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Der Israelit · 1903-09-10 · Heft 72 (10.9.1903) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 72 (10.9.1903)
Date
1903-09-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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usi3SBmaass^tJMüämmBam 1593 Zei1u«gs«achrichten uu- Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 6. Sept. Bei g^ußer Hitze fand die heutige Repräsentantensitzung statt. Sie war die erste nach den Ferien und begann mit dem Ausfall eines' Rechtsstreites, welcher zu Angunsten der Gemeinde entschieden war. Die gemischte Kommission zur Verathung über die Art der Verbreitung von Gemeindebeschlüssen hinsichtlich der Wahl von Mitgliedern der Verwaltungs-Kommissionen wird noch ein Mal tagen und der Vorstand wird noch ein Mal ihre Beschlüsse als unausführbar ablehnen, da er sich nicht fesilegen lassen will. Man braucht weder ein Prophet, noch eines Propheten Sohn zu sein, um dies einzusehen. Herr Banquier Albert Arons hat der Armentommission ein Legat von 5000 Mk. hinterlassen, der Rentier Lewin Louis Cohn hat unter gewisser Modalität ein Kapital von 10,000 Mk. der Gemeinde zugewandt. Der Antrag auf feierlichere Gestaltung der Varmizwahfeier (soll diese mit Pauken und Trompeten die Unwissenheit der jungen Herren erhöhen, denen die Beracha mit lateinischen Buchstaben vorgeschrieben wird?) wird einer gemischten Kommission überwiesen. In die gemischte Kommission zur Vorbereitung der Wahl eines Mitgliedes für den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand werden die Herren Geheimrath Vlumenthal, Dr. Cohn und Immanuel Sachs gewählt. Da jetzt zwei Rabbiner in der Lindenstraße konfirmiren, so hat sich eine Mehrausgabe von 55 Mk. herausgestellt, welche bewilligt wurde. Zu Vorstehern in der Altersversorgungsanstalt werden neu gewählt die Herren Max Meklenburg, Max Sperling, Moritz Zutrauer und Hans Friedländer. In die Kommission zur Verwaltung des Quellbades wird Herr Aron Hirsch gewählt. Derselbe nimmt die Wahl an. E. R. Berlin, 7. Sept. Dem Bureau des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" geht soeben eine gemeinsame Verfügung der Herren Minister der Justiz, der Finanzen und des Innern an den Vorstand des Vereins „Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl in Weißensee bei Berlin" vom 26. August d. Js. zu, wonach der die Rechtsfähigkeit besitzende Verein als milde Stiftung anerkannt wird. Dem Verein steht hiernach im gesetzlichen Umfange Befreiung von der preußischen Stempelsteuer, der Erbschaftssteuer und der Gerichtsgebühren zu. An diesem Erlaß darf wohl ein neuer Beweis der von den höchsten Staatsbehörden dem" gemeinniitzigen Zwecke'des genannten Vereins gezollten Anerkennung erblickt werden. Neben diesem moralischen Werth ist aber auch der materielle nicht zu unterschätzen. Nun- 1 mehr können Wohlthäter der Arbeiterkolonie Schenkj ungen und letztwillige Zuwendungen in beliebiger Höhe gewähren, ohne daß ein nicht unbeträchtlicher Theil (vier vom Hundert) dem gewollten Zweck entzogen wird. Es ist dem genannten Institut zu wünschen, daß ihm nunmehr das Interesse unserer Philanthropen in erhöhtem Maße zu Theil wird. Denn die Aufgaben der Arbeiterkolonie sind über den von den Leitern selbst gezogenen Rahmen weit hinausgewachsen. Statt der für das Jahr 1903 veranschlagten Besetzung mit durchschnittlich fünfzig Mann, ist eine solche von siebzig Kolonisten zu verzeichnen: so groß ist der Zudrang der Arbeitswilligen gewesen. Hinzu kommen noch durch mehrere Wochen zehn Flüchtlinge aus Kischinew. Es ist bisher gelungen, allen Schützlingen Beschäftigung zu verschaffen. Ueber die Bedeutung dieser sozialen Leistung brauchen wir uns an dieser Stelle nicht zu verbreiten. Man wird aber einsehen, daß die Vereinsleitung in gesteigertem Maße auf das Wohlwollen weiter Kreise angewiesen ist. Für den Verein bestimmte Geldsendungen und Zuschriften beliebe man an das Bureau des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes." Berlin W., Steglitzerstraße 85, zu adressiren. Beabsichtigte Naturalienspenden, insbesondere die sehr erwünschte Zuwendung von gebrauchten Kleidungsstücken direkt zu melden der Jüd. Arbeiterkolonie in Weißensee, Wsrtherstr. 20, Telepbon-Ansckl.: Weißensee 192. Hamburg, im Sept. Der „Verein zur Unterstützung bedürftiger isr. Familien an Sabbat und Feiertagen" hat in seiner letzten Versammlung, die unter Vorsitz des Herrn E. C a l m a n n stattfand, beschlossen für das laufende Semester 40 Portionen zu je 5 Pfd. Fleisch und 5 Pfd. Mehl, sowie 200 Portionen zu je 3 Pfd. Fleisch und 4 Pfd. Mehl zur Vertheilung an die Vereinsmitglieder zu bringen. Diese geben dann die Nahrungsmittel direkt an die ihnen als bedürftig bekannten Familien weiter, so daß nur die Vertheiler den Namen der Empfänger kennen. Außerdem sind aber seitens der Verwaltung noch eine weitere Anzahl von Portionen zur Vertheilung an besonders bedürftige Familien bestimmt worden, wofür die Ausgaben aus den dem Verein zufließenden Spenden resp. Legatszinsen bestritten werden. Der Verein, der im Jahre 1848..in's Leben gerufen wurde, ist nicht in der Lage, alle ihm unterbreiteten Gesuche betr. Unterstützung mit den nöthigsten Lebensmitteln zu genügen, da im Laufe der letzten Jahre die Mitgliederzahl zurückgegangen ist und auch die freiwilligen Spenden nur sehr spärlich fließen. Eine weitere finanzielle Kräftigung des Vereins wäre daher sehr erwünscht und nimmt der Schriftführer. Herr Direktor Plocki, Waisenhaus Papendamm, jederzeit bereitwilligst Anmeldung neuer Mitglieder entgegen.

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