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Der Israelit · 1903-09-10 · Heft 72 (10.9.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 72 (10.9.1903)
Date
1903-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1596 unterworfen. Hier ist der Unterricht ein pädagogischer und er richtet sich nach der allgemeinen Methode. Er wird von gewissenhaften, pflichttreuen, tüchtigen, beliebten Lehrern ertheilt. Ihnen ist es zu verdanken, daß diese Schule auf so hohem Niveau steht und ihr im ganzen Lande ungeteiltes Vertrauen entgegengebracht wird. Auch die jüngste Prüfung erzielte ein glänzendes Resultat. England. - London, 6. Sept. In sehr bemerkens- und anerkennenswerther Weise treten die „Daily News" für die durch die Vorschläge der königlichen Kommission bedrohten unbemittelten Fremden Ostlondons ein. Wir entnehmen einem Artikel, der die Ueberfchrift „Fremdenstadt" führt, nachstehende Stelle: „Eine der häufigsten Klagen vor der königlichen Kommission war die, daß sich der Fremde nicht mit seinen englischen Nachbarn assimilire. Ein Blick in die kleinen Buch- und Papierhandlungen zeigt aber, daß die Ankömmlinge eifrigst bestrebt sind, die Sprache ihres Adoptiolandes zu lernen. Für wenige Pence kann man ein „Lehrbuch der englischen Sprache" kaufen, und es ist auch ein russisch-englisches Vokabularium zu haben. Ferner gibt es englische Phraseologien mit jüdischer Uebersetzung in hebräischer Schrift. Die meisten Einwohner der Fremdenstadt führen ein außerordentlich thätiges Leben. Sie sitzen den ganzen Tag arbeitend in ihren kleinen Läden oder sind bemüht, die Behaglichkeit ihrer elenden Wohnungen zu erhöhen. Sie haben aber auch Lust an gesellschaftlicher Unterhaltung und an Vergnügungen. In einem Fenster saßen zwei alte ehrwürdig aussehende Männer, spielten auf dem Auslagebrett, auf dem sonst das koschere Fleisch zum Verkauf ausgelegt wird. Domino und beobachteten dabei das - Straßeuleben. Abends versammeln sich viele der Fremden gesellschaftlich in den zahlreich vorhandenen Restaurants. Einige dieser Restaurants sind durchaus behagliche Lokalitäten für die Mittelklasse, andere sind so billig, daß man eine Mahlzeit von drei Gängen für einen Penny haben kann. Das Geheimniß der Küche bleibt besser verschleiert. In Leman-Street ist ein Unterkunftsraum für ankommende arme Juden. Ich fand dort etwa 100 aus dem russischen Hafen Libau eingetroffene Leute. Sie hielten sich alle nur für einige Tage in London auf und waren auf der Durchreise nach Südafrika. Ihr Gepäck füllte einen großen Raum des Gebäudes, und man hatte den Eindruck, daß die Leute nicht ganz ohne Eigenthum waren. Unter den Anwesenden waren auch einige Christen, denn die - von Juden unterhaltene Wohlthätigkeitsanstalt nimmt auch Mitglieder anderer Rassen auf, wenn diese freundlicher Hilfe bedürfen. Einer der interessantesten Punkte der Fremdenstadt ist Weniworth-Street. Mit ihren Buden und eifrig in hebräisch sich unterhaltenden Besuchern bildet diese Straße eine der lebhaftesten Punkte Londons. Alle Leute machen den Eindruck, daß ne hart arbeiten und doch sind sie dabei heiter, ohne die verstockte Brutalität, die man oft in englischen Armenvürteln findet." K-niltetsA. Slßööi Im tob ZWliil Heller. Von Heinrich Lebermann, i. Am Purim des Jahres 6387 nach Erschaffung der Welt (im Jahre 1627 der gew. Zeitrechnung) herrschte in der Prager Judenstadt eine ungewöhnlich freudige Erregung. Es war nicht die oft überschäumende Freude des Purimfestes, wie sie sich alljährlich in Maskeraden, Vermummungen, Aufführungen u. Umzügen aller Art geltend macht, die heuer aus den Mienen der Prager Judenschaft leuchtete. Man traf dieses Jahr sogar weniger Masken und sonstige Verkleidungen in der Judengasse. Die Freude war eine höhere, stillere, die nichts mit dem rauschenden Purimjubel der übrigen Jahre gemein hatte. Sie galt den Vorbereitungen für den Einzug des neugewählten Rabbiners, der in den nächsten Tagen erfolgen sollte. Der Rasch Hakohol, die sämmtüchen Parnoffim, die Vorsteher aller Chebroth, und in erster Reihe die Dajanim, waren dem Rabbiner bald nach Purim mehrere Meilen entgegen gefahren und bildeten das Gefolge des glänzenden Zuges, der sich in den ersten Tagen des Nissanmonats durch das Thor der Prager Judenstadt bewegte. Jetzt vereinigte ein Festmahl zu Ehren des Rabbiners alle Würdenträger der Gemeinde. Aber auch dieses hatte einen anderen Charakter, als die Festessen, die man bei solchen Gelegenheiten sonst veranstaltete. So ehrenvoll derartige Mahlzeiten für den neugewählten Rabbiner waren, so verhängnisvoll konnten sie sich auch für ihn gestalten. In jener Zeit, wo die Thorakunde im ganzen Israel verbreitet war, gab es in der Gemeinde Gelehrte, ja selbst Kaufleute und Handwerker oft in großer Zahl, die dem Rabbiner in talmudischem Wissen nicht nur nicht nachstanden. sondern ihm manchmal vollkommen ebenbürtig waren. Da hatte nun jeder seinen Stolz darin gesetzt, durch Fragen. Bemerkungen und Veranstaltungen aller Art die Kenntnisse, die Schlagfertigkeit und selbst die Frömmigkeit des Rabbiners auf die Probe zu stellen. Wochen und Monate lang hatte sich jeder seine Frage zurecht-

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