Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 72 (10.9.1903)
- Date
- 1903-09-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449958--59032-2523477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1595 werden. Herr Herz LLb I. hauchte im gottgesegneten Alter von 94 Jahren am 10. Elur in Folge eines Schlaganialles seine reine Seele aus. Groß ist der Verlust, den die hiesige Gemeinde, die Chebra Kadischah und nicht zum mindesten die Familie des Verstorbenen durch den Hintritt dieses Mannes erlitten hat. Gehörte er doch zu Jenen, die in unserer heutigen materiellen Zeit immer seltener werden, die für die Ideale des unverfälschten Judenthums mit allen Kräften einireten und in keiner Weise, auch nicht in den schwierigsten Verhältnissen von den Gesehen unseres Glaubens abweichen. Die ausgedehnte Betheiligung auch von nichtjüdischer Seite an der am Freitag stattgefundenen Beerdigung legte beredtes Zeugniß ab von der großen Beliebtheit des Verstorbenen. Am Grabe entwickelte Lehrer Kahn ein Lebensbild des Entschlafenen und schilderte die hohen Tugenden, die diesen Frommen krönten. Obwohl in ärmlichen Verhältnissen lebend, scheute er nie eine noch so große Ausgabe, um jedes Gebot auszuführen. Groß war sein Eifer im Besuche des Gotteshauses. Keine Jahreszeit konnte ihn abhalten bis zu den letzten Wochen vor seinem Tode immer als Erster im Gottesbause zu erscheinen. An ihm hing er mit einer grenzenlosen Liebe und noch vor 14 Tagen, als schon Krankheit ihn befallen, konnte ihn nichts zurückhalten, den Gottesdienst zu besuchen, bis ihm das Versagen seiner Kräfte den ihm liebgewordenen Gang nicht mehr gestattete. Sein sehnlichster Wunsch, noch das im Neubau befindende Gotteshaus nach seiner Vollendung betreten zu dürfen, sollte ihm leider nicht mehr erfüllt werden, wie ihm überhaupt in seinem langen Leben gar mancher Wunsch nicht erfüllt wurde. An ihm bewahrheiteten sich die Worte unserer Weisen: „Viel Unglück wird der Gerechte erdulden müssen, aber durch seine Gerechtigkeit wird er leben und noch im höchsten Alter Früchte tragen." Mehr als 60 Jahre gehörte der Verstorbene der hiesigen Chebra Kadischah an, die einen treuen Freund ihrer Bestrebungen durch seinen Tod verloren hat. „Die Krone der Großeltern sind die Enkel und der Schmuck der Kinder ihre Eltern." Möge dieser Spruch sich auch hier bewahrheiten, mögen die Kinder, Enkel und Urenkel unseres braven Mitbruders auch in seinem Tode seine Krone bleiben, indem sie in seinem Sinne und Geiste leben und wirken, so wie er stets über das Grab hinaus ihre Ehre und ihr Schmuck bleiben wird. .1212b ,2'iL 127. K. Oesterreich. Krakau, 8. Sept. (Zuersten allgemeinen Rabbinerkongreß.) Wie wir seinerzeit berichteten, wurde aus der ersten Kongreßsitzung über Antrag des Alsokubiner Oberrabbiners I. Ho r 0 v i c z ein Huldigungstelegramm an Se. Maj. den Kaiser und König Franz Josef I. abgesendet. In Nachstehendem reproduziren wir den Wortlaut des Telegramms und den Allerh. Dank des hochherzigen Monarchen: An Seine Kaiserl. und Königs, apost. Majestät Kaiser und König Franz Josef I. Ischl. Die aus verschiedenen Weltgegenden zur Abhaltung eines Rabbinerkongresses hier weilenden Rabbiner versammelten sich vor dem Beginn ihrer Thätigkeit zur gemeinsamen Andacht im Gotteshause und verrichteten inbrünstige Gebete für das Wohl und Heil Ew. Majestät, die der himmlische Vater erhören möge.- Ew. Majestät mögen geruhen, unsere unterthänigste Huldigung und den Ausdruck unserer tiefsten Verehrung und Ergebenheit gnädigst entgegenzunehmen. Der Rabbinerkongreß. Rabb. H 0 r 0 v i tz, Krakau, Präsident. Rabb. H 0 r 0 v i tz, Alsokubin, Sekretär. Die kaiserliche Rückantwort lautete: Kabinets-Kanzlei Sr. k. u. k. apost. Majestät. An Herrn Rabbiner Horovitz, Krakau! Fr. I s ch l. 12/8. 8.. 10 Min. V. M. Seine k. und k. apostolische Majestät danken den Theilnehmern am Rabbinerkongresse allergnädigst für die dargebrachte Huldigung. Kabinets-Kanzlei. Ungarn. Grostwardcin, Z. Sept. Die Bürgerschule der orthodoxen isr. Gemeinde in Großwardein, über welche uns der jüngste Jahres-Bericht vorliegt, hat ihren wahren jüdischen Charakter nur der mit ihr eng verbundenen rrnn 'r.shn Schule zu verdanken. In derselben werden die Zöglinge in "pn '"en, jüdischer Geschichte und Litteratur, hebräischer Grammatik, Uebersetzen aus dem Hebräischen, rvvvvnowptn sie: und C"?x ''n gründlich unterrichtet. Neben diesem Unterricht bildet die Pflege des echten, unverfälschten, jüdischen Geistes, der wahren Sitte und Moral, die heiligste Aufgabe des ganzen Lehrkörpers, der ausschließlich aus solchen Männern zusammengesetzt ist, die nebst ihrer hohen Intelligenz und tüchtigen Bildung, als Muster des glaubensireuen Judenthums gelten können. Dieses heilige Ziel wird auch nicht einen Moment außer acht gelassen von dem verdienstvollen, allverehrten Direktor Herrn Jakob Gabel, der es, wie kaum ein anderer, verstanden hat, die ntgrnpn nim mit ihrer Schwester, der Wissenschaft, in Einklang zu bringen. Es kann also von dieser im ganzen Lande und weit über die Grenzen desselben als Musterschnle bekannten Anstalt mit Recht behauptet werden, daß sie auf der Höhe der Zeit steht. Hier ist jedem Schüler reichlich Gelegenheit geboten, sich nebst den weltlichen Gegenständen, ein gründliches hebräisches Wissen, von den ersten Anfängen bis zur Kenntniß der und s*vr anzueignen. Dabei sind die Schüler einer strengen Disziplin und Ordnung!