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Der Israelit · 1903-09-14 · Heft 73 (14.9.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 73 (14.9.1903)
Date
1903-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1620 Telephon verschiedene Anordnungen gab, die aber von den ausführenden Organen mißachtet wurden. Endlich hat er gewagt, die Ordre zum Einschreiten des Militärs zu unterzeichnen, das sich bis dahin entweder ganz passiv verhalten, oder mit den Ruhestörern unzweideutig sympathisirt hatte. Die Soldaten haben es aber kaum nöthig gehabt. Gewalt anzuwenden. Das einzige Mal, wo sie von der Waffe Gebrauch machten, betraf einen christlichen Jungen, der mit einem schweren Stein bewaffnet, einen jüdischen Knaben verfolgte und nicht eher von ihm abließ, bis ihn ein Vajvneitensiich eines Soldaten zu Boden warf. Dieser Knabe war übrigens der einzige Christ, welcher bei dem Kischinewer Krawalle das Leben verloren hat. Es wird allgemein angenommen, daß die Behörden durch rechtzeitiges thatkräftiges Einschreiten die Unruhen weit früher hätten unterdrücken können. Es steht fest, daß am Sonntag keine einzige Mordthat verübt worden ist, und es erscheint überaus fraglich, ob bei rechtzeitig ergriffenen Maßregeln auch nur eine einzige passirt wäre. Was die Anstifter betrifft, so ist man in Kischinew vielfach der Ansicht, daß die Unruhen das Werk wohlorganisirter Banden waren. Es wurde mir sogar berichtet, daß jede Bande ihre besondere Nummer hatte. Die Meisten halten die Katastrophe für das Werk des in .Kischinew vom Pöbel vielgelesenen „Bessarabetz". Ich kann mich für keine der beiden Muthmaßungen entscheiden. (Der Herr Vizekonsul hätte sich bei dem dreiblättrigen .Kleeblatte Siepanoow-Ponin-Szerban erkundigen sollen, welche in regelmäßigen, im „Hotel Moskau" abgehaltenen Sitzungen das Massaere organisirt haben.) Jedenfalls haben die Artikel des „Bessarabetz" im Verein mit der unbegründeten Vlutbeschuldigung von Duboffory und dem unsinnigen Gerücht, daß die Juden eine russischen Popen geschlachtet hätten, genügt, eine Revolte zu entflammen, zumal das Verhalten der Polizei während der beiden ersten Tage geeignet war, beim Volke die Vermuthung entstehen zu lassen, daß der Regierung die Ausrottung der Juden sehr erwünscht sei. Hinzukam. daß die Excedenten sich am Beginn des zweiten Tages in den erbrochenen Kellern mit Wein und Schnaps betranken. Der Staatsanwalt hat mir am 22. Juli mitgetheilt. daß von den 880 verhafteten Unruhestiftern 216 wegen Mangel an Beweisen entlassen werden mußten. 308 wegen geringerer Vergehen zu Gefängnißstrafen von 8 Tagen bis 3 Monaten verurtheilt wurden, während 360 schwere Verbrecher im Oktober in Tiraspol zur Aburtbeilung gelangen sollen. Der Gerichtshof wird sich zusammensetzen aus dem Präsidenten und drei Richtern des Ödessaer Appellations-Gerichts, dem Adelsmarschall, dem Bürgermeister und dem Gemeindeältesten. Von jenen 360 Personen werden 260 der bloßen Theilnahme an einem Aufruhr, woraus nach russischem Gesetz Kerkerstrafe steht, die übrigen des Mordes und anderer schwerer Vergehen beschuldigt. Letztere dürften, insoferne sie nicht freigesprochen werden sollten, zur Zwangarbeit auf der sibirischen Insel! Sachalin verurtheilt werden."! Rußland, j Warschau, im Sept. Hier ist es in der Mitte des! vorigen Monats zu schweren Krawallen gegen die Juden gekommen. Man schreibt darüber: Die Berichte über den Ursprung der Krawalle lauten noch sehr widersprechend. Ein Israelit soll einen orthodoxen Knaben ausgescholten haben, nach anderen hätte er denselben, den Sohn eines höheren Beamten, mit häßlichen Schimpfwortcn belegt. Um beide sammelte sich eine Volksmenge an, der Israelit wurde von ciuigcn Herren geohrfeigt, Glaubensgenossen eilten ihm zu Hilfe und im Handumdrehen war eine allgemeine Schlägerei inmitten des Judenviertels im Gange. Die herbeigeeilte Polizei wurde verhöhnt, mit Steiner geworfen und mußte sich schließlich zurückziehen. In weniger als einer halben Stunde war die Franziskanskaja und die Genchaja — die beiden Hauptstraßen des Judenviertels — in vollem Aufruhr ja sich bis zum Krastnski-Garten und dem Palaste rm Süden und bis zur Wladimir- Kaserne rasch ausvehnte. Aus den volksreichen Rachöarstraßen drangen d'^cch übertriebene Gerüchte erregte und erbitterte Volkshaufen in das Judenviertel, dessen Straßenzugänge die Polizei vergeblich abzusperren suchte. Die Polizisten wurden mit Flaschen, Steinen und allerhand Hausgeräth beworfen, in einem Falle sogar siedendes Wasser aus den Fenster aus sie gegossen. Jetzt eilten Kosaken vom Fort Alexej kommen, die Franziskanskaja hinunter und begannen diese rechts und links dreinhauend zu säubern. Bald fanden überall blutige Handgemenge statt. Die Zahl der hierbei Verwundeten wird sehr verschieden angegeben. In dem Krankenhause am Nächstliegenden Vreni-Platze wurden einige sechzig Verwundete eingeliefert. Die meisten Verletzten aber versteckten sich in ihren Häusern, um der Verhaftung und weiteren Mißhandlungen zu entgehen. Der Generalgouverneur erschien persönlich, gab die schärfsten Befehle zur sofortigen Wiederherstellung der Ordnung und ließ das Judenviertel sperren. Die Zahl der Verhafteten beträgt noch jetzt, nachdem schon viele Jnhaftirte wieder entlassen worden, 582. Feuilleton. Rabbi %m tob Lima» Wr. 2k Von Heinrich Lebermann. „Rein, das meine ich nicht. Das war an und für sich harmlos, aber indem Du mich daran erinnerst, bringe ich es auch mit meiner anderen Wahrnehmung in Verbindung. Als wir uns die Hände zum Festmahle waschen wollten und der Roschhakohol mir das silberne

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