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Der Israelit · 1903-09-10 · Heft 72 (10.9.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 72 (10.9.1903)
Date
1903-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Brandenburg a. H., 7. Sept. Am vergangenen Freitag Abend fand hierselbfi die feierliche Einrichtung der prächtig renovirten Synagoge statt. Vor nunmehr zwanzig Jahren erbaut, konnte sie in Folge ungünstiger Verhältnisse lange Jahre hindurch nicht fertiggesiellt werden, da die feuchte Lage immer wieder eine unangenehme Nässe an den Wänden hervorrief, die jeden Anstrich und jede Malerei verhinderte. So waren wir gezwungen, in dem halbvollendeten Raume unsere Gottesdienste abzuhalten und die Wände in ihrer ursprünglichen Kahlheit zu belassen. Vor Kurzem erst wurde die absolute Trockenheit der Wände konstatirt und nun konnte man daran gehen, das Innere mit würdigem Schmucke auszustatten. Dies geschah denn auch in schönster Weise, und zugleich wurde die ganze innere Einrichtung einer gründlichen Renovation unterzogen. Inmitten der Gemeinde regte sich ein edler Wetteifer, das Innere durch Spenden in erhöhter Schönheit auszustatten. Besonders hervorzuheben ist eine vollständige Gasglühbeleuchtung, die Herr I. Vandsburger stiftete. Und so gestalteten wir denn den ersten Gottesdienst in dem in strahlendes Licht getauchten Gotteshause zu einem besonders feierlichen. Unter den Klängen des von einem Männerchor vorgetragenen ras no wurden die Thorarollen in die heilige Lade zurückgebracht. In seiner Festpredigt zeichnete Rabbiner Dr. Ackermann im Anschluß an das Sidrawort prp i'snv nra die Bedeutung des jüdischen Gotteshauses in der Vergangenheit und wies namentlich darauf hin, wie diese heiligen Stätten inmitten einer trüben, enttäuschungsreichen Gegenwart auch uns wieder Stätten des Trostes und der inneren Erhebung werden können und sollen. Redner schloß mit dem Wunsche, daß von der erhöhten Glanzesfülle des Gotteshauses auch auf das Leben draußen ein neuverjüngendes Licht hinstrahlen möge. Limburg a. d. Labn, 6. Sept. Gestern und beute feierte die hiesige isr. Gemeinde die Einweihung ihrer neuen Synagoge. Rach einigen Abschiedsworten des Herrn Rabbiners Dr. Weingarten von Ems setzte sich der imposante Festzug, voran die 88. Kapelle, weißgekleidete Mädchen, die Schuljugend. Geistlichkeit, der Synagogenchor, der Architekt und die Bauhandwerker. in Bewegung. Unter einem Baldachin schritten, umgeben von kränzetragenden Mädchen, die Thoraträger, ihnen folgten eine Menge hiesiger und auswärtiger Festtheilnehmer. In dem Zuge bemerkte man u. a. die Herren Geheimer Reg.-Rath Rabe, Major und Bezirks - Kommandeur Hasse, Erster Staatsanwalt Settegast (bekannt aus dem Konitzer Prozeß), Pfarrer Obenaus. Bürgermeister Kauter und sämmiliche Magistratsmitglieder, Ehrenbürger und Bürgermeister a. D. Schlick. Stadtverordneten-Vorsteher Brand und sämmtliche Stadtverordneten u. a. m. Am Portale der neuen Synagoge angelangt, überreichte die Schlüsselträgerin dem Herrn Architekten Spahr von Marburg den Schlüssel, welcher denselben Herrn Bürgermeister Kauter übergab, und letzterer Herrn Bezirksrabb. D. Weingarten mit dem Wunsche, daß das neue Gotteshaus zum Segen und Wohle der hiesigen Gemeinde, der Stadt und des ganzen Vaterlandes gedeihen möge. Nach dem Eintritt in die Synage erscholl „Gesegnet seien, die da kommen* u. s. w. Der vortrefflich geschulte Chor sang meisterhaft „Me herrlich und lieblich sind deine Zelte Jakob.* Hieraus zündete Herr Dr. Weingarten die ewige Lampe an. In fast Inständiger, formvollendeter und wohldurchdachter Rede behandelte Herr Dr. Weingarten das Thema, daß die Kultusstätte früher von den Patriarchen Berg, Feld und Haus genannt wurde. Sodann ermahnte Dr. Weingarten auch die Nichtjuden zu achten und zu ehren, da wir alle den einen Zweck verfolgen, Gott zu ehren. Mt einem Gebet für den Kaiser und das kaiserliche Haus schloß Herr Dr. Weingarten, und hinterließ diese oratorische Leistung einen großartigen und erhebenden Eindruck auf alle Theilnehmer. Mit der Hymne „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre* schloß die offizielle Feier. Nach einer, halbstündigen Pause fand der Abendgottesdienst statt. In liebenswürdigster Weise übernahm Herr Kantor Weißmann aus Frankfurt a. M. auf Einladung der Gemeinde die Sologesänge und überraschte Alle durch seine volltönende und wohlklingende Stimme, die in dem neuen Gotteshause vollkommen zur Geltung kam. Abends um 9 Uhr fand im „Preußischen Hof" Militärkonzert, mit einem sorgfältig ausgewählten Programm statt. Hier begrüßte Herr Lomnitz die erschienenen Gäste, insbesondere die Ehrengäste und Vertreter der Behörden. Herr Rabb. Dr. W e i n ga r - ten brachte den Kaisertoast aus und stimmten die Anwesenden die Nationalhymne an. Weiter toastete Herr Stadtverordneter Rosenthal auf Architekt, Bauhandwerker und Vaukommission. Herr Bürgermeister Kauter auf die Isr. Gemeinde. Herr Dr. Landau auf den Festausschuß, Herr N i c l a s auf den Chor, Herr Stadtverordnetenvorsteher Brand auf die Damen. Am Samstag Morgen 9 Uhr fand der Hauptgottesdienst statt, wobei Herr Kantor Weißmann die Sologesänge rezitirte, unter wackerer Beihilfe des Chors. Damit auch die Kinder zu ihrem Rechte kamen, fand Nachmittags ein wunderschönes Kinderfest statt, und man konnte es den Kindern an ihren Gesichtern ablesen, daß es sie voll befriedigte. Abends 9 Uhr fand in der Alten Post ein Festbankett statt und erwiesen sich die großen Räume viel zu klein. Rühmend hervorzuheben ist. daß die Bürger wetteiferten, durch Beflaggen ihrer Häuser die Festftimmung zu heben, und haben die Bewohner der Stadt Limburg erwiesen, daß sie in einer Stadt der Toleranz wohnen. N. Höchst i. C., 8. Sept. Am vorigen Freitag, den 1.2. Elul, trugen wir einen Mann zu Grabe, der es verdient hat, auch in Ihrer gesch. Zeitschrift gewürdigt zu

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