrauten ihrem Rechte." Mit gepreßtem, verwundeten Herzen erhoben nun abermals die Thorawächter Israels, die die Aeußerungen der jüdischen Gesammtheit in den leisesten Spuren aufsuchen, ihre Hand zum SHvure. Diesmal Nebst ausfükirlichcr Beschreibung der E i h c § l c i ft u u g inder Synagoge unb diesbezüglichen hiftoritcfim Ülcminio^ cenzen von Obcrrnbhiner F. Sornvicz. ltzrokoctoo. broschiert 50 Bsennige. zu beziehen durch D. lsried. Truck und Verlag in Also-Kudi», Ungarn, sowie durch jede Buchhandlung. Die indischen Zeitungen sowohl wie die angcsebentte'n enrnväischeu Journale baden dem Congrcsse sehr sympathische Besvrechungcn aewidmet. Zumeist waren eS aber nur trockene De» veschcn und kurze Nennw's. Diese Schrift dielet nun eine autden» tische DarsteNunq. die sich durch Wärme und Lebhaftigkeit besonders anszeichnet und verdient deswegen zur Aufklärung über die Bedeutung des Kongresses und zur Zerstreuung von Borurtbeilen. behufs Verbreitung auch in nichtiüdischen Kreisen, aus das Eindringlichste empfohlen zu werden. „illedaction deS Israelit." geschah es aber vor der größten Öffentlichkeit mit allen Attributen religiöser Weihe. Und die schwörenden Rabbiner wußten sich Eins mit der ganzen jüdischen Gesammtheit und sie verfaßten einen Eidesschwur, der in seiner apodiktischen Form alle Möglichkeiten der gegen Israel erhobenen Verdächtigungen ein für allemal ausschließt. Viele hunderte Rabbiner, aus verschiedenen Weltgegenden, hatten bereits vorher in wahrhaft rührenden Kundgebungen und mit eigenhändiger Namensfertigung ihre eidesstattliche Zustimmung zur Schwurleistung gegeben, und die früher keine Kenntniß davon hatten, beeilten sich, auf telegraphischem Wege aus voller Seele mitzuschwören. Sie beschworen es alle, im Namen des ganzen jüdischen Volkes, daß Judenthum, Judenheit und jüdische Sekten mit den Blutanklagen, die man gegen sie erhoben, absolut nichts gemein haben; niemals, nirgends gemein hatten. So sei denn dieser heilige Eid, diese vollgültige Verwahrung ganz Israel gegen den ihm angethanen Schimpf, ein Proclam an die gesammte Menschheit, um die Gewissen in Aufruhr, die Geister zur Besinnung zu bringen! Die deutsche Uebersetzung des Eides. Am ersten Tag der Woche, am 16. des Monats Ab im Jahre fünstausendsechshundertdreiundsechzig der Weltschöpfung. Wir Rabbiner, die wir aus verschiedenen Ländern in dieser alten Synagoge hier in Krakau uns versammeln, schwören am heutigen Tage heiligen Thoraeid, auf Kenntniß des Schöpfers und nach Auffassung aller Mitbewohner, im Namen des Ewigen Gottes des Himmels und der Erde, der Herz und Nieren prüft und kennt die Gedanken des Menschen, daß die verabscheuungswürdige Blutbeschuldigung, welche böswillige und tückische Menschen gegen unsere Brüder, die Kinder Israels, seit Jahrhunderten in den verschiedenen Staaten erdichteten, als ob das Blut von Nichtjnden oder Nichtjüdinnen zu rituellen Zwecken verwendet würde, sei es als Gebot oder als Gebrauch, oder als irgend eine Einrichtung — erlogen und erdichtet sei. Wir haben auch niemals gesehen oder gefunden in irgend einem Buche unserer heiligen schriftlichen und mündlichen Lehre, wie Thora, Propheten und Hagiographen, weder im babylonischen noch im jerusalemifchen Talmud, nicht im Sifra und Sifre, oder Mechiltot. Toleftot und allen Midraschim, im Sohar und allen kabbalistischen Schriften, dem Schulchan-Aruch und allen Codices der früheren und späteren Rabbiner: in keiner einzigen all' dieser und aller übrigen Schriften, ohne irgendwelche Ausnahme, findet sich irgend ein Gesetz, Vorschrift, Brauch, oder auch