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Der Israelit · 1903-09-07 · Heft 71 (7.9.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 71 (7.9.1903)
Date
1903-09-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44. Jahrgang. k» zn Jfs 71 Lin jüdisches Neuland. Den Bemühungen des unermüdlichen Vorkämpfers des Zionismus, Dr. Herzl, ist es nach langwierigen Verhandlungen gelungen, von der englischen Regierung ein Zugeständnis erster Ordnung zu erlangen. England ist bereit, in seiner Kolonie Qstafrita zum Zwecke jüdischer Ansiedlungen, einen großen Landestheil herzugeben. Dieses Land soll unter jüdischen Oberbeamten ein autonomer Staat sein, unter Oberhoheit der englischen Regierung. Wo liegt dieses Neuland der Juden? Es liegt, so schreibt die „Zeit", inmitten der britischen Kolonie Ostafrika, die sich vom Indischen Ozean bis an das Riesen-Binnenmeer Mittelafrikas, den Viktoria-Niansa, erstreckt, zur südlichen Grenze die Kolonie Deutsch- Ostafrika, zur nördlichen den Sudan hat. Vom Hafen Mombassa, der bereits unter englischer Verwaltung einer der besten der Ostküste geworden ist. geht eine Eisenbahn, die Ugandabahn, bis an den Niansee. Sie führt mitten durch das jüdische Zukunftsland, das Raum bietet für Millionen, die dort ein Heim suchen wollen, für andere Millionen freier Bürger, die dort ihre Heimath haben werden. Das Land ist 300 englische Meilen lang und hat eine Oberfläche von etiva 90,000 englischen Quadratmeilen, das heißt, es ist ungefähr so groß, als vergleichsweise Oesterreich ohne Tirol, und Ungarn ohne Siebenbürgen (oder mehr als fünfmal so groß wie Schlesien). Die Bahn führt den Reisenden in 30 Stunden von der Küste bis in das neue Land, eine Hochfläche mit ausgezeichnetem, dem Weißen in jeder Hinsicht zuträglichen Klima, in einer Höhe von mehr als 2000 Meter, mit Bergrücken, die 3000 bis 4000 Meter hoch ansteigen, und die alle vom gewaltigen Schneegipfel des Kenia überragt werden. Wie jener einst durch vulkanische Kräfte gehoben wurde, verräth das übrige Land in den rundgew'ölüten Gipfeln noch seinen Ursprung-, und eben darum ist es ungemein fruchtbar. Durch die Thäler strömen, von den hochragenden Gipfeln kommend, wasserreiche Bäche und Flüsse. Sie werden den Ansiedlern die Wasserkraft für vielerlei Zwecke, vor allem für elektrische Turbinenanlagen, liefern. Die Thäler umschließt ein an Baumarten reicher Galerienwald, in dessen Schatten Moose und Farne wuchern, die Vanille ihre Ranken um die Aeste schlingt, bunte Orchideen auf niedcrgesunkenen Baumriesen ihre seltsamen Blüthen entfalten. Durchbricht er den tiefer gelegenen Urwald, so tritt der Wanderer hinaus auf weite Wiesenslächen, die einen gewaltigen Park darstellen, in dem knorrige, niedrige Mimosen- und Mangobäume das Gebüsch bilden, das der gewaltige Wollbaum überragt, dessen Ausdehnung nur noch von dem geradezu riesenhaften Affenbrodbaum iibertroffen wird, den man, seiner klotzigen Ungestalt wegen, am besten Mammuthbaum nennen sollte. Die Abhänge der Berge bedeckt dichter, immergrüner Busch, in dem der Kaffeestrauch wild wächst, wie denn überhaupt Jnnerafrika die Heimath des Kaffees ist, nicht das Land Amen, das Mokkaland, wohin er einstmals von Phönicern gebracht und angepflanzt sein mag, ebenso wie eine sehr schmackhafte, kleinkörnige Bohnenart, die dort jetzt vorkommt, in Ostafrika zu Hause ist. Steigt der Reisende an den Verghängen höher empor, so findet er dort eine Pflanzendecke, die der unserer Wiesen und Almen in etwas gleicht, bis dann die Höhenlage dem Wuchs ein Ziel setzt. In den Ebenen, wo zum Theil der Negerstamni Massai seine Viehherden treibt, finden sich mehrere Seen und viele Weiher vor, die von einer überaus üppigen Pflanzenwelt umgeben sind. Der Papyrus der Alten bildet breite Dickichte am schilfigen Ufer, rosafarbene Winden schlingen sich um die tiefgrünen, übermannshohen Stengel, die von einem krausen Busch gekrönt sind. Auf der Fluth schwimmen Feerosen mit lichtblauen Blüthen, die weiße Calla zeitigt jahraus, jahrein ihre prachtvollen Blumen. Am Ufer stehen in Mengen lichtrothgefiederte, schmalhalsige Flamingos. Silber- und Purpurreiher, Blaukraniche in ernster Beschaulichkeit. Schmucke Sporngänse tummeln sich auf der Fluth, zwischen dem Schilf lauert der große, schönfarbige Eisvogel (Ceryle lnaxima) auf Fische. Aber auf dem Stumpfe eines Affenbrotbaumes hocken pärchenwcise in Mengen die Schreiadler (H.-iimefos vocifer), minutenlang ihren Hellen Schrei ausstoßend, und lungern ebenfalls nach Beute. Unter den breitästigen Sykomoren haben grüne Tauben und buntscheckige Spechte ihre Nester, und aus dem Fächerpalmengcbüsch vernimmt man den Ruf des Honigkuckucks (Circulus indicafor). Nächtlicherweile aber machen die Großen der Tbierwelt sich auf. der Elefant, der noch nicht ganz ausaerottet ist und künftig nicht wegen des Elfenbeins gejagt, sondern als Zugthier benützt werden wird, und die großen Katzen: der Löwe, der Serval, der Leopard, die aber vor Dornhecken, Stachelzäunen und vor nächtlichem Feuer heillose Angst haben; die Hyänen, die nach gefallenem Vieh suchen. Was den Ackerbau angeht, so gedeihen in jenen Gebieten ebenso unsere Körnerfrüchte, als die menten Gemüse. Der Biertrinker wird freilich auf seß;en Radi verzichten müssen, denn diese Rübe wird holzig. Auch

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