Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 72 (10.9.1903)
- Date
- 1903-09-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1609 die Vorbereitungen dazu getroffen, um dieses seltene Fest in bester und würdigster Weise zu gestalten. Eröffnet wurde dasselbe durch eine Festpredigt unseres Herrn Rabbiners Dr. Emanuel Car leb ach,' die mit großer Begeisterung ausgenommen wurde. Die Tbeilnabme an dieser Eröffnungsfeierlichkeit war unbeschreiblich groß, das große, hcllerleuchiete Gotteshaus »Beth Hamidrasch" war von Zuschauern dicht gedrängt voll. Denn da gab es gar Vieles zu sehen und zu hören, was man sonst in diesem Hause nicht zu sehen und zu hören bekommt. Selbst der Gottesdienst wurde während der ersten drei Tage unter den Klängen der Musik abgehalten. Die üblichen „Bittgebete" Tachanun wurden für die Dauer der ganzen Festwoche in sämmtlichen Vethäusern eingestellt, da sollten nur „Stimmen der Freude" laut werden, und ein Jeglicher seinen Mitbruder mit dem Rufe „Gut Jomtof!" begrüßen. Auf Einladung des Vorstandes waren auch drei Rabbiner aus den angrenzenden russischen Nachbarstädten herbeigekommen. die durch ihre Anwesenheit, wie besonders durch ihre überaus geistreichen Reden und Vorträge, sehr viel zur Verschönerung des Festes beigetragen haben. Diese auswärtigen Herren Rabbiner waren: Rabbi Isaak Bloch aus Polangen, Rabbi Sabbatai S ch a p i r o aus Garsden und Rabbi Hirsch Schur aus Russ. Crottingrn. Die Festmahlzeit wurde in dem gastfreundlichen Hause des allverehrten alten Herrn Benjamin Hahnemann abgehalten, in demselben Hause, worin der Begründer des Vereins, der verewigte, hochgefeierte Talmudmeister Rabbi Israel S a l a n t selbst jahrelang zugebracht hat. Während der Mahlzeit liefen Glückwunschtelegramme von abwesenden Mitgliedern und auswärtigen Freunden des Vereins ein. Wie im Gotteshause, so wurden auch hier bei der Tafel verschiedene Tischreden gehalten. Die Tafelmusik wurde von der eigens zu diesem Feste bestellten jüdischen Musikkapelle aus Neustadt Alerandrowska (Rußland), unter Leitung ihres sehr beliebten Dirigenten Herrn Moses Brenner ausgeführt, welche die verschiedensten altjlldischen Weisen aufspielte und die Zuhörer ergötzte. Herr Kantor Moses Jakobi erfreute die Tischgesellschaft durch den Vortrag von hebräischen Gesängen und Liedern, die allseitigen Beifall fanden. Ueberrafcht wurden die Anwesenden vollends durch das plötzliche Erscheinen des Herrn David Rosenfeld aus Minsk, der auf der Durchreise, sich der Versammlung als „Gedächtnißkünstler" vorstellte und durch verschiedene an ihn gerichtete Fragen dargethan hat, daß er den Talmud vollständig in seinem Kopfe hat. da er jede beliebige Talmudstelle nach Ort und Seitenzahl sogleich anzugeben wußte. Am zweiten Festtage nach dem Morgengottesdienste stattete die Versammlung dem alten Herrn Rabbiner Gabriel Feinberg in seiner Wohnung einen Besuch ab, wahrend die Musik ihm ein Ständchen brachte. Der von Altersschwäche gebeugte hochwirrdige Greis war tiefgerührt, und thränenden Auges dankte er Allen herzlichst für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit. Am Abend wurde die Festmahlzeit fortgesetzt und Herr Rabbiner Dr. Carlebach ließ die Versammlung zum anderen Morgen auf ein Frühstückseffen einladen, welchem die Einladung zu einem Abendessen folgte. Die Geladenen folgten gerne dem Rufe des Herrn Rabbiners, und mit diesem Abendessen nahm das Fest seinen offiziellen Abschluß. Die auswärtigen Herren Rabbiner nahmen nochmals in längeren Reden Abschied, um erst am anderen Tage, nach mehrtägigem Aufenthalte, den hiesigen Ort zu verlassen. Auch hier hatte der ehrwürdige Gastgeber alles gethan, um seine Gäste auf das Beste zu bewirthen. Zum Schluffe sprach der erste Vorsteher des Beth-Hamidrasch, Herr D. L. Wolfsohn, dem Herrn Rabbiner den Dank der ganzen Versammlung aus für den liebenswürdigen Empfang und die angenehme Vewirthung der Gäste. Erst nach Mitternacht begann die Versammlung unter den Klängen der Musik aufzubrechen. Auch dieser Abend wird allen Theilnehmern sicherlich in steter, angenehmer Erinnerung bleiben. Herr Dr. Carlebach gewann die Ueberzeugung, daß unter feinen russischen Amtsbrüdern alter Schule die Kenntniß des Talmuds vollauf vertreten ist, während andererseits diese seine' Kollegen nach Anhörung der talmudischen Diskussionen (Pilpullim) des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach die Ueberzeugung mit nach Hause nahmen, daß auch im weiten „deutschen" Vaterlande der Talmud feine würdigen Vertreter aufzuweifen hat. Gewaltig war der Eindruck, den dieses Fest auf die auswärtigen Herren Rabbiner selbst gemacht hat. Daher wurde ihnen die Trennung sehr schwer und nur unter Umarmungen und Freudenthränen nahmen diese ehrwürdigen Herren Abschied von den Herren Vorstehern, die ihnen einen solchen Hochgenuß bereitet hatten. Aber auch jeder andere Theilnehmer mußte sich sagen, daß der Vorstand sowie die Herren Festordner alles gethan haben, um dieses seltene Fest auf das allerbeste und würdigste zu gestalten. Darum möge es dem Einsender verstattet sein, die Namen aller derer hier zu nennen, die sich freiwillig und gern in den Dienst der guten und heiligen Sache gestellt haben. Diese Herren sind: Benjamin Hahnemann sen., erster Vorsteher; Abraham I a f f e e, zweiter Vorsteher; Moses Kaplan, dritter Vorsteher. Letzterer ist zugleich Vortragender Lehrer (Maggid) des Vereins, von dem gesagt werden muß, daß er dieses, seines schwierigen Amtes seit einer Reihe von Jahren unentgeltlich waltet. Ferner verdienen hier lobend genannt zu werden die Herren Meier Kahn. Akiba P i n k u s und Gerson S ch o - f e r. Diese Herren haben als Festordner durch ihre verständnißvolle Leitung der Festobliegenheiten wie . nicht minder durch ihre aufmerksame Aufwartung der