Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-09-07 · Heft 71 (7.9.1903) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 71 (7.9.1903)
Date
1903-09-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449957--59025-2523469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1589 „Verzeihen Sie, Herr Oberst," erwiderte Musa. „Meines Erachtens dürfen Frauen mit der Straße nichts gemein haben!* „Im Salon aber könnten sie umso erfolgreicher Mitwirken!" ,,Was soll uns aber diese langweilige Politik?" „Damit bin ich von Herzen einverstanden! Das ist allerdings nicht Ihre Sache! Aber die Zeiten! Die Zeiten sind sehr schwer. Auch die Damen haben Pflichten gegen das Land! Die Regierung thut, was sie kann. Aber ohne Eure Mitwirkung vermag sie gar nichts!" „Was könnien wir denn aber thun?" ..Ich gebe Ihnen, gnädiges Fräulein, mein heiliges Ehrenwort." erwiderte Sofronow, „daß ich Polen nur haben Verbindungen, Sie kennen das Land, Sie sehen Menschen. Sie können auf. sie emwirlen! Gehen wir zusammen, Hand in Hand!" Wieder überflog flammendes Roth Musa's Antlitz. Ebenso schnell aber erbleichte sie wieder und sprach gesenkten Hauptes: „Ich liebe die Politik durchaus nicht, und alll den Schmutz, den sie nach sich zieh;. Wüßte ich aber, daß ich wirklich mich nützlich machen kann, so würde ich mich mit Freuden opfern! Oöschon, lieber Oberst, dies ein gefährliches Spiel mit dem Feuer ist! Man kann sich leicht verbrennen? In unserer Lage, in meiner zumal, in der einer Unvcrheiratheten, Verliert man mit der Popularität vielleicht seine ganze Zukunft! Heut' vermag schon ein beliebiges Merkmal, ein Verdacht. Ir» Sw£'Vi Vpfcv ötu Kischüttwrv Ralaflvophr. *#•£■£###£ •@ute§ wünsche, selbstverständlich in der Verbindung mit uns und in den vernünftigen Grenzen dieses Polens. Aber sowohl ich, als auch die Anderen, wir sind völlig blind!" Musa merkte jetzt schon, wohin dies zielte. Purpurröthe flog wie ein Blitz über ihr Antlitz. Sie kam zu der Ansicht, daß, wenn sie jetzt die Hand biete, sie zu Macht gelangen, ihr Haus emporheben könne. „Wer weiß?" flüsterte sie, im Geiste sich schon bis zu den Stufen des Thrones aufschwingend. Ein Blick in den Spiegel bestärkte sie in der Ueberzeugung, daß sich dies sehr wohl verwirklichen könne. „Wohlan denn!" sprach sie kühler. „Sprechen Sie ganz offen, Herr Oberst! Ich bitte sehr darum!" „Seien Sie, gnädiges Fräulein, meine Rathgeberin und Führerin," antwortete Sofronow. „Sie „Aber gnädiges Fräulein! Wie können Sie so etwas fürchten?" fragte lächelnd der Oberst. „Sie ziehen in die Residenz und sehen Sie, wie Sie dort ausgenommen werden! Aber was soll das?" fügte er leiser hinzu. „Sind Sie nicht selber überzeugt, daß Jeder, auf welchen Sie ein Auge zu werfen geruhen . Er kam nicht zu Ende. Das war so etwas, wie das Vorspiel einer Erklärung; in Musa's Berechnung lag es, dies nicht zu fördern. Sie unterbrach ihn daher mit den Worten: ..Alton» donc! Sie verstehen mich nicht, Herr Oberst. Ich sprach nur von den allgemeinen Kümmernissen und Unannehmlichkeiten des Lebens!" Also verständigten sie sich endlich einigermaßen. Einige Tage später wurde der Salon der Frau Wtorkowska glänzender, als jemals eröffnet. Man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.