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Der Israelit · 1903-09-14 · Heft 73 (14.9.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 73 (14.9.1903)
Date
1903-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1616 kennt den Zweck ihres Lebens. Und uns bat der Schöpfer, alles Lebens den Inhalt, den es ausfüllt, gegeben, hat uns gelehrt, wie wir leben sollen, um glücklich zu sein, wir haben das Mittel in den Händen, haben die Thora und wollten verachtend uns von ihr kehren?! . . . Und wir gewinnen nichts dabei. Ist denn wirklich so erstrebenswerth der Genuß und der Besitz als Alleinzweck, nicht geadelt durch Verwendung nach göttlichem Willen? Fragt euch selbst, seid ihr glücklich? Fühlt ihr euch zufrieden? Folgt nicht euren Genüssen die Entnüchterung? eurem Rausch der Ekel? Laßt uns doch versuchen. Anden zu sein, ganz voll und wahr Juden zu sein, von Niemanden was zu fürchten und von Niemanden was zu erhoffen außer von Gott. Und wiv werden es an uns sehen und erkennen, dann sind wir glückliche Menschen, glücklich im Unglück, wenn wir mit Gott sind ist Gott mit uns . . wie der Ellulpsalm sagt. „Ist Gott meine Leuchte"-;— das Licht meines Lebens, wonach ich mich richte, „ist Gott meine Hülfe — ich fürchte nichts." .... Und hätten wir ein verfehltes Leben hinter uns, wenn wir nur ernst wollen, mit jeder Minute können wir's uns geloben, von jetzt an uns zu stellen ganz unter Gottes Willen, und unsere Vergangenheit ist ausgelöscht von der Gnade des Gottes, „der nicht will, daß der Frevler sterbe, sondern daß er seine Sünde verlasse und wieder rein werde durch — Teschuwo." X. ZeitttttgsnachrlchLerr und Correfpondenzerr. Deutschland. Main.;, 11. Sept. Heute hatten wir das Vergnügen. den bekannten Orientalisten, Herrn Lazarus G o l d s ch m i d t aus Charlotten bürg bei uns zu sehen. Wie unseren Lesern ohne Zweifel bekannt, ist derselbe gegenwärtig im Begriffe, den babylonischen Talmud in's Deutsche zu übertragen und denselben mit einer kritischen Tertausgabe zu versehen. Das Werk ist in neun Bänden geplant, von welchen schon vier fertig vorliegen, und zwar drei „Mo5d" und die Hälfte von Nesikin. Verlegerin ist die bekannte Firma Calvari L Cie. in Berlin. Berlin. (Dispensation j ü d. Kinder vom U n t e r r i ch t a m S a m st a g.) Es herrscht noch immer Unklarheit darüber, ob jüdische Kinder, welche schriftliche Volksschulen besuchen, auch an den Samstagen zum Schulbesuch verpflichtet sind. Zur Aufklärung sei mitgeheilt, daß nach dem ministeriellen Erlaß vom Jahre 1894 jüdische Kinder, welche christliche Volksschulen besuchen, auf Antrag der Erziehungsberechtigten an den Samstagen vom Schulbesuch zu dispensiren sind. Daß die betreffenden Kinder Gelegenheit Huben, jedesmal dem Synagogen- Gottesdienst beizuwohnen, ist nicht Vorbedingung der Dispensation. Dagegen ist die Dispensation jüdischer Schülerinnen in Privat-Mädchenfchulen am Samstag unzulässig, wie die Ministerial-Bestimmung vom 28. Januar 1893 besagt. Gelegentlich eines Spezialfalls, in welchem für eine jüdische Schülerin einer Privat- Mädchenschule von Seiten ihres Vaters die Disvensation Vom Unterricht an den Samstagen beantragt worden war, hat der Unterrichtsminister entschieden, daß einem solchen Anträge nicht stattgegeben werden könne. Es ist in diesem Falle nur eine Dispensation von schriftlichen Beschäftigungen am Samstag zulässig. Coburg, 10. Sept. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierten heute in vollster geistiger und körperlicher Frische Herr Markus Stern und Gattin, geb. Rosette Gutmann. Die Feier leitete diesen Mittag halb ein Uhr Herr Prediger S. Oppenheim im prächtig geschmückten Saale des Ge- »ellschaftshauses. Ein zahlreiches Publikum — außer der vollzähligen jüdischen Gemeinde hatten sich auch viele andere Mitbürger des Jubelpaares eingefunden "— füllte den Festraum. Im Aufträge Sr. D. des Herrn Regierungsverwesers, Erbprinzen von Hohenlohe-Langenburg überreichte Herr Prediger Oppenheim eine herrliche deutsche Bibel, deren kalligraphisch ausgeführtes Widmungsblatt die eigenhändige Unterschrift Seiner Durchlaucht trug. Die hiesige jüdische Gemeinde ließ eine prachtvolle silberne Schale mir Blumenarrangement überreichen, der jüdische Frauenwohlthätigkeitsverein hatte ein kostbares Kissen gestiftet. Herr Prediger Oppenheim hatte seiner Predigt die Bibelstclle „Ein Jubeljahr ist das 60. Jahr; am Ertrag Deiner Felder sollst Du Dich laben", zu Grunde gelegt. Das Tafelarrangement und das Diner lieferte Herr Hotelier Sander Hierselbst. M. Heidelberg, 10. Sept. Die hiesige „Heidelberger Zeitg." bringt folgende Mittheilungen zur Fleischbeschau: Nach den am 1. April d. I. m Kraft getretenen Ausführungsvorschriften zu dem Neichsgesetz vom 3. Juni I960, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau ist Blut, das durch Mageninhalt oder sonstwie verunreinigt wurde, als untauglich zum Genuß für Menschen anzusehen. Da nach der Ansicht des veterinärtechnischen Referenten im Großh. Ministerium des Innern dem Blut geschachteter Thiere fast regelmäßig Mageninhalt beigemischt wird, welcher sich aus dem durchschnittenen Schlunde entleert, und dies auch durch die da und dort zur Anwendung gelangenden Schlundzangen nicht mit Sicherheit verhütet werden kann, so

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