Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 71 (7.9.1903)
- Date
- 1903-09-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1v80 manches andere Kraut will nicht recht gedeihen — wohl, weil man die rechte Art noch nicht fand — doch wachsen schon jetzt in den Negeransiedelungen zwei gute Bohnenarten. eine Anzahl von Kürbissen und Melonen, Mais, Kefirkorn. Karotten, Erbsen, Krautarten, Erdnuß. Kartoffeln muß man erst auf geeignete Sorten erproben, es dürfte unseres Erachtens aber genügen, großknollige Arten in höherer Lage und auf armem Boden anzubauen, um tüchtige Früchte zu erlangen. In den Niederungen gedeihen Banane und Ananas, der Melonenbaum (Coiica Papaya) und wohl an fünfzig verschiedene wilde Fruchtarien, worunter zum Beispiel die Passionsblume (Pas.sittora edulis) melonengroße süße Früchte liefert. Wir können hier nicht darauf eingehen, welche Pflanzengattungen am nutzbringendsten angebaut werden könnten, es gibt deren in Menge. Das Absatzgebiet für eine arbeitsame weiße Bevölkerung eines zur Ansiedlung durchaus geeigneten Gebietes ist gegeben — es ist das eigene Land Ostafrika zunächst, dann die benachbarten andern Kolonien und schließlich der Weltmarkt. Zu diesem aber führt heute schon die 1000 Kilometer lange Ugandabahn, und sie wird in absehbarer Zeit Anschluß erhalten an die Kap-Kairobahn und jenseits des Niansasees an die große Kongobahn, die den Atlantischen Ozean mit dem Gebiete der großen Seen verbinden wird, und von der 500 Kilometer bereits fertig sind. Nach allem sind, sowohl was allgemeines Klima, Höhenlage. Thier- und Pflanzenwelt angeht, und was die Absatzwege und Zugangswege betrifft, die Bedingungen für die Gründung eines jüdischen Neulandes in Mittelafrika sehr günstige. ZMrmgZnaHrLHLerr \mX> Corresponderrzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 4. Sept. (Die Iu d. Turnerschaft hat gesprochen.) Vom Ausschuß der ..Jüdischen Turnerschaft" erhält die „Frankfurter Zeitung" die folgende Entgegnung auf einige von ihr über die Bestrebungen derselben gemachte Bemerkungen: V e r l i n, 2. September 1903. Gr. Hamburgerstr. 13. Sehr geehrte Redaktion! Auf die in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichten Ausführungen über jüdische Abschließungsbestrebungen bitten wir Sie. folgender Kundgebung als offizieller Entgegnung des zuständigen Organs der „Jüdischen Turnerschaft" in Ihrem Blatte freundlichst Raum geben zu wollen. Ohne auf alle gegen unsere Bewegung gerichteten Angriffe einzeln einzugehen, möchten wir uns hier auf folgende zwei Hauptpunkte, die uns als Quintessenz der gesammten Polemik erscheinen, beschränken. Man macht uns zum Vorwurf: 1) unsere Abschließung von der nichtjüdischen Bevölkerung. 2) unseren über die staatlichen Grenzen hinausgehenden Zusammenschluß mit den Juden anderer Länder. Was den ersten Punkt anbetrifft, so haben wir zu erklären: Unsere Abschließung in jüdischen Turnvereinen ist zwar für manche unserer Mitglieder aus der Verärgerung über die antisemitische Strömung in der deutschen Turnerschaft entstanden — und wer wollte es einem Juden, dem Selbstwürde und feineres Empfinden eigen isi, zumuthen. dort zu verharren, wo er doch meistens nicht als vollwerthiges Mitglied angesehen wird? Haben doch die akademischen Turnvereine, die geistige Elite der deutschen Turnerschaft,' allen Juden ausnahmslos den Eintritt verwehrt; auf die sattsam bekannten Verhältnisse im 15. Kreise der deutschen Turnerschast hier näher einzugehen, dürfen wir uns wohl versagen. Der Antisemitismus könnte also wohl als äußerer Anstoß für die Begründung der jüdischen Turnvereine aufgefaßt werden. Die'innere Ursache jedoch liegt weit tiefer. Die jüdische Turnbewegung führt geschichtlich ihren Ursprung auf den Zionismus zurück, mit dem sie die national-jüdische Grundlage gemein hat, während sie sich wesentlich dadurch von ihm unterscheidet, daß sie jeglichen politischen Charakters entbehrt, da sie sich jeder Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten enthält. Unsere national-jüdische Aufgabe erblicken wir in der Pflege und Veredelung derjenigen unserer Stammeseigenthümlichkeiten, die wir als werthvoll erkannt haben. Dies kann aber nur in jüdischen Vereinen geschehen. Unsere Vereine haben mithin nicht nur den Zweck, eine physische Kräftigung des jüdischen Stammes anzubahnen, sondern sie leisten auch eine ethische und soziale Kulturarbeit. Daraus einen Gegensatz zum Deutschthum herleiten zu wollen, ist durchaus ungerechtfertigt, und wir weisen mit aller Energie den gegen uns erhobenen Vorwurf, als ergäbe sich aus unserem Zusammenschluß als Juden mit innerer Selbstverständlichkeit eine Minderung unseres deutschen Empfindens, zurück. Eine Vergleichung und Jdentifizirung unserer Bestrebungen mit den dänisch- und polnisch-nationalen zeugt von einem völligen Mißverstehen unserer Tendenzen. Gegen jene Bewegungen wendet man sich vom deutschen Standpunkt aus doch überhaupt nur deßhalb, weil man annimmt, daß ein Kampf gegen das Deutschthum zu Gunsten einer dänischen bezw. polnischen Kultur geführt werde, und weil man befürchtet, hierdurch könnten die auf event. Losreißung der seinerzeit dem Deutschen Reiche einverleibten Gebietstheile gerichteten Absichten Förderung erfahren. Welchen Gebietstheil des deutschen Reiches